Advertisement

Gorilla des Monats

bernie 
Home arrow Games arrow Hotel Dusk: Room 215
Hotel Dusk: Room 215

duskSystem: Nintendo DS

Japan (2007), Produktion: Takuya Miyagawa, Director: Taisuke Kanasaki, Main Programmer: Motofumi Nishimura, Charakter Design: Taisuke Kanasaki
Originaltitel: Wish Room: Tenshi no Kioku

Entwickler: Cing
Erschienen bei: Nintendo
Preis: ca. 30$ (US-Import)

Ein bourbonschlürfender Zyniker, eine billige Absteige und jede Menge düstere Geheimnisse: Herzlich willkommen im Hotel Dusk, der Zuflucht für Point and Click-Afficionados!

Der heruntergekommene Handelsvertreter Kyle Hyde hat schon bessere Zeiten erlebt. Noch vor drei Jahren war er ganz oben: Ein angesehener Karrierecop mit hervorragenden Zukunftsaussichten, respektablem Einkommen und makelloser Reputation. Eines Tages aber sollte ihm das Schicksal in seiner gewohnt charmanten Art einen dicken Strich durch die Rechnung machen. Ohne nachvollziehbaren Grund verriet Kyles Partner Bradley die Polizei und tauchte nach einer Schießerei mit unserem Helden im wahrsten Sinne des Wortes in den Hudson River ab. Seitdem wurde der korrupte Cop nicht mehr gesehen.

Seit diesem schicksalhaften Tag ist eine Menge passiert. Kyle Hyde hat seine Polizeimarke an den Nagel gehängt und einen Job als Handelsvertreter angenommen. Er ist besessen von der Idee, irgendwann seinen alten Partner aufzuspüren, um endlich das Motiv hinter dem Verrat herauszufinden. Und so landet der schlechtgelaunte Ex-Polizist Ende 1979 auf einer Geschäftsreise im heruntergekommenen Hotel Dusk, einer Herberge voller Lügner, Betrüger und Geheimniskrämer. Jeder Gast hat hier seine eigene Leiche im Keller, und trotzdem scheint alles zusammenzuhängen. Irgendwo in diesem Hotel gibt es einen roten Faden, der Kyle endlich zu Bradley führen könnte. Jetzt liegt es am Spieler, die zahlreichen Knoten zu entwirren.

dusk1dusk2

Hotel Dusk ist die bisherige Kulmination der Designphilosophie des japanischen Entwicklers Cing. Das erste Projekt der kleinen Spieleschmiede, ein obskures PS2-Adventure mit dem Namen Glass Rose (in Europa über Capcom erhältlich), bot eine brillante Grundidee in nahezu katastrophaler Ausführung. Ein stimmiges Krimi-Abenteuer im 20er-Jahre Setting? Klingt gut. Ein düsteres Herrenhaus, zahlreiche Verdächtige im besten Agatha Christie-Stil und ein übernatürlicher Plot-Twist? Klingt noch besser, oder? Wäre es auch, wenn das Spiel nicht durch die komplette Abwesenheit von Puzzles, ein frustrierendes Dialogsystem und ein kartoffelnasiges J-Pop-Idol in der Hauptrolle den Großteil der gerade erworbenen Sympathien verspielen würde. Glass Rose war eine interessante Geschichte im Kostüm eines furchtbar designten Spiels, aber trotzdem war genug Potenzial vorhanden, um Cing eine zweite Chance einzuräumen. Beim nächsten Spiel würde es sicher besser werden, oder?

Auf jeden Fall! Another Code für den Nintendo DS war ein gigantischer Schritt in die richtige Richtung, mit clever entworfenen Puzzles, interessanten Charakteren und gut durchdachter (aber fummeliger) Nutzung des Touchscreens. Zugegeben, weder in Sachen Handlung noch in Sachen Umfang konnte Another Code wirklich überzeugen, aber vom Gameplay her war es ein grundsolides Adventure, dass sogar einen Großteil der zeitgenössischen PC-Konkurrenz alt aussehen ließ.

Und damit kommen wir zu Hotel Dusk, einem Spiel, das die komplexe Geschichte und interessante Charakterisierung von Glass Rose mit den abwechslungsreichen Rätsel und dem logischen Spielablauf von Another Code vereint. Hotel Dusk wurde bis zum I-Tüpfelchen auf den Nintendo DS zugeschnitten, beide Bildschirme werden optimal genutzt. Ähnlich wie schon beim Gehirnjogging wird das Handheld in der stabilen Seitenlage gehalten, um das Geschehen aus einer neuen Perspektive zu zeigen. Solange das Hotel erforscht wird, zeigt der linke Bildschirm eine 3D-Ansicht des desolaten Domizils, während der Touchscreen eine zweidimensionale Karte des Geschehens darstellt, auf der man den guten Kyle mit dem Stylus herumnavigieren kann. In den zahlreichen Dialogsequenzen klopft der griesgrämige Protagonist auf der linken Seite sarkastische Sprüche, während seine bedauernswerten Gesprächspartner gegenüber versuchen, ihm - meist erfolglos -Paroli zu bieten.

dusk3dusk4

Auch optisch wird eine Menge geboten. Die konsequente Mischung aus flüssig animierter, handgezeichneter 2D-Grafik und zweckmäßig konstruierten 3D-Schauplätzen allein wäre schon gut genug, aber der einmalige Stil setzt dem Ganzen wirklich die Krone auf. Wenn man schon ein Adventure im Noir-Stil macht, kann sich das schließlich auch in der Grafik spiegeln. Mit seiner gedämpften Farbpalette erzeugt Hotel Dusk eine einzigartige Atmosphäre. Oft werden die Charaktere nur in Schwarzweiß dargestellt, und lediglich in besonders emotionalen Momenten kommt tatsächlich mal ein wenig Farbe ins Spiel. Durch diesen Kunstgriff entsteht eine fast schon traumartige Stimmung. Und wenn plötzlich in den Telefongesprächen zwischen Kyle und seiner Assistentin satte Farben dominieren, ändert sich alles. Für einen kurzen Moment wirkt es, als würde man aus diesem bizarren Noir-Alptraum erwachen, bevor es zurück in die kalte, farblose und doch faszinierende Welt des Hotels geht.

Und irgendwie verschwimmen alle Spielelemente zu einer großartigen Gesamtmasse. Die Handlung entwickelt sich konstant weiter, die Rätsel werden zunehmend anspruchsvoller und origineller, und alle Spielelemente ergänzen sich absolut vorbildlich. Komplizierte Rätsel im Myst-Stil? Gestreckter Handlungsverlauf? Pixelhunting? Nicht im Hotel Dusk - hier ist der Gast noch König! Stellt sich schließlich die Frage: Ist Hotel Dusk das beste Noir-Adventure seit Tex Murphy? Vielleicht. Ein hervorragender interaktiver Krimi ist es aber definitiv. Hotel Dusk sollte in keiner gut sortierten DS-Bibliothek fehlen.

Text Copyright Peter Clausen 2007
Cover, Screenshots Copyright Cing

 
< zurück   weiter >
© 2013 www.g-wie-gorilla.de
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.