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Die drei Musketiere

musketiereAlexandre Dumas: Die drei Musketiere
erschienen bei:  Magnus, Essen, jede Menge andere
ISBN: 3884001930
Preis:  € 4,95 Die drei Musketiere Illustrierte Gesamtausgabe bei Amazon.de

En garde!: Vier Degen für Frankreich.

Wer kennt sie nicht, die Herren mit den fantastischen Hüten, die schon Capes trugen bevor es Superhelden gab? D'Artagnan, Athos, Porthos und Aramis - die größten Buddies vor dem Herrn.

Die Drei Musketiere sind das bekannteste Werk des französischen Autors Alexandre Dumas, der seine Fortsetzungsromane in atemberaubendem Tempo herunterschrieb und veröffentlichte: 1844 Die Drei Musketiere - 1845 die Fortsetzung Zwanzig Jahre später - 1847 eine weitere Fortsetzung Der Vicomte de Bragelonne (dick genug, um normalerweise in drei Teile, darunter Der Mann in der Eisernen Maske, zerteilt zu werden) - 1845 Der Graf von Monte-Christo. Jede Woche gab es neue turbulente Verwicklungen, neue scharfzüngige Karikaturen, neue süffisante Details aus der französischen Geschichte. Seifenopern sind nur müder Abklatsch des Feuerwerks, das Dumas 1844-47 da in Pariser Zeitungen abbrannte.

D'Artagnan reitet als tumber Junge vom Land in die Stadt Paris um dort sein Glück bei den Musketieren des Königs zu suchen. Sein Vater gibt ihm ein Pferd, ein Empfehlungsschreiben, ein Schwert und den Stolz, ein Gascogner zu sein, mit auf den Weg. Nicht von ungefähr vergleicht Dumas ihn mit Don Quichote, dem Urvater aller idealistischen Abenteurer. Außerdem reiten sie beide ein Pferd, das schon bessere Tage gesehen hat. Doch D'Artagnan schlägt einen anderen Weg ein: kaum hat er das väterliche Dorf verlassen, verkauft er den alten Gaul einfach. Was dann folgt, ist eine rasante Ereignisfahrt, die die Leser bis zum Ende der Geschichte nicht zu Atem kommen lässt. D'Artagnan handelt sich gleich am ersten Tag drei Duelle ein: 12h Athos - 13h Porthos - 14h Aramis. Kurz darauf rettet er in einem tour de force-Ritt nach England die Ehre seiner Königin. Es folgen Geplänkel mit Mylady de Winter, die Belagerung von La Rochelle und die Ermordung Buckinghams, bevor der Showdown ans Licht bringt, ob D'Artagnan Constance retten kann und welches düstere Geheimnis Athos mit Mylady de Winter verbindet.

Für diejenigen, die nur die Verfilmungen kennen, mag es überraschend sein, wie unverkrampft Die Drei Musketiere mit Moralvorstellungen umgeht. Constance ist bei Dumas nicht die Nichte des Wirtes Bonacieux, sondern seine blutjunge Ehefrau. Auch Porthos hat ein Verhältnis mit einer verheirateten Frau und sein peinliches Zusammentreffen mit deren Ehemann kostet Dumas auf mit unverhohlener Freude aus. D'Artagnan schleicht sich ins Bett von Mylady de Winter um es am Morgen mit dem Leintuch um die Lenden und von Pantoffeln gefolgt wieder zu verlassen. Natürlich wickelt er auch Katy, die Zofe von Mylady, spielend um den Finger. Die Affäre der Königin mit dem Duke von Buckingham bildet nur die Spitze des Eisbergs in einem Tummelbecken der Lustbarkeiten. Hier kommen die Leser ein wenig zum Luftholen, während Dumas seinen lockeren Eskapismus in moralische Gefilde verlagert. Ob man es lustig findet, wenn die Vier zu Krieghelden erklärt werden, weil sie im Niemandsland ein Picknick mit allem Drum und Dran veranstalten, während in La Rochelle tausende verhungern, ist schon eher fraglich. Andererseits ist Dumas bei der Charakterisierung seiner Bösewichte überraschend differenziert: man fühlt Myladys gekränkte Eitelkeit mit; Richelieu respektiert D'Artagnan und bietet ihm einen Posten in seinen eigenen Garden an.

Alles in allem sind Die Drei Musketiere ein Klassiker, den man sich nicht nur ins Regal stellen, sondern zum Vergnügen lesen kann. Denn wenn auch die Verfilmung von 1948 mit Gene Kelly als D'Artagnan und Vincent Price als Richelieu bis heute ungeschlagen ist, erreicht doch keine Filmversion der Drei Musketiere das Wechselspiel aus Tempo, Humor und Subtilität des Originals. Zeit, den alten Schinken vom Regal zu holen.

Text Copyright Karin Dannecker 2007
Cover Copyright  Magnus Essen

 

 

 
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