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Gorilla des Monats

bernie 
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Rogue Galaxy
rogue System: PlayStation 2

Japan (2005), Produktion: Akihiro Hino, Director: Takeshi Akasaka, Game Designer: Akihiro Hino, Art Director: Takeshi Majima, Character Designer: Keiji Nagao, Jiro Morinaga, Musik: Tomohito Nishiura, Stimmen: Will Friedle, Natalie Lander, Steve Blum, Kari Wahlgren, Greg Ellis, Yuri Lowenthal

Entwickler: Level 5
Erschienen bei: Sony
Preis: ca. 60 € Rogue Galaxy bei Amazon.de

Als man im Hause Level 5 mit der Arbeit an Rogue Galaxy begann, hatte Chef-Designer Akihiro Hino die Idee, ein großes Bankett zu gehen und bei der Gelegenheit sechs gute Feen einzuladen. Da Level 5 allerdings nur noch fünf Menügutscheine von McDonalds hatte, wurde kurzerhand die sechste Fee wieder ausgeladen. Und es kam wie es kommen musste – die fünf anwesenden gute Feen beglückten Rogue Galaxy mit ihren besten Wünschen:

"Du sollst tolle Grafik auf den Bildschirm zaubern."
"Du sollst ein dynamisches, motivierendes Kampfsystem haben."
"Du sollst enorm sympathische Charaktere in den Hauptrollen haben".
"Du sollst eine
Star Wars-reife Geschichte erzählen."
"Du sollst in einem riesigen, interessanten Universum stattfinden."

Aber gerade als die Feier am schönsten war, ging die Tür auf und die wütende sechste Fee stand vor der versammelten Mannschaft:

"Ich war nicht eingeladen, aber du kriegst trotzdem etwas von mir! Du kriegst ein altbackenes Spieldesign, unnötige Anfängerfehler, die deinen erfahrenen Entwicklern eigentlich niemals hätten unterlaufen sollen, und du kriegst ein paar frustige Stellen, die deinen Spielern ordentlich auf den Nerv gehen sollen. So. Und jetzt haut euch weiter den Bauch voll, ich zisch ab."

Ob es sich wirklich so ereignet hat, können wir natürlich nur mutmaßen, aber wenn man sich einmal eingehend mit Rogue Galaxy beschäftigt, dann ist diese Geschichte doch ziemlich einleuchtend...

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Jaster Rogue lebt auf einem unbedeutenden Wüstenplaneten namens Rosa. Allerdings, so unbedeutend ist er gar nicht – auf Rosa gibt es jede Menge wertvoller Rohstoffe, wegen derer das Imperium Rosa auch schnell unter Schutz gestellt hat. Und mit "unter Schutz gestellt" ist in diesem Fall komplett besetzt gemeint. Die Bevölkerung von Rosa lebt nun quasi in Sklaverei und darf brav für die Besatzer Rohstoffe abliefern. Keine guten Aussichten für Jaster, dessen großer Traum es ist, die Galaxie zu bereisen. Aber natürlich kommt alles anders – Simon und Steve, zwei sympathische, aber etwas verpeilte Burschen aus der Mannschaft des berühmten Weltraumpiraten Dorgengoa halten Jaster für den berühmten Kopfgeldjäger Desert Claw und laden ihn in die Mannschaft ein. Das lässt sich Jaster nicht zweimal sagen. Wenige Abenteuer später ist er nicht nur gewaltigen Sandwürmern entkommen, er hat auch Kisala kennengelernt, die hübsche Tochter von Dorgengoa, und bricht auf in die Weiten des Weltalls und ein gewaltiges Abenteuer.

Tolle Aussichten also bisher. Die Handlung kommt ohne weinerliche Depri-Helden aus, hat kein nervtötendes Pseudo-Tolkien-Setting, lediglich die weiblichen Charaktere laufen bauchfrei herum, und hey – ein Rollenspiel mit Piraten in der Hauptrolle, das hat doch schon bei Segas Skies of Arcadia hervorragend funktioniert! Aber Level 5 will vollends auf Nummer sicher gehen: Ähnlich wie Square Enix' Final Fantasy 12 bedient sich auch Rogue Galaxy ausführlich – um nicht zu sagen schamlos – bei George Lucas' berühmter Weltraum-Oper. Wo bei Final Fantasy 12 besonders Han Solo, Chewbacca und Darth Vader deutlich zu erkennen sind, erinnern so einige der Rogue Galaxy-Helden stark an Luke Skywalker, C-3PO und R2-D2. Aber was soll's – wenigstens haben sich die Level 5-Jungs an den richtigen Quellen bedient.

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Und es wird besser: Grafik ist Rogue Galaxy ohne Zweifel eines der schönsten Rollenspiele auf der PS2. Wie Dragon Quest 8 und Dark Chronicle, die ebenfalls aus dem Hause Level 5 stammen, setzt Rogue Galaxy auf stimmigen Anime-Look. Moderat detaillierte Szenarien und Figuren in technisch art1einwandfreiem Cell-Shading Look sorgen für ein sehr stimmiges Gesamtbild, das von den einwandfreien Animationen der Figuren noch gestärkt wird. Lediglich die ein oder andere schwächere Textur hat sich an manchen Stellen ins Spiel geschlichen. Auch das Kampfsystem stimmt – zwar artet das ganze manchmal ein wenig ins Buttonmashing aus, in Sachen Dynamik und Abwechslung muss sich Rogue Galaxy aber keinesfalls vor der Konkurrenz verstecken.

Bei all den Stärken ist es daher umso seltsamer, dass Level 5 ein paar Fehler unterlaufen sind, die sonst eigentlich typische Anfängermacken darstellen. So sind die Menüs optisch zwar einwandfrei gelungen, strukturell aber völlig am Spieler vorbei entwickelt. Wichtige Punkte wie das Herstellen neuer Waffen und das ganz einfache Ausrüsten der Charaktere sind umständlich und teilweise in ganz anderen Menüpunkten versteckt. Wer einfach die Lebensenergie seiner Truppe checken will, kriegt die nötigen Informationen nicht wie es sein sollte sofort, sondern muss erst einen weiteren Menüpunkt anwählen. Das ist ebenso umständlich wie fummelig und vollkommen unverständlich. Ebenso ärgerlich: Segnet die Party im Kampf das Zeitliche, was dank des etwas unausgewogenen Schwierigkeitsgrades nicht selten passiert, findet sie sich nicht beim letzten Speicherpunkt wieder: Das Spiel lädt den Game-Over-Bildschirm, man darf die Logo-Parade von Publisher und Hersteller über sich ergehen lassen, den Spielstand laden und ein weiteres mal die lange Anfangs-Ladezeit überstehen. Erst dann darf man wieder sein Glück versuchen. Unter spielerfreundlich verstehen wir etwas anderes.

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Kein Anfängerfehler ist dagegen das recht altbackene Spieldesign. Nachdem wir bei Dragon Quest 8 und Final Fantasy 12 riesige, weite Welten erforschen durften, stapft der Rogue Galaxy-Spieler durch enge Schlauchszenarien. Es ist schön, dass der Dschungelplanet recht groß ist, aber wenn 85% davon strengstens vorgegeben sind, dann nimmt das viel von der Faszination. Auch die plötzlich art2auftauchenden Monster hätte man bedeutend schöner lösen können – wenn Rogue Galaxy schon auf Echtzeitkämpfe setzt, dann kann man die Monster doch auch direkt sichtbar machen. Schade auch, dass die Rätsel-Struktur sehr konservativ daherkommt. Ihr kommt zu Punkt A – dort erfahrt ihr, dass ihr Gegenstand B von Punkt C braucht. Und so sind die meisten der Aufgaben von Rogue Galaxy aufgebaut. Im Jahre 2007 ist das zugegebenermaßen etwas wenig. Auch in den Kämpfen wäre etwas mehr Kontrolle über die Mitstreiter nicht verkehrt – Final Fantasy 12 hat gerade diesen Punkt perfekt gelöst, im direkten Vergleich dazu wirkt Rogue Galaxy krude und grob.

Allerdings sind das alles Schwächen, die man tatsächlich verzeihen kann. Denn trotz dieser Fehler macht Rogue Galaxy wirklich Spaß. Die Grafik passt, die Musik untermalt das ganze recht ordentlich, die Synchro geht gut ins Ohr, und die Kämpfe machen nicht zuletzt dank dem fließenden Wechsel zwischen Nahkampf und Distanzwaffen meist eine Menge Spaß. Aber nach dem großartigen Final Fantasy 12 merkt man eben doch deutlich, dass die japanische Fassung von Rogue Galaxy älter als das Square Enix-Opus ist und in etlichen Gebieten weniger durchdacht daherkommt. Aber wie dem auch sei – Rogue Galaxy ist zu sympathisch, um es wegen seiner kleinen Schwächen abzuschreiben. Das Spiel ist nicht das erwartete absolute PS2-Rollenspiel-Abenteuer, aber dennoch ein mehr als würdiges Genre-Finale auf der alternden Hardware.

Text Copyright Thomas Nickel 2007
Cover, Screenshots, Artwork Copyright Level 5 

 
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