Spanien (2001)Regie: Guillermo del Toro, Buch: Guillermo del Toro, Antonio Trashorras, David Muñoz, Kamera: Guillermo Navarro, Musik: Javier Navarrete, Schnitt: Luis de la Madrid, mit: Eduardo Noriega, Marisa Paredes, Federico Luppi, Fernando Tielve, Íñigo Garcés, Irene Visedo Originaltitel: El Espinazo del Diablo Erschienen bei: Kinowelt Preis: 6,95 € The Devil's Backbone bei Amazon.de Manchmal meint mal, ein Film möchte garnicht gekauft werden. Oder ein Publisher möchte verhindern, dass auch nur ein Exemplar seines Films über die Ladentheke geht. Auch wenn man das DVD-Cover von Guillermo del Toros (Hellboy, Pan's Labyrinth) The Devil's Backbone ansieht hat man das Gefühl, den Film schnell wieder ins Regal stellen zu müssen. Ein hässliches Photoshop-Motiv und markige Sprüche mit Verweis auf Blade 2, del Toros Realfilm-Äquivalent zu Tom & Jerry-Cartoons lassen vieles erahnen, sicherlich aber nicht einen unheimlichen, traurigen, politischen und nachdenklichen Film wie diesen. Aber wie auch immer - hier geht es nicht um eine Rezension eines trashigen deutschen DVD-Covers, sondern um einen exzellenten Film eines exzellenten Regisseurs. Wer Pan's Labyrinth bereits gesehen hat (und ich hoffe doch, das trifft auf die meisten Leser hier zu), der kennt del Toros Vorgehensweise bereits: Reale Geschichte wird mit übernatürlichen Elementen verknüpft und auf diese Art kommentiert. Wie bei Pan's Labyrinth geht es auch hier um zwei Arten von Schrecken - den Schrecken, der durch das Übernatürliche entsteht und den Schrecken, der durch den Krieg in das Leben der Menschen kommt. Im Jahr 1939 tobt noch der spanische Bürgerkrieg. In einem kleinen Waisenhaus weit entfernt von der nächsten haben lebt der Nachwuchs gefallener Kämpfer gegen den Faschismus. Und in diesem Waisenhaus findet sich auch der junge Carlos wieder. Und was für ein heimeliger Ort es ist - staubig, heiß, andere Jungs die gerne den großen Mann raushängen lassen, ein ebenso junger wie grimmig-brodelnder Hausmeister und aus dem Hof ragt eine riesige Bombe - der Blindgänger ist nicht detoniert, wurde entschärft und steht nun als unübersehbares Symbol für das Damoklesschwert des Krieges das über der ganzen Einrichtung hängt. 
Und dann ist da noch die Sache mit dem Geist. Die Kinder ahnen alle etwas, manche wissen spgar mehr, aber niemand sagt etwas. Und was ist überhaupt ein Geist? Was will der Geist? Und welche Bedeutung hat ein Geist in einem Land in dem sich die Menschen gegenseitig töten, in dem junge Männer für Reichtum über Leichen gehen und bereit sind, eine ganzes Haus voller Kinder für den eigenen Vorteil zu opfern? Bei The Devils Backbone geht es um eine Menge Themen die sich doch allesamt untereinander bedingen und beeinflussen - und es ist eine großartige Leistung von del Toro, dass er diese Elemente so scheinbar mühelos verknüpft. Blut und Horror gibt es bei The Devil's Backbone kaum. Wo der Regisseur bei Blade 2 noch mit geradezu kindlicher Begeisterung Vampirkiefer sezierte und den roten Saft mit vollen Eimern auf die Leinwand klatschte ist hier Subtilität trumpf. Gerade der Geist ist eine ebenso schreckliche wie traurige Gestalt. Aber The Devil's Backbone ist kein Geisterfilm. Es ist ein Film in dem ein Geist vorkommt. Der wahre Schrecken des Films kommt nicht durch das Übernatürliche, es kommt um die reale Umgebung, durch den Krieg und durch die Skrupellosigkeit der Menschen. Und der Krieg, der Kampf gegen den Faschismus ist ein zentrales Motiv des Films - das schlägt sich vor allem dadurch nieder, dass das Waisenhaus selbst ein verkleinertes Abbild der Gesellschaft ist. Jacinto, der Hausmeister der innerlich immer noch ein kleiner Junge ist und einen weit größeren Schrecken darstellt als der Geist steht für die Faschisten, die Leiter der Schule, verkrüppelt und impotent stehen für die Aristokratie und die Intellektuellen... und in der Mitte stehen die Kinder die sich auch tatsächlich wie Kinder verhalten und auf ihre Weise mit dem Schrecken der sie umgibt klar kommen müssen. Und genau wie bei Pan's Labyrinth dient auch hier das übernatürliche Element teilweise als Schutz vor dem ungleich grausameren Horror der Realität. 
Wie man es von Guillermo del Toro gewohnt ist präsentiert sich The Devils Backbone als handwerklich nahezu perfekter Film. Kameraarbeit, Licht, Regie, Schauspieler - alles ist hier auf allerhöchstem Niveau. Kaum ein Bild kommt ohne symbolische Aufladung daher und wenn Carlos dann alleine im schimmernden Nachtlicht in den klaustrophobischen Fluren des Waisenhauses Wasser holen muss, dann stellen sich auch dem hartgesottensten Zuschauer unweigerlich die Nackenhaare auf. Del Toro selbst sieht The Devil's Backbone als seinen ersten wirklich eigenen Film an - mit Mimic ist der symathische Mexikaner selbst höchst unzufrieden, Blade 2 bezeichnet er in erster Linie als eine Fingerübung in Sachen Technik. The Devil's Backbone hat er dagegen bevor er mit der Arbeit an Pan's Labyrinth begann als seinen bisher besten Film bezeichnet. Und wir können ihm da nur zustimmen. Leider wurde der Film in Deutschland mehr oder weniger begraben, einen Kinostart war dem Streifen garnicht erst vergönnt. Ein Grund mehr, die DVD schnellstens zu erwerben. Die ist zwar hässlich, dafür aber auch unverschämt billig. Und davon mal abgesehen, wen interessiert bei solch einem hervorragenden Film schon ein hässliches Cover-Artwork? Text Copyright 2007 Thomas Nickel Cover, Screenshots Copyright Anhelo Producciones, Canal+ España, El Deseo S.A., Good Machine,Sogepaq, Tequila Gang |