UK 1967 Originaltitel: The Prisoner, Buch: Patrick McGoohan, George Markstein, David Tomblin u.a., Regie: Don Chaffey, Pat Jackson, Patrick McGoohan, Peter Graham Scott, Musik: Ron Grainer, Albert Elms, Wilfried Josephs, Darsteller: Patrick McGoohan, Angelo Muscat, Peter Swanwick, Leo McKern, DVD-Preis: 47,93 € Nummer 6 - The Prisoner (7 DVDs) bei Amazon.de Seit einigen Jahren sind Mystery-Serien im Fernsehen eine große Nummer. Twin Peaks, Akte X oder Lost sind jedem ein Begriff, selbst wer kein Interesse an wöchentlichen TV-Pflichtterminen hat, kann sich dem Hype der geheimnisvollen Serienkost kaum entziehen. Aber wer glaubt, Mystery-Serien seien ein modernes Phänomen, der täuscht sich gewaltig. Bereits gegen Ende der 60er Jahre flimmerte in Großbritannien The Prisoner über den Bildschirm und fesselte die ganze Insel-Nation vor den Bildschirm. Auch in Deutschland lief The Prisoner unter dem Titel Nummer 6 - die Synchro war gelungen, allerdings wurden einige Folgen schlichtweg nicht gesendet. Aber das Darben hat ein Ende: Koch Media hat vor kurzem eine exzellente Box mit allen Folgen der alten Kultserie veröffentlicht. Nachdem er seinen Agentenjob hingeschmissen hat, freut sich der namenlose Held auf einen ausgedehnten Urlaub in der Sonne. Aber daraus wird nichts: In seiner Londoner Wohnung wird er mit Gas betäubt und verschleppt. Als er aufwacht, scheint alles beim Alten zu sein. Doch schnell erkennt er, dass er nicht in seiner eigentlichen Wohnung, sondern einem sorgfältigen Nachbau erwacht ist. Und er befindet sich auch nicht mehr in London, sondern in einem Ort, der von allen einfach als "The Village" bezeichnet wird. Hier werden all die Agenten im Ruhestand festgehalten - und man weiß weder von wem noch aus welchem Grund. Nur eines ist klar: Sie sollen ihr Wissen preisgeben. Und das wollen die geheimnisvollen Hintermänner des Village um fast jeden Preis erreichen. 
Individualität ist abgeschafft. Anstatt eines Namens haben die Bewohner des Village eine Nummer. Der Chef hört auf den Namen Nummer 2 und wechselt permanent. Und dann bleibt da noch die Frage, wer dann die Nummer 1 ist... In jeder Folge beschäftigt sich The Prisoner mit anderen Themen. Mal dreht es sich um Identität, dann wieder um einen dramatischen Fluchtversuch, mal präsentieren die Macher eine absurde politische Parabel und dann wieder ein scheinbar klassisches Genre-Stück. Eines ist auf jeden Fall klar: Wenn man The Prisoner einschaltet, weiß man nie, was einen nun erwartet. Und das ist die größte Stärke der Serie. Da ein ordentliches Budget bereit stand, sieht The Prisoner nicht nach billiger TV-Kost aus, sondern beeindruckt mit tollen Kulissen - sowohl der real existierende Ort Portmeirion mit seinem wilden Architektur-Mix wird toll eingefangen wie auch die futuristische Kommandozentrale und das oft seltsam anmutende Haus von Nummer 2 viel fürs Auge bieten. Selbst wer The Prisoner noch niemals gesehen hat, wird gleich bei der ersten Folge etliche Déjà Vus erleben. Kaum eine Serie hat die britische Popkultur so beeinflußt wie The Prisoner. Ob nun Warren Ellis bei seiner Serie Desolation Jones das Motiv des offenen Gefängnisses für Ex-Agenten aufgreift, Alan Moore die Hauptfigur des Comic-Klassikers V for Vendetta Nummer 5 nennt, die britische Band Muse bei Konzerten weiße Ballons, die den berühmt-berüchtigten Rovers, den unheimlichen Wach-Ballons des Village, ähneln, auf das Publikum loslässt oder gleich mehrere Folgen der Simpsons direkt The Prisoner zitieren - Versatzstücke aus Patrick McGoohans famoser Serie kennt so gut wie jeder Medien-Rezipient. 
Und auch heute, mehr als 30 Jahre nach der Erstausstrahlung, hat The Prisoner kaum von seiner Faszination verloren. Im Gegensatz zu anderen Serien dieser Zeit ist The Prisoner sehr gut gealtert. Der Zeitgeist ist natürlich stets spürbar, durch das sehr seltsame und bizarre Setting, die knallbunte Kleidung und das ungewöhnliche Design - riesige, orange-farbene Mobiltelefone, sphärische Sessel und Stühle, die aus dem Boden nach oben fahren wirkt The Prisoner trotzdem heute noch so befremdlich wie damals. The Prisoner ist keine Serie, die man einfach mal kurz nebenbei ansieht - hier wird noch Aufmerksamkeit gefordert. Und wer bereit ist, diese aufzubringen, wird mit einem herrlich progressiven Stück Fernsehgeschichte belohnt. Mehr über The Prisoner zu verraten, wäre an dieser Stelle eigentlich ein echtes Verbrechen. Ob nun die exzellenten Schauspieler, die über die Serie verteilt die Nummer 2 geben, der donnernde Vorspann mit der Musik von Ron Grainer oder die legendär-umstrittenen letzten Folgen - wer ein Faible für das Medium Fernsehen hat, kommt um Nummer 6 nicht herum. Erst recht nicht in der liebevollen Aufmachung, die Koch Media der Serienbox spendiert hat. Text Copyright 2006 Thomas Nickel Cover, Screenshots Copyright Koch Media |