Advertisement

Gorilla des Monats

bernie 
Home arrow Mattscheibe arrow Spaced
Spaced

spaced UK1999

Buch: Simon Pegg, Jessica Stevenson, Regie: Edgar Wright, Musik: Guy Pratt,  Darsteller: Simon Pegg, Jessica Stevenson, Julia Deakin, Nick Frost, Mark Heap, Katy Carmichael, Ada the Dog, Peter Serafinowicz, Bill Bailey

DVD-Preis: 44,99 € Spaced - Definitive Edition [UK IMPORT] bei Amazon.de

„Haus bauen, Sohn zeugen, Baum pflanzen“. Diese Aufgaben stehen auf der Checkliste jedes gestandenen Mannsbildes ganz oben. Die Protagonisten der britischen Comedyserie Spaced haben mit derlei altmodischen Werten allerdings herzlich wenig am Hut. Der Ernst des Lebens, und damit verbundene Pflichten oder gar Verantwortungen könnten den Insassen der Londoner Wohngemeinschaft aus der Meteor Street 23 kaum gleichgültiger sein.

Da wäre zum Beispiel Tim Bisley, gespielt von Simon Shaun of the Dead Pegg. Wenn Tim nicht gerade den heimischen Buffy-Altar anbetet, unter Resident-Evil-induzierten Alpträumen leidet oder gegen hochnäsige Hallodris ins Paintball-Gefecht zieht verbringt er den Großteil seiner Zeit damit von seinem großen Durchbruch als Comiczeichner zu träumen. Schade nur, dass er unter chronischem Ambitionsmangel leidet.

TimNoooooooooooooooo
Ein Wechselbad der Emotionen!

Oder wie wäre es mit Tims Mitbewohnerin Daisy Steiner (Jessica Stevenson, bekannt aus The Royle Family)? Daisy gehört zu den großen Hoffnungen im internationalen Journalismus, eine ebenso geist- wie einsichtsreiche Autorin, für die der Pulitzer-Preis nur eine Formalität wäre, hätte sie nicht das marginale Problem bei ihren Texten nie über die erste Zeile hinauszukommen.

Aber dann wieder sieht es beim Freundeskreis der zwei ziellosen Twentysomethings nicht anders aus. Sowohl Tims bester Freund, der pummelige Hobbysoldat Mike (Nick Frost), als auch Daisys oberflächliche Busenfreundin/Erzfeindin Twist (Katy Carmichael) und Brian (Mark Heap), der obsessive Künstler von Nebenan verfügen über einen markanten Mangel an Reife. Im klassischen Sinne „erwachsen“ sind die Handlungsträger dieser Serie definitiv nicht.

Und genau das macht den besonderen Reiz von Spaced aus. Unsere Generation hat eine vollkommen andere Einstellung zur Welt als die unserer Eltern. Nie zuvor wurden Menschen vom Säuglingsalter an dermaßen popkulturell indoktriniert. Wir können ganze Unterhaltungen führen, die sich auf Filmreferenzen, Anspielungen auf obskure Fernsehserien, oder Videospielewissen beziehen. Hätten sich unsere Eltern getraut, sich schamlos in ihrer Kindheistnostalgie zu suhlen, und sich im heiratsfähigen Alter ihrer Drei Fragezeichen-, He-Man- oder 8-Bit-Sehnsucht hinzugeben? Wohl kaum. Man sieht also: Spaced ist eine Serie über uns.

GruppeHello Brian
Zorn. Furcht. Schmerz. Aggression.

Obwohl in einer Episode sogar hinterfragt wird, wie vernünftig es ist das Ende der Kindheit immer weiter herauszuzögern, um den Verantwortungen des Erwachsenendaseins zu entfliehen, lassen Simon Pegg und Jessica Stevenson, die neben den Hauptrollen auch für die Drehbücher aller 14 Episoden zuständig waren, keinen Zweifel daran wie viel Spaß dieser Lebensstil machen kann.

Doch Spaced hat auch andere Stärken. Neben der oft pointierten, manchmal surrealen Comedy nimmt sich die Serie immer genügend Zeit ihren Charakteren genügend Profil zu verleihen um sie weit über das Niveau typisch zweidimensionaler Comedy-Figuren hinauszuheben. So kommt es, besonders in der zweiten Staffel, durchaus vor dass sich abenteuerliche, dramatische und sogar romantische Momente an den entsprechenden Stellen ins Drehbuch einschleichen ohne jemals deplaziert oder kitschig zu wirken.

Ohne einen guten Regisseur würde derlei vielseitiges Material natürlich kaum funktionieren, und mit Edgar Wright haben Pegg und Co. genau den richtigen Mann gefunden um ihr ambitioniertes Material in die Tat umzusetzen. Denn nicht nur die Handlung, sondern auch die Inszenierung, wird vom popkulturellen Allerlei komplett dominiert. Wright stellt der Mundanität des Alltages gekonnt cinematische Regietricks gegenüber. Schnelle Schnitte, Zooms, und Kameraperspektiven aus zahllosen klassischen Filmen sind lediglich die offensichtlichsten Tricks aus dem Fundus der Wrightschen Trickkiste. Wer sonst hätte sich getraut, eine liebenswerte Alltagskomödie wie einen grandiosen Actionfilm zu inszenieren? Eben. Niemand. Und dieser Mut zum Neuen ist es, der Spaced zu einem solchen Unikat in der homogenen TV-Landschaft macht.

DaisyTim & Daisy
Über 80% aller tödlichen Unfälle ereignen sich im Haushalt. Trotzdem sollte man auch im Straßenverkehr immer auf die Sicherheit achten.

Kein Wunder also, dass das gleiche Team inzwischen mit der „romantischen Zombiekomödie“ Shaun of the Dead, und dem provinziellen Actionfeuerwerk Hot Fuzz (ab Juni in deutschen Lichtspielhäusern) auch im Kino den großen Durchbruch geschafft hat. Und im Vergleich zum guten Shaun muss sich Spaced mit Sicherheit nicht verstecken. Im Gegenteil sogar, denn es ist offensichtlich wie persönlich das Material für Pegg, Stevenson, Wright und Co. war. Spaced ist eine Liebeserklärung an das Geek-Leben, und im Verlauf der 14 Episoden erschafft das Team hinter dieser Serie eine lebendige Welt mit komplett entwickelten Charakteren die in der kurzen Laufzeit eines Kinofilmes unmöglich zu realisieren wäre. Kein Wunder also, dass Pegg und seine Freunde, ihren beeindruckenden Karrieren zum Trotz, an der Hoffnung festhalten irgendwann die Zeit für ein abschließendes TV-Special ihres ersten großen Erfolges zu finden.

Ansehen ist also wärmstens empfohlen. Erwachsen werden können wir schließlich später noch.

Verwandte Artikel:

Review: Black Books
Review: Shaun of the Dead
 

Text Copyright 2007 Peter Clausen
Cover, Screenshots Copyright Channel 4

 
< zurück   weiter >
© 2012 www.g-wie-gorilla.de
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.