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Gorilla des Monats

bernie 
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Randall & Hopkirk (Deceased)

CoverUK, 2000-2001

Umfang:
2 Staffeln mit insgesamt 13 Episoden a' 50 Minuten Buch: Charlie Higson Regie: Charlie Higson u.a. Musik: David Arnold, Murray Gold Produzenten: Analisa Barreto, Charlie Higson Darsteller: Vic Reeves, Bob Mortimer, Emilia Fox, Tom Baker

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Jeff Randall und Marty Hopkirk sind ein Dreamteam. Egal ob verrückte Wissenschaftler, paranoide Politiker oder mordlüsterne Provinzler, bisher hat noch kein Verbrecher das ungleiche Detektivduo ausgetrickst. Was auch immer passiert, die Jungs können sich aufeinander verlassen. Da wäre nur ein kleines Problem: Marty Hopkirk ist tot.

Bevor wir diesen Umstand erklären, begeben wir uns aber auf eine kleine Zeitreise. Die Sechziger Jahre werden unter TV-Afficionados oft als das goldene Zeitalter britischer „Telefantasy“ betrachtet. Zu diesen ungewöhnlichen, oft surrealen Abenteuerserien zählten Klassiker wie Doctor Who, The Prisoner, Mit Schirm, Charme und Melone oder auch Randall and Hopkirk (Deceased). In letzterer Sendung ermittelte Privatdetektiv und Raubein Jeff Randall zusammen mit dem Geist seines verstorbenen Partners Marty Hopkirk in relativ mundanen Kriminaldelikten. Übernatürliche Elemente, bizarre Bösewichte und Sci-Fi-Unsinn hatten im Alltag des verwegenen Ermittlers mit dem verwesten Kollegen eher Seltenheitswert. Als 2001 schließlich ein Remake von Randall and Hopkirk in Produktion ging, wurde schnell klar, dass die neue Serie wesentlich mehr sein sollte als nur ein lauwarmer Aufguss des Originals. Stattdessen wurde die modernisierte Variante zur ultimativen Hommage an Serien und Filme der Sechziger.

Jeff & MartyClunes


Tatsächlich haben Randall und Hopkirk im neuen Millenium, abgesehen von der Grundprämisse, herzlich wenig mit ihren Urvätern aus den Swinging Sixties gemeinsam. Wo sich das Duo im Original aus einem Macho und seinem moralisierenden „spirituellen“ Berater zusammengesetzt hat, finden wir in der Neuzeit zwei hoffnungslose Verlierer. Jeff Randall (Bob Mortimer) ist ein naiver, ambitionsloser Tollpatsch, Marty Hopkirk (Vic Reeves) ein kindischer, hyperaktiver Träumer ohne Ratio. So langsam wäre es an der Zeit, dass sich im eintönigen Berufsleben der gelangweilten Kriminalisten endlich etwas ändert. Marty hat sich entschieden: Schluss mit den schmierigen Ehebrechern, her mit Aufregung, Abenteuer und Verfolgungsjagden. Jetzt wird ein anderes Kapitel im Buch der maroden Detektei aufgeschlagen.

Sehr anders sogar. Denn noch bevor die Jungs ihren letzten Standardfall hinter die Bühne bringen können, wird Marty auf ebenso heimtückische wie mysteriöse Art ermordet. Diese Kleinigkeit hält ihn allerdings nicht davon ab, seinem besten Freund weiterhin zur Seite zu stehen. Bis der Mord geklärt ist hat Marty eine Genehmigung von oberster Instanz, weiterhin durch die Welt der Lebenden zu wandeln. Viel ausrichten kann der untote Schwätzer dabei allerdings nicht, denn abgesehen von seinem Auserwählten Jeff kann ihn kein Sterblicher sehen. Und auch mit besonderen Fähigkeiten ist es eher Sense. In gewissen Situationen ist es sicher nützlich, Verbrechern die Schuhe zu schrumpfen oder Kerzen auszupusten, aber im Kampf gegen größenwahnsinnige Superverbrecher sind derlei Talente eher am unteren Ende der Nützlichkeitsskala anzusiedeln.

TennantWyvern


Aber da gibt es ja noch den guten Wyvern (gespielt von Tom „vierter Doctor Who“ Baker), der Marty in seiner Funktion als Yoda der Geisterwelt stets mit neuen Tricks, guten Ratschlägen und bizarren Todesweisheiten versorgt. Und die hat Marty auch bitter nötig, denn schließlich will er verhindern, dass sich zwischen seiner Verlobten Jeannie Hurst (Emilia Fox) und dem feinen Jeff eine mehr als platonische Freundschaft anbahnt. Manchmal ist gute, altmodische Sabotage eben das einzige Mittel um Liebende aufzuhalten.

Und obwohl sich im Lauf der dreizehn Episoden hin und wieder echtes emotionales Drama einschleicht, lässt sich der gute alte Pathos erfreulich selten blicken. Martys Tod und seine Schwierigkeiten loszulassen werden durchaus mit der angebrachten Ernsthaftigkeit thematisiert, aber Comedy und Action sind selbst in den ernsthafteren Episoden von Randall & Hopkirk immer die dominanten Faktoren. Eine weise Entscheidung, denn letzten Endes wäre es sowieso unmöglich, Geschichten um verfluchte Kaufhäuser, brennende Sukkuben, satanische Dörfer oder reanimierte Moorleichen ernstzunehmen. Wer Mit Schirm, Charme und Melone (in der TV-Inkarnation, versteht sich) kennt, weiß was auf dem Programm steht: surreale Abenteuer, schwarzer Humor und absonderliche Optik im Stil europäischer Comics geben sich hier die Klinke in die Hand.

Happy IsleJeannie

Aber nicht nur inhaltlich, sondern auch stilistisch wurden Randall & Hopkirk von John Steed und Emma Peel beeinflusst. Mit Schirm, Charme und Melone lief stets nach einem strengen Regelwerk ab. Die Settings waren meist isoliert und menschenleer, um eine bedrückende, weltfremde und zeitlose Atmosphäre zu erzeugen, Statisten wurden nur im äußersten Notfall eingesetzt. Und mit normalen Verbrechern gab man sich im Hause Steed sowieso nicht zufrieden, wenn man schon einen Kontrahenten hat, soll es gefälligst auch ein diabolisches Meisterhirn sein. Und weibliche Hauptfiguren sind emanzipierte, wortgewandte Martial Arts-Profis, die den Kerlen mehr als nur Paroli bieten.

All diese glorreichen Traditionen feiern bei Randall & Hopkirk ihr lange überfälliges Comeback. Aber dann wieder gibt es bei Jeff und Marty auch echte Charakterentwicklung, nachvollziehbare Motivationen und ein Mindestmaß an Kontinuität, dass die plotlastigen Produktionen der Sechziger mit Gusto in den Schatten stellt.

CatfightFinale


Klingt gut? Ist es auch. Sehr gut sogar. Ein kleines Problem gibt es aber in Form der Hauptdarsteller. Comedians Vic Reeves und Bob Mortimer haben, ihrer angenehmen Bildschirmpräsenz zum Trotz, nämlich nur sehr limitiertes Schauspieltalent. Sobald dramatisches Material oder gar Exposition im Drehbuch stehen, kommen die beiden Herren gehörig ins Schaukeln. Und obwohl derlei Momente eher in der Minderheit sind, verpassen sie dem positiven Gesamteindruck doch eine kleine Delle. Ein Glück also, dass die Nebendarsteller Emilia Fox und Tom Baker ausgezeichnete Arbeit leisten. Und wenn das Ensemble dann noch von Gaststars wie Simon Pegg, David Tennant, Alexis Denisof, Jessica Stevenson, Derek Jacobi, Hugh Laurie und der kompletten League of Gentlemen unterstützt wird, werden die schauspielerischen Mankos der Stars fast irrelevant.

Und in diesem Sinne können wir Randall & Hopkirk (Deceased) jedem Freund ungewöhnlicher TV-Kost wärmstens ans Herz legen. Wird diese Serie jemals die Relevanz ihrer Vorbilder haben? Nein! Aber die Qualität der alten Telefantasy-Sendungen wird spielend erreicht, und manchmal sogar übertrumpft. So macht Fernsehen Spaß!

Text Copyright 2007 Peter Clausen
Cover, Screenshots Copyright BBC

 
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