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Jeeves & Wooster

CoverUK, 1990-1993

Umfang:
4 Staffeln mit insgesamt 23 Episoden à 50 Minuten, Buch: Clive Exton, basierend auf den Geschichten von P.G. Wodehouse,  Regie: Ferdinand Fairfax u.a., Musik: Anne Dudley, Produzent: Brian Eastman  Darsteller: Stephen Fry, Hugh Laurie, Robert Daws, John Turner, Mary Whimbush

Jeeves & Wooster - Complete Set [UK IMPORT]

Diener, Superhirn und professioneller Konfliktlöser in einem – der enigmatische Anzugträger Reginald Jeeves gehört seit gut hundert Jahren zu den populärsten Protagonisten im Dschungel leicht verdaulicher angelsächsischer Literatur. Was Sherlock Holmes oder Hercule Poirot für das Detektivgewerbe sind, repräsentiert Jeeves für den Berufsstand des Hauslakeien.

Die wohlverdiente Anerkennung im Filmgewerbe hat der kultivierte Brite allerdings erst in jüngster Vergangenheit gefunden. Weder die Jeeves-Filme aus den Vierzigern mit Arthur Treacher und David Niven, noch das Musical Jeeves von Andrew Lloyd Webber oder gar die BBC-Sitcom The World of Wooster konnten die Atmosphäre der Vorlage wirklich einfangen. Zwischen 1990 und 1993 sollte sich dieser Zustand dank einer ebenso aufwändigen wie liebevollen TV-Serie des britischen Privatsenders ITV ändern. Endlich gab es eine adäquate Adaption der Irrungen und Wirrungen, mit denen sich Jeeves und sein gutgläubiger Arbeitgeber Bertie Wooster in zahlreichen Romanen und Kurzgeschichten aus der Feder von Farce-Altmeister P.G. Wodehouse herumschlagen mussten.

Jeeves and WoosterGorilla
Links: J wie Jeeves. Rechts: G wie Gorilla

Aber was ist wirklich ausschlaggebend für eine gute Adaption? Grandiose Kulissen? Teilweise. Drehbuchautoren, die auf dem schmalen Grad zwischen Werktreue und Eigeninitiative wandern können? Mitunter. Perfektes Casting? Definitiv, denn nur wenige Schauspieler vermögen es, die Essenz einer literarischen Figur auf dem Bildschirm zu erfassen und umzusetzen und ihr gleichzeitig ihren unverwechselbaren Stempel aufzudrücken. Mit Highbrow-Comedian Stephen Fry und seinem ehemaligen Comedy-Partner Hugh „Dr. House “ Laurie ist den Produzenten der Jeeves and Wooster TV-Serie aber zum Glück ein absoluter Casting-Coup gelungen.

Auf den ersten Blick könnte man glauben, dass Laurie in der Rolle des Bertie Wooster seine Rolle des Prinzregenten George aus der dritten Staffel des Comedy-Evergreens Blackadder reanimiert hätte. Dort wie hier stellt er einen treudoofen Simpel dar, dessen ganzes Leben unwissentlich von seinem brillanten Diener geregelt wird. Im Gegensatz zu George ist der gute Bertie allerdings ein wahrer Engel. Von Egoismus, Arroganz und grenzenloser Dummheit ist im Hause Wooster keine Spur. Bertie ist ein typischer Vertreter der britischen Oberschicht der dreißiger Jahre: sStinkreich, sorglos, arbeitsscheu und impulsiv. Globale Probleme, Politik oder soziale Missstände spielen im Leben eines Mannes, der so fest in die egozentrische Londoner High Society eingebunden ist, keine Rolle. Dies geschieht allerdings nicht aus bewusster Ignoranz. Im Gegenteil sogar, Bertie Wooster stellt das WohlAanderer immer vor das Eigene, und verbringt den Großteil seiner Zeit damit, seinen Mitmenschen zunehmend groteske Gefallen zu erweisen. Nur hat er nie gelernt, dass sich die Welt weit über seinen eklektischen Bekanntenkreis erstreckt. So egozentrisch die Vertreter der Upper Class in den Werken von P.G. Wodehouse auch sind, wecken sie mit ihrer infantilen Hilflosigkeit doch immer wieder unsere Sympathien. Zweifelsohne war aber auch eine satirische Abrechnung mit dieser Gesellschaftsschicht eine zentrale Intention des Autors. Menschen vom Schlag eines Bertie Wooster sind ohne fremde Hilfe einfach nicht lebensfähig.

HughSteed?
Die Tausend Gesichter des Bertie Wooster

Aber zum Glück gibt es ja den treuen Jeeves. Egal in welche absurde Situation sich sein Herr und Meister manövriert, Jeeves findet immer den richtigen Weg um Bertie im letzten Moment herauszuboxen. In jeder noch so verzweifelten Situation zieht Jeeves im Hintergrund die Fäden und lenkt seinen Arbeitgeber mit komplex formulierten Plänen und wohlwollenden Hinterhältigkeiten auf den richtigen Weg zurück. Stephen Fry, in Großbritannien für sein gigantisches Vokabular und würdevolles Auftreten berüchtigt, verkörpert alle Facetten des Jeeves, vom gerissenen Manipulator bis hin zum väterlichen Freund, mit wortgenauer Perfektion.

Die Plots laufen dabei immer nach dem gleichen Schema ab: Wenn Bertie nicht gerade einer unfreiwilligen Verlobung entfliehen muss, schlägt er sich mit den Beziehungsproblemen seiner Freunde und Verwandten herum. Sprunghafte Frauen, feige Männer und wütende Erbtanten sind für Jeeves und Wooster alltäglich. Besonders die pausenlosen Ver- und Entlobungen steigern sich regelmäßig in dermaßen absurde Dimensionen, dass selbst Oscar Wildes The Importance of Being Earnest respektvoll den Hut ziehen muss.

Oft laufen die Abenteuer von Jeeves und Wooster strukturell wie eine Detektivgeschichte ohne Kriminalfall ab. Aber wo ein Sherlock Holmes erst zahlreiche Hinweise sammelt, um seinem staunenden Publikum am Ende die Lösung zu präsentieren, zäumt Jeeves das Pferd von hinten auf. Tatsächlich nämlich weiß der clevere Diener meist von Anfang an, wie er seinen Arbeitgeber aus der aktuellen Bredoullie herausmanövrieren kann. Anstatt mit offenen Karten zu spielen, gibt Jeeves dem guten Bertie jedoch oft Ratschläge, die ihn scheinbar vom Regen in die Traufe führen: Eine Katastrophe folgt auf die Nächste, aber immer, wenn die Situation am ausweglosesten erscheint, lösen sich die Probleme wechselseitig in Wohlgefallen auf. In diesem Moment kann Jeeves endlich dem staunenden Bertie seinen ganzen Masterplan enthüllen. Auch wenn es im Eifer des Farce-Gefechtes oft in Vergessenheit gerät: Jeeves hat die Situation immer voll unter Kontrolle!

MadelineBy Jingo
What Ho, Jeeves?

Puristen mögen bemängeln, dass der geniale Wortwitz von P.G. Wodehouse in der Fernsehserie nicht ganz so gut zur Geltung kommt wie in der Vorlage, aber die schauspielerischen Leistungen des Ensembles, gekonnt alberne Slapstickzenen und Lauries schwungvolle Gesangseinlagen trösten über derlei Mängel ausreichend hinweg. Etwas stärker ins Gewicht fallen allerdings die zahlreichen Umbesetzungen. Gut zwei Drittel der Nebencharaktere werden im Lauf der vier Staffeln mindestens einmal, teilweise sogar öfter mit neuen Darstellern versehen. Und obwohl die Geschichten bis zum Ende ein konstant hohes Niveau beibehalten, leidet die Gesamtqualität der Produktion merklich unter dem extremen Schauspielerverschleiß. Aber da Fry, Laurie und ein Teil ihrer Kollegen bis zum Ende durchhalten, kommt die Serie in dieser Angelegenheit trotzdem noch mit einem blauen Auge davon.

Dass eine so sympathisch altmodische Serie im Stil britischer und amerikanischer Kinokomödien der fünfziger Jahre erst vor wenigen Jahren produziert wurde, ist erstaunlich. Dass über weite Strecken hinweg auch die Qualität der alten Klamotten erreicht wird, ist eine kleine Sensation. So machen Anachronismen Spaß!

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Text Copyright 2007 Peter Clausen
Cover, Screenshots Copyright ITV, Granada

 
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