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Gorilla des Monats

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My Dead Girlfriend

Dead Girlfriend Cover LargeAutor & Zeichner: Eric Wight, zusätzliche Tuschearbeit: Mike Allred, Michael Cho, Nick Derington, Grey Tones: Mark Lewis, Lettering: Mark Lewis, Lucas Rivera

Erschienen bei: Tokyopop USA

Preis: 9,95 US$

Alles an diesem ersten Band von Eric Wights My Dead Girlfriend ist furchtbar liebenswürdig. Da sind die Zeichnungen, die keinen Zweifel daran lassen, dass Wight ein ausgezeichneter Cartoonist ist: In seinen Panels vermischt er ein bisschen Mike Allred mit jeder Menge Tim Burton plus ein, zwei Teelöffeln Andi Watson. Seine Designs und Seitengestaltungen sind von ausgereiftem Stil, bisweilen betörend süß und immer ausdrucksstark. Vor allem funktionieren sie mehr als ordentlich innerhalb von Wights Geschichte, die sich dazu noch ganz ohne Schwierigkeiten auf ein verkaufsträchtiges High Concept reduzieren lässt: Finney Bleak, Schüler auf einer hauptsächlich von niedlichen Monstern bevölkerten High School, hat sich in eine gewisse Jenny verliebt, die genauso wie er ein Geek ist – was die beiden selbst auf einer Schule voller monströser Freaks immer noch zu den größten Außenseitern macht. Das Problem ist nur, dass Jenny tot ist und dementsprechend nur als Geist durch die Seiten schwirrt. Hijinx ensues.

Wight erzählt diese High School-Romanze luftig-leicht und zeigt sich (nicht nur für ein Erstlingswerk) von einiger Kompetenz im Storytelling. Das erinnert nur in der bisweilen heftigen Dekompression noch an das “Manga“ in “Original English Language Manga (OEL)“, wie Tokyopop USA seine Reihe von amerikanischen Original-Veröffentlichungen nennt. Anstatt sich an einer Imitation japanischer Ästhetik und Erzählweise abzurackern, hat sich Wight eher auf die ironisch-geistreichen Spielereien von Filmen wie Beetlejuice und Nightmare before Christmas eingeschossen und versucht, an deren souveränen Umgang mit Klischees und ursprünglich unheimlichen Horror-Motiven anzuknüpfen.

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Das gelingt dem Autor/Zeichner auch bisweilen. Da ist zum Beispiel Finneys Familie, die größtenteils aus unglücklich verstorbenen Verwandten aus vier Jahrhunderten besteht. Die bevölkern beruflich eine Geisterbahn auf dem Rummelplatz und veranstalten in der Freizeit Glücksspiel-Turniere in Finneys Wohnzimmer. Die liebe Verwandtschaft zählt zu den unterschiedlichsten Klischeegruppen: Piraten und verrückte Erfinder gehören ebenso zu Finneys Stammbaum wie zweitklassige Baseballspieler und gefräßige Elvis-Imitatoren. Als solche sind sie, ihrem sonst üblichen Kontext entrissen und in die Gegenwart der USA verfrachtet, durchaus für ein Schmunzeln gut. Mehr aber auch nicht, denn dafür sind sie zu liebenswürdig. So wie der ganze Band, und das ist Wights Problem.  

Genauso wie das offensichtliche Vorbild Tim Burton hat er ein Faible für Außenseiter, für Verlierer, Trash- und Genrekultur. Burton verschließt aber bei aller Ironie nie die Augen vor den (menschlichen) Abgründen, die sich hinter der amerikanischen B- und C-Movie-Tradition verbergen. Die Geister von Beetlejuice sind lächerlich und skurril, aber auch unberechenbar und damit furchteinflößend wie ein Pappmâché gewordenes, dabei aber gar nicht monströses, sondern sehr menschliches Unterbewusstsein, das jederzeit Amok laufen kann. Die irrationale Seite des Menschlichen empfindet Burton wohl potentiell als viel furchterregender als jedes dämonische Untier. Im gleichen Sinne bedeutet der Tod auch wirklich etwas in Burtons Filmen, ist zumindest ein heftiger Einschnitt für die Figuren oder, wie das Siechtum Bela Lugosis im tieftraurigen Ed Wood, ein grauenhaftes Ereignis - die existentielle Wahrheit, die uns die Bilder von Horrorfilmen unterschwellig immer vermitteln, ohne dass wir es die meiste Zeit bemerken. Genau dieses essentielle Element von Ernsthaftigkeit in Burtons Filmen scheint Wight nicht erkannt zu haben; und so bezieht er in seinem Comic über den Tod keine klare Stellung zu seinem wichtigsten Thema.

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Sicher, niemand erwartet von einer kleinen Graphic Novel, die hauptsächlich unterhalten will, eine differenzierte Auseinandersetzung mit einem solchen Downer-Thema wie dem Tod. Aber zumindest könnte man einen Standpunkt haben, was der Exitus innerhalb der Geschichte bedeuten soll, die man erzählen will. Diese Frage kann Wight nicht beantworten. Als Finneys Eltern im Tunnel of Love auf dem Jahrmarkt sterben, erscheint das bestürzenderweise wie ein Einweg-Gag ohne größere Folgen. Zwei Kapitel weiter dagegen wird Finney vom Schnitter verfolgt und hat rasende Angst vor besagtem Sensenmann. Die lässt sich aber kaum begründen in einem Comic, in dem der Tod bisher hauptsächlich mal für einen Scherz gut war und nichts mit Schmerzen oder Verlust zu tun hatte. Eben diese Schmerzen und den Verlust versucht uns Wight dann in der zweiten Hälfte des Bandes doch noch unterzujubeln, aber da ist es schon zu spät. Der Versuch, dramatisch zu werden, scheitert an der Luftschokoladen-artigen Konsistenz der ersten Kapitel, die sich nicht so einfach wegschreiben lässt.

Mit anderen Worten: Um eine richtig gute Komödie abzugeben, sind die traurigen Momente von My Dead Girlfriend einfach nicht traurig genug, vor allem, weil Wight uns auch über die schwierigen High School-Jahre nichts zu erzählen hat, was wirklich aufrichtig oder spannend wäre. Nicht nur deswegen fühlt man sich nach der Lektüre des ersten Bandes in etwa so, als hätte man maximal ein besonders leichtes Stück Aero-Schokolade verspeist, gewiss keine emotionale Schweinshaxe. Der Eindruck der charmanten Belanglosigkeit wird noch verstärkt dadurch, dass Wight den gesamten ersten Band damit verbringt, auf Finneys Erkenntnis von Jennys Tod hinzuarbeiten. Dummerweise wissen wir Leser aber spätestens darüber bescheid, wenn wir den Titel gelesen haben. All die Liebenswürdigkeit dieser 128 Seiten erweist sich so letzten Endes als merkwürdig gedehnte, ziemlich unnütze Exposition. Bei dem erheblichen Trubel, der in den Staaten über diesen ersten Band von My Dead Girlfriend gemacht wurde, ist das dann doch ein bisschen wenig. Lesen kann man Wights Debüt schon, und es ist furchtbar schwierig, dem Band keine Sympathie entgegenzubringen. Trotzdem müffeln die Werbe-Quotes auf der Rückseite des Bandes ein wenig streng nach Nepotismus. Herr Whedon: Wir sehen scharf in Ihre Richtung.

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Tim Burton's The Nightmare before Christmas

Links
http://www.ewight.blogspot.com/ Eric Wights Blog
http://www.tokyopop.com/P-55/ Previews der ersten zwei Kapitel des Bandes beim US-Publisher Tokyopop

Text Copyright Jochen Ecke
My Dead Girlfriend, cover design, excerpts Copyright 2006 Eric Wight and Tokyopop Inc.

 
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