System: Nintendo DS
Japan (2006) Originaltitel: Magical Vacation: 5-tsu no Hoshi ga Narabu toki Entwickler: Brownie Brown Erschienen bei: Nintendo Preis: 34,99 € Magical Starsign bei Amazon.de Während die Intellektuellen in den USA wie hier zu lesen ist immer noch nach dem "großen amerikanischen Roman" suchen, treibt auch den gemeinen Nintendo DS-Spieler die Unrast umher - nur sucht der nicht nach wohlfeiler Prosa, sondern nach dem definitiven Rollenspiel für die geschätzte Touchscreen-Hardware. Denn seien wir alle mal ehrlich: So toll, originell und innovativ die Software-Auswahl auf dem DS auch sein mag, ein episches RPG, das klassische Genre-Elemente mit tollem Storytelling und einem klugen, nicht aufgesetzt wirkenden Einsatz der DS-Fähigkeiten vermischt, das gibt es nicht. Lunar Dragon Song? Ein wilde Ansammlung an Designfehlern und Spieler-Schikane. Final Fantasy III? Grafisch top, aber dennoch ein Spiel aus den späten 80er Jahren. Children of Mana? Nee, nicht wirklich. Und Mario & Luigi: Partners in Time geht eigentlich kaum als klassisches Rollenspiel durch. Jetzt erscheint der jüngste Anwärter auf den begehrten Titel auch in Deutschland. Brownie Brown, die Ex-Square-Truppe, die zum Beispiel das nette, aber irgendwie auch unausgegorene GameBoy Advance-Action-Adventure Sword of Mana auf dem Kerbholz hat, schickt den Spieler auf eine buntige Reise durch ein magisches Sternensystem. Gut, auch Magical Starsign, der Nachfolger des nur in Japan erschienenen GBA-Titels Magical Vacation erweist sich nicht als das lang erwartete definitive DS-RPG - aber trotzdem kommt es diesem begehrten Titel ein Stück näher als all die anderen Anwärter. 
Das schafft das Spiel in erster Linie dadurch, dass es sich an die meisten gängigen RPG-Normen hält und nicht wie beispielswiese Lunar versucht, etablierte und funktionierende Elemente um der Novität wegen zu ändern und damit meist zu verschlimmbessern. Die bunte Heldentruppe, allesamt Schüler an der magischen Will-o'-Wisp-Akademie, reist über zahlreiche Welten, immer auf der Suche nach der hoch geschätzten, leider aber auch verschwundenen Lehrerin. Und das klassische Prinzip wird beibehalten - der übergreifende Plot wird durch immer neue Subquests weitergesponnen. So kennt man das Genre, und so funktioniert das auch in diesem Fall richtig ordentlich. Wie es sich für ein Rollenspiel gehört, fehlen auch ausführliche Kämpfe nicht. Die finden bei Magical Starsign nach dem klassischen, heute vergleichsweise unbeliebten Zufallsprinzip statt - das Bild friert ein und der Kampfbildschirm wird eingeblendet. Die Monster sind nicht sichtbar, und es ist nicht möglich den Kämpfen auszuweichen. Da ist es gut, dass sich die Kämpfe recht angenehm und flott abhandeln lassen. Per Stylus oder per Steuerkreuz wählt ihr die klassischen Befehle an - Angriff, Magie, Gegenstand. Auf auslandende Kampfanimationen wird zum Glück verzichtet, so dass die meisten Gefechte nicht allzu lange dauern. Das neue Element, das Magical Starsign hier ins Spiel bringt, sind die Planetenkonstellationen. Als Zauberschüler verlassen sich die Helden eben lieber auf ihre magischen Fähigkeiten als auf rohe Gewalt - magische Attacken sind meist dramatisch wirkungsvoller als andere Angriffsmöglichkeiten. Dabei sollte man beachten, in welchem Verhältnis die Elemente zueinander stehen. Während Lassi Windmagie beherrscht setzt Mocca auf Erdmagie - so hat jeder Held seine individuellen Talente, die gegen andere Elemente jeweils besonders effektiv oder eher schwach sind. Der zweite entscheidende Faktor sind die Sternkonstellationen - steht der Planet des Kämpfers in der richtigen Position (was man sich komfortabel im oberen Bildschirm anzeigen lassen kann), ist die Magie der entsprechenden Figur besonders mächtig. Wer diese Faktoren in seine strategische Planung mit einbezieht, wird kaum Probleme haben, durch das Abenteuer zu kommen. Wer sich nicht mit der Astrologie auseinandersetzen will, ist aber auch nicht aufgeschmissen: der Schwierigkeitsgrad von Magical Starsign ist generell eher niedrig angesetzt. 
In einem spontanen Assiziationsspiel wäre das erste Wort, das dem Kandidaten zum Thema Magical Starsign einfällt, das Wort "niedlich" - alternativ auch "überzuckert" oder "Kariesfördernd". Die Liste lässt sich fast beliebig fortführen. Die Entwickler und die Übersetzer haben keine Gelegenheit ausgelassen, den "cute"-Faktor des Spiels in die Höhe zu treiben - teilweise mit fast schon erschreckenden Ergebnissen. Manche der Spielfiguren verpassen selbst dem hartgesottensten Anime-Fan, der minutenlanges audio-visuelles Bombardement mit rosa-haarigen, brüllenden Schulmädchen aushält, einen Zuckerschock, der sich gewaschen hat. Riesige Augen, Schlappohren, grinsende Gesichter... Hier gibt's die volle Packung. Auch die Farbwahl des Spiels selbst hat es in sich. Ausgewaschene, erdige Farbtöne? Realistisch aussehende Szenarien? Nicht hier! Ohne jeden Skrupel werden die Primärfarben auf den Bildschirm gedonnert, dass die Schwarte kracht. Für den einen mag das anstrengend wirken, für den anderen ist es genau die richtige Abwechslung vom fragwürdigen Erbsengrün-Kackbraun-Schema, das heute gerade auf den Heimkonsolen für "Realismus" sorgen soll. Und auch durch den Rest des Spiels zieht sich diese extreme Niedlichkeit. Alle Hauptfiguren wurden nach diversen Süßspeisen oder anderen Nahrungsmitteln benannt - wundert euch nicht, wenn ihr mit Helden wie Lassi, Sorbet oder Mocca in den Kampf zieht. Entsprechend wenig ernst ist dann auch die Handlung. Vom erwachsenen Plot eines Final Fantasy 12 ist hier nicht viel zu finden, aber das ist auch okay so. Überhaupt würde sich Magical Starsign ziemlich 16-Bitig anfühlen, gäbe es nicht die brauchbare, manchmal aber etwas fummelige Touchscreen-Steuerung und eine ordentliche Menge an animierten Zwischensequenzen. Und das ist die größte Stärke des Spiels. Anstatt an sich selbst den Anspruch zu stellen, das Genre-Rad neu erfinden zu wollen, bedient sich Magical Starsign ausgiebig an bereits etablierten Spielelementen, garniert das ganze mit gelungener, wenn auch extrem zuckriger Präsentation, und würzt das Ganze mit einer Handvoll eigener Ideen. Und so kommt zwar unter Garantie kein Referenzspiel heraus, aber allemal ein gelungener Zeitvertreib. Wer Lust auf einen ausgedehnten Urlaub in kunterbuntem RPG-Eskapismus hat, ist hier an der richtigen Adresse. Text Copyright Thomas Nickel 2007 Cover, Screenshots Copyright Nintendo |