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System: Nintendo DS Japan (2005), Produktion: Minae Matsukawa, Musik: Akemi Kimura, Masakazu Sugimori, Charakter-Design: Edayan Originaltitel: Gyakuten Saiban DS: Yomigataeru Gyakuten Entwickler: Capcom Erschienen bei: Capcm ca. Preis: 35 Euro Juristen wissen es schon lange: Nichts führt unsere Rechtsprechung dermaßen ad absurdum wie die endlose Schwemme banaler Gerichtsshows im deutschen Fernsehen. Mit Phoenix Wright: Ace Attorney erhält jetzt auch der Handheldmarkt seine eigene, freie Interpretation der Judikative. Und das Beste? Im Gegensatz zu ihren TV-Pendants kommt die Anwaltssimulation ohne lüsternes Proletenvolk, hanebüchene Zufälle und das klassische „Ich hab es doch nur für uns getan“ aus Wir befinden uns in einer nahen Zukunft. Nachdem die Politiker im Rahmen wahnwitziger Kürzungsmaßnahmen bereits Krankenversorgung, Bildungssektor und Rentenkassen ausgewrungen haben, sind jetzt die Gerichte dran. Also, weg mit langen Vorverhandlungen und Vorhang auf für die Ad-Hoc-Rechtsprechung. Jeder Prozess beginnt am Tag nach der Verhaftung und dauert maximal drei Tage. Wer bis zum Ende des Spektakels nicht die passenden Beweise gefunden, die Lügen der Staatsanwaltschaft entlarvt und den senilen Richter vom Tatbestand überzeugt hat, kann seinen Talar getrost einpacken. Da wäre selbst Matlock überfordert.  Im Büro redet ihr mit dem Medium Maya, Vor Gericht entlarvt Phoenix die Lügen des Zeugen.
Für den juristischen Jüngling Phoenix Wright ist dieser Tatbestand allerdings um so mehr Grund, seine Klienten im letzten Moment rauszupauken. Mit Witz und Grips schafft es der ambitionierte Advokat immer wieder, seinem Widersacher aus der Staatskanzlei, Miles Edgeworth, ein Schnippchen zu schlagen. Zur Seite steht dem Rechtsverdreher Maya Fey, die ebenso clevere wie schwatzhafte Schwester seiner verstorbenen Chefin Mia. Und das ist auch gut so, denn zwischen den Auftritten im Gerichtssaal hat das dynamische Duo eine Menge Fußarbeit zu erledigen. Tatorte abzuklappern, Zeugen auszuquetschen und Beweise einzusacken gehört in der Welt von Phoenix Wright zum ganz normalen Anwaltsalltag. Die wahre Action findet allerdings im Gerichtssaal statt. Gewappnet mit seinem großen Beweiskoffer muss der findige Verteidiger einen kühlen Kopf bewahren, um seine Gegner zu übertrumpfen. Doch wer sich den Überblick über Prozessakte und Indizien bewahrt, ist seinen Kontrahenten stets einen Schritt voraus. Glücklicherweise besteht in Phoenix Wright ein erfrischender Mangel an kryptischen Rätseln, Marke „Dreh die Statue, um einen Schlüssel zu erhalten mit dessen Hilfe du, nach Anordnung dreier Statuen, ein Wappen erhältst, um das Portal zu öffnen“. Stattdessen ist wirkliche Kopfarbeit gefragt – Zeugenaussagen müssen akribisch überprüft, Beweise im richtigen Moment gezückt und Tatzusammenhänge verglichen werden, um Staatsanwalt und Richter Paroli zu bieten. Denn nichts ist befriedigender, als im richtigen Moment melodramatisch Einspruch zu brüllen, um ein Kartenhaus aus Lügen zum Einsturz zu bringen.  Ein Kreuzverhör in Anwesenheit von Miles Edgeworth, dem Herrn des Sarkasmus gleicht fast einem Duell. Wer die Kriminalromane von Agatha Christie oder Animes/Mangas à la Detektiv Conan mag, kann bei Phoenix Wright also unbesehen zugreifen. In fünf abwechslungsreichen Kriminalfällen, die durch einen spannenden Handlungsbogen miteinander verbunden sind, haben die Autoren von Capcom fulminanten, interaktiven Rätselspaß der Extraklasse auf den Nintendo DS gezaubert. Jeder einzelne Fall ist ein Juwel für sich. Logisch, humorvoll unberechenbar und wortgewandt erobert Phoenix Wright mit seiner brillanten Rhetorik jeden Gerichtssaal im Handumdrehen.Für uns hier war Phoenix Wright eines der Highlights des Winters, und gerade deswegen werden wir auch weiterhin unser bestes tun, um den Anwalt unseres Vertrauens nach Kräften zu unterstützen. Bleibt also zu hoffen, dass wir niemanden vor den Kadi zerren müssen, um in den Genuss der Fortsetzungen zu kommen!
Text Copyright 2006 Peter Clausen Spiel, Screenshots Copyright Capcom |