System: PlayStation 2
Japan (2006), Produktion: Atsushi Inaba, Director: Shinji Mikami, Lead Programmer: Kiyohiko Sakata, Sound Director & Score Composer: Masafumi Takada Entwickler: Clover Studio Erschienen bei: Capcom Preis: 48,99 € God Hand bei Amazon.de Capcoms Clover Studio war vor seiner Auflösung für grafisch und spielerisch innovative Action-Titel wie Viewtiful Joe und das wundervolle Action-Adventure Okami bekannt. Clover, das war ein Haus voller Avantgardisten, Schöngeister und Videospiel-Künstler. Tja, God Hand, das letzte Spiel der Truppe um den sympathischen Atsushi Inaba, enthält keine dieser Qualitäten. Es ist krude, oft irgendwie geschmacklos, simpel und seltsam. Aber trotzdem ist God Hand ein Spiel, für das der erfahrene Joypad-Akrobat nach einer gewissen Einspielzeit nur noch ein Adjektiv parat hat: "Schokolativ".
In Zeiten, in denen Realismus und Komplexität in Spielen immer größer geschrieben werden, ist God Hand ein wundervoller Anachronismus. Das Spiel ist eine Art legitimer Nachfolger klassischer Arcade-Prügler Marke Final Fight, aber es gibt sich bei weitem nicht damit zufrieden, vor der alten Erfolgsformel auf die Knie zu fallen und sie zu imitieren. Es drückt den alten Prügeleien seinen ganz eigenen Stempel auf und bringt etliche neue, ziemlich spaßige Aspekte mit ins Spiel. Vor allem aber gefällt God Hand mit seiner gnadenlosen Ehrlichkeit. Das Spiel langweilt nicht mit ausgedehnter Exposition - es geht sofort zur Sache. Und eine Story um Held Gene, seine Begleitung Olivia und diverse dämonische Antagonisten gibt es zwar, aber die wird eher für die Lacher ausgespielt als um für Spannung zu sorgen.  
Aber wir wollen uns hier nicht mit dem albernen Plot aufhalten, sondern lieber einen ausführlichen Blick auf das eigentliche Spiel werfen. Wie bereits gesagt, im Grunde ist God Hand ein klassischer Brawler. Der einsame Held läuft durch meist staubige Western-Szenarien und haut den bösen Buben gleich im Dutzend die Rübe ein. Dabei benutzt er zahlreiche Schlagkombinationen und Variationen derselben. Ihr habt die völlige Freiheit, eure eigenen Kombos zusammen zu bauen - für teures Geld kauft ihr neue Schlagvarationen die ihr dann auf die verschiedenen Knöpfe und Kombo-Positionen verteilt. Außerdem hat euer Held eben die sogenannte God Hand. Mit diesem sakralen Super-Arm kann er wilde Spezialmanöver einsetzen - vom beherzten Tritt ins feindliche Zentralmassiv über andere knackige Manöver darf der Spieler hier jede Menge zöllige Aktionen einsetzen, die sich verheerend auf die gegnerische Energieleiste auswirken. Zumindest solange die Hand aufgeladen ist. Habt ihr alle Spezialmanöver verschossen, bleibt nur das Hoffen, dass ein besiegter Feind ein entsprechendes Item hinterlässt oder ihr ein solches in einer zertrümmerten Kiste findet. Gerade bei den Spezialschlägen kommt der ganz spezielle Humor von God Hand zum tragen. Weibliche Gegner werden übers Knie gelegt und gehörig versohlt, anderen verpasst euer Held krachige Wrestling-Manöver. Und auch die Zwischensequenzen sind ziemlich albern. Da streiten sich die teuflichen Antagonisten wie die kleinen Kinder, Gefährtin Olivia zwiebelt Held Gene ordentlich zwischen den Levels, und dann gibt es auf einmal wieder überraschende Gewalt-Einlagen. God Hand ist eindeutig kein Spiel für zart besaitete. Okay, es fließt kein Blut und echte Splatterei findet auch nicht statt, aber handfest ist das Ganze dennoch. Und wenn dann zwei besonders warme Muskelmänner in besonders freizügigen Kostümchen über Gene herfallen, zucken auch die härtesten Kerle erst einmal empathisch zusammen.  
Trotz aller Qualitäten muss man aber auch ganz klar die Schwächen von God Hand sehen. Und das sind durchaus einige. Grafisch ist God Hand sehr mäßig ausgefallen. Die abgehackten und oft stark beschleunigten Animationen im Benny Hill-Stil sind hierbei nicht mal der große Kritikpunkt - die oft recht langweilige Umgebung und die zahlreichen Grafikfehler schon viel eher. Es kommt unangenehm oft vor, dass ganze Wände wegbrechen, wenn Gene entsprechend steht. Die Grafik ist jetzt bei weitem keine Katastrophe, aber im Vergleich zu neueren PS2-Titeln stinkt sie trotzdem gnadenlos ab. Weitaus problematischer ist aber der unausgewogene Schwierigkeitsgrad. Im Prinzip ist das ja kein Problem. Ein Spiel darf - gerade wenn es so arcadig ausfällt wie God Hand - den Spieler gerne ordentlich fordern. Das Problem bei der Sache ist aber der teilweise sehr hohe Zufallsfaktor. Gegenstände in Kisten oder bei besiegten Gegnern werden scheinbar willkürlich verteilt. Gerade in den extrem knackigen Bosskämpfen wirkt sich das oft unangenehm aus. Einmal werdet ihr mit nützlichen Gegenständen zugeschüttet, dann wieder findet ihr den ganzen Kampf über rein gar nichts. Und das kann gelegentlich für ziemlichen Frust sorgen. Ein abschließendes Urteil über God Hand zu finden ist extrem schwer. Es ist definitiv nicht so schlecht wie einem die übellaunigen Tester bestimmter deutscher und amerikanischer Spiele-Publikationen glauben machen wollen. Für eine echte Empfehlung wirkt das Spiel teilweise aber auch zu krude und unfertig, besonders da es hierzulande für gute 50 Euro über den Ladentisch geht. Fans zölliger Arcade-Action mit einer gewissen Frust-Resistenz und einem ausgeprägten Sinn für schwarzen Humor und plakative Albernheiten geben der wilden Schlägerei um den schrägen Helden Gene aber auf jeden Fall eine Chance. Verwandte Artikel: Review: Okami Interview: Atsushi Inaba Text Copyright Thomas Nickel 2007 Cover, Screenshots Copyright Capcom |