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Detektiv Conan

conanDetektiv Conan (Originaltitel: Meitantei Conan)

Autor/Zeichner: Gosho Aoyama
Deutsche Ausgabe erscheint bei EMA (nicht abgeschlossen)
Preis pro Band: € 5,-

1994 begann der japanische Comiczeichner Gosho Aoyama, seine Vorlieben und eigenen Ideen für Kriminalgeschichten in einen Manga umzusetzen. Er entwarf eine Rahmenhandlung, die im Laufe der mittlerweile über 50 Bände umfassenden Reihe immer wieder aufgegriffen und vertieft wird. Es geht zu Anfang um den 16 Jahre alten Schüler Shinichi Kudo, der nicht nur einen unglaublichen Spleen für Kriminalromane aller Art hat, sondern auch noch mit einem fast übermenschlichen Scharfsinn und einem noch größeren Ego ausgestattet ist. Dies führte relativ schnell dazu, dass er mittlerweile einer der engsten Mitarbeiter der Tokyoter Polizei geworden ist, da er jeden Fall aufzuklären weiß, der sich ihm stellt. Meistens handelt es sich dabei um finstere Mordfälle, alles andere interessiert ihn auch nicht unbedingt. Shinichi ist der Sohn eines Schriftstellers (und man rate dreimal, was sein Vater für Romane schreibt) und einer Schauspielerin, die beide in den USA leben und ihren Sohn allein in Japan leben lassen. Die zweite Hauptperson der Geschichte ist Ran Mori, Shinichis Sandkastenfreundin, und beide führen sie diese typische Halb-Beziehung zwischen besten Freunden, die irgendwie nie was wird und dann plötzlich wieder greifbar nah scheint.

Bei einem Ausflug in einen Freizeitpark passiert – natürlich – wieder ein Mordfall, bei dem Shinichi aber etwas ablenkt, und zwar die Anwesenheit von zwei auffällig in Schwarz gekleideten Männern, die er als sehr verdächtig klassifiziert. Er verfolgt die beiden und tappt in eine Falle: Die schwarzen Männer stellen ihren Verfolger und verabreichen ihm ein tödliches Gift. Und verschwinden auf Nimmerwiedersehen. Dieses berühmte Gift jedoch verfehlt seine Wirkung und verwandelt den 16 Jahre alten Shinichi in einen putzmunteren kleinen Jungen, dessen Kopf jedoch immernoch auf dem Niveau eines fast erwachsenen Meisterdetektives läuft!

Um nun möglichst nicht gleich wieder von den finsteren Gesellen entdeckt und endgültig exekutiert zu werden, sucht Shinichi sich einen Verbündeten, seinen Nachbarn, der Erfinder Professor Agasa. Der wiederum gibt ihn – unerkannt und mit einer gigantischen Brille ausgestattet – ausgerechnet in die Obhut von Ran, die sich bereits Sorgen um ihren (besten) Freund macht und den Kleinen unter dem Namen Conan Edogawa bei sich aufnimmt. Und hier kommt die Dramatik auf den Plan, denn Ran ahnt ja nicht, wer der kleine Bengel ist, der da bei ihnen wohnt und sehnt sich auf der anderen Seite nach Shinichi.

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Es muss noch eine dritte Person vorgestellt werden und die Ausgangsposition für den weiteren Verlauf der Geschichte ist geschaffen. Dies ist Rans Vater Kogoro, das genaue Gegenteil von Shinichi. Auch er ist Detektiv, allerdings der miserabelste der Welt. Wie er es bis zu seiner eigenen Kanzlei geschafft hat, bleibt ungeklärt, er ist vollkommen hohl, ständig betrunken und das einzige, was ihn auf die Beine bringt, ist eine hübsche Frau in seiner Gegenwart. Dieser Prototyp des nichtsnutzigen Lustmolchs und sein Verhältnis zu Conan ist der ungebremste Spaßfaktor der Serie: Denn was Kogoro auf der Welt am allerwenigsten kann, seinen Beruf ausüben nämlich, ist für Shinichi bzw. Conan ein gefundenes Fressen. Beim ersten Fall, zu dem Kogoro gerufen wird (ein Wunder, dass das tatsächlich passiert, sollte man meinen), muss Conan hilflos mit ansehen, wie er sich vor versammelter Mannschaft schmerzfrei lächerlich macht. Nun muss er das Ruder in die Hand nehmen, und da ist all seine Kreativität gefragt, denn wer glaubt schon einem sechsjährigen Jungen, der der Polizei erklären will, wie sie zu arbeiten hat?

Ein Glück gibt es Professor Agasa, der einem James Bond'schen Q gleich für Conan allerlei hilfreiches Gedöns bastelt, mit dem er sich durchs Leben schlagen kann. Zum Beispiel eine Uhr, mit der er kleine Betäubungspfeile verschießen kann – ein unerlässlicher Gegenstand, gepaart mit einem Stimmenmodulator, mit dem Conan jede Stimme annehmen kann, die er möchte. Mit dem Betäubungspfeil wird von nun an Kogoro lahmgelegt, bevor endgültig alles in seinen Ermittlungen den Bach runtergeht, und der Modulator lässt Conan die Stimme seines nun selig schlummernden Ziehvaters annehmen und den Fall lösen. Es sollte klar sein, wer natürlich die Lorbeeren dafür einheimst, sobald er aufgewacht ist.

Der von nun an „schlafender Kogoro“ genannte Detektiv Mori beginnt jetzt seinen Siegeszug durch die Welt der Verbrechensbekämpfung und erlangt bald nationalen Ruhm. Das kommt ihm natürlich sehr gelegen, auch wenn er eigentlich gar nicht weiß, wie er das alles eigentlich immer wieder geschafft hat. Aber es gibt Geld und hübsche Frauen, die ihn anhimmeln, also wozu Fragen stellen?
In dieser Konstellation erzählt Aoyama nun Mordgeschichten aller Art. Natürlich gibt es hier und da Dinge, die nicht ganz logisch sind – an jedem Ort, an dem sich die drei aufhalten, geschieht sofort ein Mord. Aber das ist egal, denn man liest den Comic, um Zeuge von Mordfällen und deren Auflösung zu werden. Wer eine überzeugende Geschichte will, soll was anderes lesen.
Es bleibt natürlich nicht bei den drei Hauptpersonen. Es stoßen immer mehr Figuren hinzu: Rans Freundin Sonoko, die auch mal als Meisterdetektiv herhalten muss, wenn Kogoro mal nicht in der Nähe ist oder Conans drei Mitschüler Ayumi, Genta und Mitsuhiko, mit denen Conan (gezwungenermaßen) einen Detektivclub gründet. Auch hier werden natürlich fleißig Fälle gelöst.
Shinichis Gegenstück aus Osaka ist Heiji Hattori, der in sein Geheimnis eingeweiht und zu einem starken Verbündeten wird. Im 16. Band der Serie taucht plötzlich auch ein alter Bekannter auf, mit dem sich Aoyama schon vor Conan beschäftigt hat: Die dreibändige Serie Kaitou Kid erzählt die Geschichte eines jugendlichen Juwelendiebes, und ihn hat der Zeichner wieder aufgegriffen, als eine Nuss, die Conan einfach nicht knacken kann!
Auch die schwarzgekleideten Männer, die zu einem Geheimbund mit dem klangvollen Namen „Die Organisation“ gehören, tauchen wieder auf und stellen Conan weiterhin vor Rätsel. Und schließlich kommt eine neue Mitschülerin in Conans Grundschulklasse: Ai Haibara, sechs Jahre alt und im Kopf erstaunlich weit...

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Es gibt also immer wieder einen Wechsel zwischen den beteiligten Personen und den Schauplätzen, und bevor der Leser die Lust verliert, wird die Rahmenhandlung weiter vorangetrieben. Das knuffige Charakterdesign lässt vielleicht anderes vermuten, aber die Mordfälle sind eiskalt, gnadenlos und blutig. In Aoyamas Kopf muss sich ein riesiger Sack voller barbarischer Ideen befinden, die er nach und nach alle in Form dieses Comics freilässt. Und so morbide der Gedanke auch sein mag, man freut sich jedes Mal darüber, dass kein Fall einem anderen ähnelt. Zwar sind doch das eine oder andere Mal Parallelen festzustellen, besonders natürlich zu literarischen Vorlagen, aber dennoch wird man immer wieder vor einen neuen Zusammenhang gestellt. Was das Mitraten angeht, so muss man sicherlich genauso schlau wie Shinichi sein, ich habe es jedenfalls nach kurzer Zeit aufgegeben. Aber die Geschichte ist unterhaltend genug, um darüber hinwegzutrösten.

Natürlich gibt es etliche Umsetzungen der Reihe für den Bildschirm. Seit Jahren läuft eine Zeichentrickserie, es gibt über 10 Kinofilme und auch eine Live Action – Serie ist im letzten Herbst im japanischen Fernsehen angelaufen. Dennoch, die Ursuppe ist der Comic, und auch Ursuppen schmecken am besten, wenn man sie nicht zu sehr streckt. Es sei nur eine Warnung ausgesprochen: Wer sich den ersten Band kauft, der sollte viel Platz im Regal einplanen, nämlich den, welchen die weiteren 47 Büchlein beanspruchen werden. Die Serie erscheint zur Zeit in deutscher Sprache zweimonatlich bei EMA, bisher sind 48 Bände erschienen.

Text Copyright Anna-Selina Sander
Meitantei Conan Copyright Gosho Aoyama
Extraits de la traduction française publiée en France sous le titre Détective Conan Copyright EDL-B&M

 
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