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Jack of Fables: The (Nearly) Great Escape

jackJack of Fables: The (Nearly) Great Escape
Autoren: Bill Willingham, Matthew Sturges, Zeichnungen: Tony Atkins, Tusche: Andrew Pepoy

Erschienen bei: DC Comics/Vertigo, 2007
Preis: 11,95 € Jack of Fables: The (Nearly) Great Escape bei Amazon.de


Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der smarteste Fable im ganzen Land? Jacks Badezimmerspiegel kennt auf diese Frage nur eine Antwort: der verdammt attraktive Bezwinger der Bohnenstange, der ihm da entgegensieht. Ausgestattet mit einer gehörigen Portion Selbstüberschätzung, Dusel und Chuzpe stürzt sich Jack Hals über Kopf in die Spin off-Serie der derzeit erfolgreichsten Vertigo-Reihe Fables.

Das Letzte, was man als Leser der Hauptserie in den Ausgaben 34 und 35 von Jack gesehen hat, war sein Versuch, mit dem Vermögen Fabletowns, der Gemeinschaft der Märchenfiguren, in Hollywood eine Blockbuster-Trilogie seiner eigenen Geschichten zu produzieren, um sich damit in die A-Liga der Märchen zu befördern. Der Plan gelang, doch Beast, der Sheriff Fabletowns, verdarb das "happily ever after" und schickte ihn ins Exil. Mit seiner Verbannung aus Fabletown verschwand Jack aus der Hauptserie Fables, in der Bill Willingham seit 2003 die Geschicke von Märchencharakteren im heutigen New York erzählt. Jack, der Sonnyboy, dessen halsbrecherische Pläne von Reichtum und Ruhm immer im letzten Moment von der Realität eingeholt werden, bekam sein eigenes Spin off.

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Ein Spin off verspricht das lieblose Abschöpfen von Leserinteresse und ein langsames Ausbrennen der Hauptserie. Ja, Ewoks sind putzig, aber sie brauchen keinen eigenen Film. Und nun, angesichts des satten Preises von $15 für den ersten Band von Jack of Fables (zum Vergleich: der erste Band der Hauptserie kostet $10), scheint es, als habe die marktwirtschaftliche Realität auch Fables eingeholt.

Eines gleich vorweg: auch Jack trägt keine eigene Serie. Selbstüberschätzung und der harte Fall in die Realität werden schnell zur gelangweilten Routine. Glücklicherweise ist sich Bill Willingham dessen bewusst und legt mit The (Nearly) Great Escape eine Geschichte vor, die mit anderen Qualitäten punktet. Herr Willingham hat wieder einmal seine Hausaufgaben gemacht und nicht nur eine spannende Geschichte, sondern auch einen scharfzüngigen Kommentar zur aktuellen Erzählkultur abgeliefert.

Jack wird von den Agenten des Mr. Revise gefangengenommen und in die Golden Boughs Retirement Community verschleppt. Mit The Golden Bough: A Study in Magic and Religion begann James George Frazer Ende des 19. Jahrhunderts, Legenden, Mythen und Märchen aus aller Welt miteinander zu vergleichen. Frazer stellt diese Erzählungen in massiven zwölf Bänden nebeneinander, um sie dann schliesslich auf einen gemeinsamen Ursprung als Erklärung des jährlichen Naturzyklus in Fruchtbarkeitsriten zu reduzieren. Ganz ähnlich schnippelt Mr Revise, Herr der Golden Boughs Retirement Community, an den hier internierten Fables herum, bis sie nichts mehr von ihrer ursprünglichen Farbigkeit und urwüchsigen Gewalt an sich haben. Nun sitzt Jack, das blühende Leben, vor Mr Revise und prahlt, dass ihn dessen perfekt organisiertes Gefangenenlager nicht länger als eine Woche hält.

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Wie in John Sturges' Film The Great Escape (1963; dt. Titel: Gesprengte Ketten), der von einem Massenausbruch aus einem deutschen Kriegsgefangenenlager im 2. Weltkrieg erzählt, tun sich die Insassen unter Jack zusammen, um Golden Boughs zu entkommen. Wenn auch Jack nur so souverän tut wie Steve McQueen es im Film ist, so steht The (Nearly) Great Escape seinem Vorbild in Sachen Spannung und Action wenig nach. Zudem gibt es neue Charaktere wie Humpty Dumpty, die Elfen aus Shakespeares Sommernachtstraum oder die Pathetic Fallacy (John Ruskin kann so grausam sein), Mr Revises kratzbürstige Bibliothekarinnen möchte man nicht mehr missen und eine totgeglaubte Fable kehrt zurück ins Geschehen. Die Zeichnungen sind kompetent gemacht (nicht von Mark Buckingham, wie die meisten Ausgaben der Hauptserie, sondern von Tony Akins); das Papier und der Druck leider gewohnt billig.

So bietet der erste Jack of Fables anderthalb Stunden beste Unterhaltung. Als Fables-Leser sollte man ihn sich keineswegs entgehen lassen. Wer Fables noch nicht kennt, fängt allerdings besser mit der Hauptserie an.

 

Text Copyright Karin Dannecker
Jack of Fables, cover, excerpts copyright Bill Willingham

 
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