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Frankreich (2006) Regie: Christian Volckmann, Buch: Alexandre de La Patellière, Mathieu Delaporte, Jean-Bernard Pouy, Patrick Raynal, Art Direction: Pascal Valdes, Musik: Nicholas Dodd, Sprecher: Daniel Craig, Catherine McCormack, Romola Garai, Jonathan Pryce
Am Anfang war die Optik. Regisseur Christian Volckmann nimmt in seinem ersten Kinofilm den Cell Shade Stil von Frank Miller (Sin City, 300) und bannt ihn auf Leinwand. Die Charaktere, deren Mimik von realen Schauspielern übernommen und verfremdet wurde, wandeln durch eine bizarre, schwarzweiße Welt, in der das wenige Licht für scharfe Konturen sorgt. Graustufen sind selten. Als Setting dient das futuristische Paris in knapp fünfzig Jahren, aus gläsernen Zwischenebenen bestehend und von überdimensionalen Werbetafeln dominiert. Lediglich das Sacré Coeur erinnert noch an das gewohnte Bild der Stadt, während die Guten und die Bösen sich im Stil der besten 50er Jahre Krimis eine Autojagd auf den dunklen Straßen liefern. Überwachungskameras sind omnipräsent und leiten jeden deiner Schritte an den zuständigen Machthaber weiter. Das schreit nach noir. So ist es auch kein Wunder, dass wir es nach einem völlig diffusen Anfang schon bald mit einer Entführung zu tun haben und ein einzelgängerischer, wenn auch nicht unsympathischer Polizist mit Persönlichkeitstrauma (gesprochen vom neuen Bond, Daniel Craig) die Geisel retten soll. Unterwegs stößt er auf eine Femme Fatale, einen Haufen fieser Wissenschaftler und ein dunkles Geheimnis. Ach, und natürlich wird die Welt von einem riesigen Konzern dominiert. Klingt nach Wiederholung, ist es auch. Und die Rede ist nicht von den Noir-Elementen.   Denn bereits der Titel erinnert an „Los Angeles, November 2019“ (so beginnt Ridley Scotts Blade Runner!), kurz darauf tauchen nur als Umriss erkennbare Kampfmaschinen auf (Ghost in the Shell!), dann landen wir auf einer irren Kamerafahrt durch aalglatte Settings (Minority Report!), um dann über den Stadtdächern im Bureau des Konzernhauptes von Avalon (Metropolis!) Platz zu nehmen. Alles, aber auch alles, was man in Renaissance zu sehen bekommt, war schon mal da. Es ist, als hätte die Crew alles zusammengeworfen, was sie schon mal cool fand, und das mit nicht gerade viel Tiefgang. Die Frage nach dem Sinn des Lebens beantwortet der Film nämlich im Vorbeigehen, alle anderen motivationstechnischen Fragen werden mit einer Genrekeule erschlagen, und weils noch nicht genug ist, bringt jemand zwischendurch ein Kind auf die Welt. Natürlich darf in einem schwarzweißen Film auch der obligatorische Einsatz von Farbe als Stilmittel nicht fehlen. Spätestes an diesem Punkt hat dieser Streifen sein ganzes Potential in den Wind geschossen.
  Reinschauen lohnt es sich trotzdem, denn seine Momente bekommt Renaissance, sobald die Handlung außen vor gelassen wird und man sich allein auf die visuelle Kraft konzentriert. Dann führt der Film uns auf Labyrinthjagden im Stil eines Ego-Shooters, in beklemmend-paradiesische Gärten, metallisch-coole Diskotheken und dreckige Metrostationen. Zu einem minimalistischen Soundtrack von Christian Dodd entfaltet sich eine neue Welt des im Kino Möglichen und Machbaren und wir bedauern zum wiederholten Male, dass Christian Volckmann da kein besseres Drehbuch in die Hände gefallen ist.
Text Copyright Darina Goldin 2006 Cover, Screenshots Copyright Pathé |