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Gorilla des Monats

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Vares

varesFinland (2004)

Regie: Aleksi Mäkelä, Buch: Pekka Lehtosaari, Reijo Mäki, Kamera: Pini Hellstedt, Musik: Kalle Chydenius, Schnitt: Kimmo Taavila, mit: Juha Veijonen, Laura Malmivaara, Samuli Edelmann, Jari Halonen, Markku Peltola

Originaltitel: Vares - Yksityisetsivä
Erschienen bei: WVG Medien GmbH
Preis: 15,97€ Vares bei Amazon.de

Würden Sie diesem Mann Ihre Fälle anvertrauen? Jussi Valtteri Vares - ein Mann in den Vierzigern ohne Bindungen und Referenzen. Mit Dreitagebart und Black Sabbath-Poster im Schlafzimmer. Er ist weder so gewitzt wie Poirot noch so smart wie Bogart. Vares raucht noch nicht einmal. Würden Sie nicht? Der finnische Krimiautor Reijo Mäki tat es, und Vares machte ihn berühmt. Seit 1986 schlägt sich Vares durch die Unterwelt der 200 000-Einwohnerstadt Turku, und zumindest in Finnland führen Mäkis Bücher immer wieder die Bestsellerlisten an. In Deutschland hingegen harrt er trotz des Booms der "Schwedenkrimis" und der kuriosen Faszination, die Arto Paasilinnas Platitüden auf die deutsche Leserschaft auszuüben scheinen, noch der Entdeckung. Der Stegemann-Verlag hat immerhin drei der zwanzig Vares-Romane in Deutschland herausgebracht, doch der Erfolg eines Kurt Wallander steht noch aus.

So kommt Vares nun in einem gelungenen finnischen Action-Film auf DVD nach Deutschland, und nicht als vielbeachtete ARD-Serie. Vares - Yksityisetsivä ist der fünfte Film des Gespanns von Produzent Markus Selin und Regisseur Aleksi Mäkelä, die in Finnland für kompetent gedrehte Action zuständig sind. Auch wenn die Finanzmittel nicht an Hollywood-Dimensionen heranreichen, so sind sie doch europaweit vorne mit dabei. Autoverfolgungsjagden und Schlägereien sind punktgenau inszeniert, die Kamera hält keine Sekunde zu lange drauf, und der Schnitt hebt sich dennoch wohltuend vom üblichen Hackstakkato in Action-Sequenzen ab.

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Doch der Trumpf, mit dem Vares eigentlich sticht, sind seine Charaktere und Situationen. Der Polizist Mikko Koitere (Samuli Edelman) steht in einem Sexladen und mampft mit dem Besitzer fehlgeorderte Schokoladen-Dildos. Vares (Juha Veijonen) und sein Freund Luusalmi (Markku Peltola), Teilzeit-Dichter und Vollzeit-Kneipengänger, wollen ohne Alkohol auskommen, bis Vares sein Liebesleben in Ordnung gebracht hat. Antero Kraft (Jorma Tommila) droht seinen Mithäftlingen unter der Gefängnisdusche an, mit ihnen "Finnish Open" zu spielen, was natürlich was mit Bällen und Aufschlagen zu tun hat. Karl E. Miesmann (Jari Halonen) ist ein aggressionsgestörter Unterweltboss. Jarmo (Jasper Pääkönen) ist ein Pizzafahrer mit Herz und Bleifuß. Doch die Könige dieser Menagerie sind Tetsuo Sinkkonen (Kari Hietalahti) und Hillosilmä "Marmeladenauge" Munck (Pekka Valkeejärvi). Die beiden Hitmen sind ihr eigener Film. "Das Leben ist linear", sagt Munck, und würde Pulp Fiction am liebsten in die richtige Reihenfolge zurechtschneiden. Tetsuo findet, dass man im Leben am besten den Mund nicht aufmacht, sonst ist wie im Kino der Zauber vorbei. Einig sind sie sich aber, dass sie dringend einen Soundtrack für ihre Aktionen brauchen, und machen sich prompt daran, einen zu improvisieren. Dass man sich angesichts solcher Charaktere an Herrn Tarantino erinnert fühlt, braucht nicht zu verwundern: Bereits Reijo Mäkis Romanvorlage Keltainen Leski ist "Quentin und seinen Geistesverwandten" gewidmet, und diesem Anspruch bleibt auch Mäkelä treu. Ein Auge hat er stets auf der Situationskomik, ein weiteres auf der Gesamtdramaturgie, so dass Vares immer wieder mit amüsanten Einfällen aufwartet, ohne dabei zu zerfasern.

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Doch was passiert eigentlich? Vares lernt die Lehrerin Eeva (Laura Malmivaara) bei einem Reservemanöver kennen. Er verliebt sich augenblicklich in diese Frau, die "redet wie ein Mann und dabei die Augen benutzt wie eine Frau". Aber Eeva steht kurz davor, Antero zu ehelichen, der zwar im Gefängnis sitzt, aber genug Geld hat, sie aus ihren finanziellen Nöten zu befreien. Nach einem Ausbruch während der Trauzeremonie machen die beiden sich auf, das Geld zu holen. Antero ist allerdings nicht der einzige, der an das Vermögen will: Auch Karl E. Miesmann hat davon Wind bekommen und schickt seine Fußtruppen Tetsuo und Munck und die gefährlich schöne Ifigenia Multanen (Minna Turunen). So beginnt eine Schatzjagd im verregneten finnischen Sommer, die Vergleiche mit Snatch oder Lock, Stock and Two Smoking Barrels nicht zu scheuen braucht. Vares selbst wird in die ganze Sache eigentlich nur hineingezogen, weil er sein Liebesleben in Ordnung bringen will. So gesehen kommt Vares nicht einmal in dem Film, der seinen Namen trägt, zu seinem Fall, weil ihm den jemand anvertraut hat. Doch irgendwann fließt Blut und es ist zu spät für Formalitäten...

 Text Copyright 2007 Karin Dannecker
Poster, Screenshots Copyright Solar Films

 
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