|
System: PlayStation3, XBox 360 Japan (2006 / 2007), Producer: Noriyuki Shimoda, Director: Yoshihiro Tsuzuku, Planner: Tohru Murayama, Yoshiyuki Okitsu, Tatsuya Miura u.a., Design: Takehiko Mikami, Ryo Shibasaki, Sound Design: Tatsutoshi Narita, Shinichi Goto, Fumio Ito
Entwickler: AM2 Erschienen bei: Sega Preis: 30 € (PS3) Virtua Fighter 5 (PS3) bei Amazon.de 70 € (XBox 360) Virtua Fighter 5 (Xbox 360) bei Amazon.de Schon seit einiger Zeit hält sich hartnäckig ein Gerücht, Virtua Fighter sei für Anfänger im virtuellen Kampfsport viel zu kompliziert, es sei zu trocken, und von anderen Prügler wie Tekken habe der Nicht-Vollprofi sowieso mehr als von Segas ausgeklügelter Kampfsport-Simulation. Jetzt ist es endlich mal an der Zeit, mit diesem Vorurteil aufzuräumen. Und Virtua Fighter 5 ist dafür genau der richtige Anlass - was Sega da zum deutschen Launch der PlayStation3 abgeliefert hat, ist weder trocken, noch spröde, noch zu verkopft, sondern ein schillerndes Beispiel, dass ein mittlerweile vergleichsweise klassisches Genre wie das Beat'em Up Mann gegen Mann auch 16 Jahre nach Street Fighter 2 noch gnadenlos motivieren und beeindrucken kann. Man kann mit Fug und recht behaupten, dass Virtua Fighter für das Genre ebenso essentiell war wie Street Fighter 2 - während der Capcom-Klassiker das Prügelspiel salonfähig gemacht hat, war Virtua Fighter der große Innovator. Yu Suzuki hat mit seinem Spiel nicht nur die dritte Dimension für den virtuellen Schlagabtausch geöffnet, er hat auch direkt gezeigt, dass das Genre auch abseits von Feuerball, Dragonpunch und dem klassischen Capcom- oder SNK-Kontrollschema funktioniert. Während das Konzept in Japan sehr geschätzt wurde, ignorierten westliche Spieler Virtua Fighter weitestgehend - der spartanische Look des ersten Teils konnte mit den grafisch besseren, spielerisch aber weniger ausgefeilten Konkurrenten Tekken und Toshinden nicht mithalten. Und etwa seitdem hat Virtua Fighter eben den Ruf des hässlicheren, trockeneren Konkurrenten weg. 
Und wenn es um das reine Drumherum geht, bietet Virtua Fighter auch tatsächlich weniger als Tekken. Wo die letzte Tekken-Inkarnation mit über 30 Figuren und etlichen Bonus-Modi an den Start geht, umfasst das Kämpferfeld von Virtua Fighter 5 gerade einmal 17 Männer und Frauen. Und auch auf Spielereien wie einen Abenteuermodus, Bowling oder Volleyball wird verzichtet. Selbst den Handlungsballast reduziert Virtua Fighter auf ein Minimum: Sega sieht keine Notwendigkeit darin, eine verzweigte Handlung à la Tekken oder Dead or Alive aufzutischen - ein klein wenig Hintergrund und Motivation zu jeder Figur, das reicht. Wo andere Firmen ihre Zeit und Ressourcen in Plot, zusätzliche Spielmodi und üppige Renderfilme investieren, setzt Sega ausschließlich auf das eigentliche Spiel, also das Gebiet, das am Ende das einzig ausschlaggebende ist. Das soll jetzt aber natürlich bei weitem nicht heißen, dass die Präsentation vernachlässt wird, im Gegenteil. Man kann man Fug und Recht behaupten, dass Virtua Fighter 5 nicht nur das grafisch beste momentan erhältliche Prügelspiel ist, es ist auch mit Abstand das bislang schönste PS3-Spiel insgesamt. Die Figuren sind exzellent animiert, alleine bereits die butterweiche Verteidigungs-Animation von Shaolin-Mönch Lei Fei ist derartig elegant gelungen, dass sie die gesamte Konkurrenz deklassiert. Physikalisch eigentlich unmögliche Bewegungen wie der Drehkick, bei dem sich Tekken-Protagonist Kazuya Mishima eigentlich die Wirbelsäule brechen müßte, hat Sega konsequent vermieden. Auch übernatürliche Spezialattacken müssen bei Virtua Fighter weiterhin an der Tür abgegeben werden. 
Sind die Animationen und Details der Figuren bereits ein beeindruckender Hingucker, setzen die Hintergründe noch einmal eins drauf. Ob chinesische Mauer, eine verregnete Großstadt, ein tropisches Inselparadies oder eine weitläufige japanische Tempelanlage, die Stages sind wundervoll gestaltet und strotzen nur so vor Details und grafischen Extravaganzen. Spiegel-Effekte, Schattenwürfe, realistische Verschiebungen im Schnee und harte Attacken, die den Boden oder Ring-Abgrenzungen beschädigen können, lassen die Umgebung lebendig wirken. Man hat nie das Gefühl, vor einer simplen Tapete zu kämpfen. All das ohne Flackern, Ruckeln oder Grafikfehler - sowohl auf der PS3, als auch auf XBox 360! Wer den vollen grafischen Genuss will, kommt aber natürlich nicht um den korrekten Fernseher herum. Auch auf einem normalen TV-Gerät sieht Virtua Fighter 5 wirklich hübsch aus, erst in HD-Auflösung zeigt Virtua Fighter 5 aber seine ganze Klasse. Aber gut - dass die Optik von Virtua Fighter 5 auf dem höchsten Niveau ist, haben wir mittlerweile wohl ausgiebig betont. Kommen wir also zur Hauptattraktion - der Spielbarkeit. Und die ist schlichtweg brilliant. Die Geschwindigkeit ist höher als noch bei Virtua Fighter 4 Evolution, die Steuerung fühlt sich absolut präzise und genau an; vor allem stimmt aber die Balance. Entwickler AM2 geht beim Einführen neuer Figuren sehr vorsichtig zur Sache - mehr als zwei neue Kämpfer pro Episode gibt's nicht. Und das ist auch gut so, denn auf diese Art ist sichergestellt, dass die Figuren sich gegenseitig ergänzen und dass bestimmte Kämpfer mit der Zeit nicht zu übermächtig werden. Auch beim Sprung von Virtua Fighter 4 Evolution auf Virtua Fighter 5 wurde jede Menge Feinarbeit betrieben. Natürlich gibt es Figuren, die einsteigerfreundlicher sind als andere. Wer das erste Mal Virtua Fighter spielt, wird mit Hauptfigur Akira seine liebe Mühe haben, mit Pai dagegen schon nach kurzer Zeit ansehnliche Attacken zaubern. Wer aber tiefer in die Materie eindringt, der stellt fest, dass gerade erfahrene Spieler sich mit jeder Figuren-Konstellation ausgeglichene Matches liefern können. Bleibt die Frage nach der Zugänglichkeit des Ganzen - wie eingangs bereits beschrieben hat Virtua Fighter ja den Ruf, extrem komplex und wenig einsteigerfreundlich zu sein. Dazu können wir nur sagen: Unfug! Wir haben den Test in der Gorilla-Redaktion gemacht, und selbst Leute ohne jegliche 3D-Prügler-Erfahrung konnten in kürzester Zeit gut mit dem Spiel umgehen. Die Steuerung mit ihren drei belegten Knöpfen (Schlag, Tritt, Block) ist weitaus schneller verinnerlicht als beispielsweise das Tekken-System. Und eine der großen Stärken von Virtua Fighter ist die großartig ausbalancierte Lernkurve. Schlägt man sich anfangs noch mit kurzen Schlag-Schlag-Tritt-Kombinationen halbwegs passabel durch die Kämpfe, erkennt man schnell, welche Möglichkeiten das System noch bereit hält. Dank der intuitiven Steuerung ist langes Wälzen in Kombo-Listen nicht nötig - erst wenn man wirklich von sich aus mehr über die Feinheiten des Systems erfahren will, besucht man den hervorragend gestalteten Trainings-Modus und lässt sich in die Geheimnisse von verschiedenen Grundstellungen und Konter-Attacken einführen. Es soll allerdings nicht verschwiegen werden, dass sich der PS3-Controller und Virtua Fighter 5 nur bedingt gut vertragen. Das Spiel steuert sich zwar wirklich gut, der Profi schwört aber dennoch auf die Präzision eines guten Arcade-Sticks. Und spätestens wenn einzelne Techniken verlangen, gegenüberliegende Knöpfe auf dem Pad gleichzeitig zu drücken dämmert auch dem Laien, dass so ein Stick vielleicht keine schlechte Investition darstellt. 
Vom Trainings-Modus einmal abgesehen werdet ihr die meiste Zeit des Spiels im Quest-Modus verbringen. Klar, ein normaler Arcade-Modus ist auch vorhanden, aber den gibt es eher der Vollständigkeit halber. Im Quest-Modus wählt ihr zunächst einen festen Kämpfer, dann könnt ihr in Verschiedene Spielhallen gehen. Dort erwarten euch KI-Gegner unterschiedlichster Qualifikation. Ihr beginnt als Neuling auf dem 10. Kyu und bekommt für Siege Erfahrungspunkte - so steigt ihr langsam auf, bis ihr in die Dan-Grade und schließlich in die Meister-Klassen kommt. Nebenbei verdient ihr eine Menge Geld und gewinnt hübsche Accessoires - so könnt ihr eure Kämpfer ganz nach belieben verändern. Frisuren, Schmuck, Kleidung - das nötige Geld vorausgesetzt, könnt ihr so eure Lieblingsfigur ganz nach euren Wünschen verändern. Der größte Unterschied zwischen der PS3- und der neuen XBox-Konvertierung ist neben ein wenig Feintuning bei der neue Fassung vor allem der Online-Modus. Der funktioniert durchaus ordentlich, je nach Verbindungsqualität halten sich die Unterschiede zum normalen Zweispielermodus in Grenzen. Ärgerlich sind allerdings bei beiden Versionen die kleinen Schnitzer im Komfort. Warum muss man im Zweispielermodus immer wieder sein Profil neu auswählen? Warum kann man pro Profil nur einen Kämpfer benutzen? Zusammen mit den ein wenig zu langen Ladezeiten zwischen den Kämpfen zieht das den eigentlich famosen Zweispielermodus ein wenig herunter. Aber in Anbetracht der großartigen Grafik, der genialen Balance und der perfekten Spielbarkeit sind diese Punkte tatsächlich vernachlässigbar.Wer sich jetzt noch die Virtua Fighters nicht in den Einkaufswagen legt, hat hoffentlich eine tödliche Allergie gegen Prügelspiele, andere Entschuldigungen lassen wir nicht gelten. Text Copyright Thomas Nickel 2007 Cover, Screenshots Copyright Sega |