System: Xbox 360 (XBox Live Arcade)
Japan (1997 / 2007), Director: Toru Hagihara, Assistant Director: Koji Igarashi, Szenario: Koji Igarashi, Toshiharu Furukawa, Characterdesign & Illstrationen: Ayami Kojima, Musik: Michiru Yamane Entwickler: Konami Preis: 800 MS-Punkt (entspricht € 9,30) Nach einem schwachen Jahresanfang mit "Perlen" wie Root Beer Tapper oder Paperboy scheint XBox Live Arcade langsam die Kurve zu kriegen - nach Worms und den Ninja Turtles (naja, überall außer in Deutschland...) steht nun endlich auch das lang erwartete Castlevania - Symphony of the Night für wenig Geld zum Download bereit. Nur der Vollständigkeit halber eine kurze Gedächtnisauffrischung: Castlevania - Symphony of the Night erschien 1997 auf der Playstation und widersetzte sich erfolgreich dem damaligen Trend zur Dreidimensionalisierung. Das ganze Spiel kam in meist liebevoll gezeichneter 2D-Optik daher, nur ein paar wenige Stages boten Polygon-Spielereien im Hintergrund. Auch die Struktur bisheriger Castlevanias wurde komplett über den Haufen geworfen: Anstatt mit einem leicht gebückt gehenden Peitschenschwinger linear Level für Level zu durchqueren, erkundet der agile und flexible Halbvampir Alucard Draculas komplettes Schloss. Das ist im Metroid-Stil aufgebaut - wohin Alucard gehen will, ist ihm im Prinzip selbst überlassen. Überall gibt es Abzweigungen und neue Gebiete zu erkunden. Aber nur mit der Entsprechenden Ausrüstung kann Alucard bestimmte Türen öffnen und nur mit bestimmten Talenten kann er besonders weite Sprünge schaffen oder unter Wasser laufen. Dazu kommt ein rudimentäres RPG-System: Besiegte Gegner bringen Alucard Erfahrungspunkte, ein Level-Aufstieg verheißt bessere Angriffswerte und mehr Lebensenergie. Waffen findet ihr in mannigfaltigster Ausführung auf eurem Weg durch das Schloss - Alucard benutzt Schwerter, Degen, Eisenhandschuhe, Messer, Zauberstäbe... nur auf die Belmont'sche Peitsche verzichtet er. Auch die typischen Sekundärwaffen sind mit von der Partie - Wurfaxt, Messer, Weihwasser - all die schönen Sachen, mit denen man ekligen Untoten einheizt, stehen zur Verfügung. Dazu kommt noch eine ansehnliche Magieliste, Hilfsmonster und Tierverwandlungen und man stellt fest, dass Castlevania - Symphony of the Night eine ordentlich komplexe Angelegenheit ist. Gut, der Schwierigkeitsgrad ist etwas niedrig und Profis sehen nach weniger als 10 Stunden den Abspann, trotzdem ist Symphony of the Night bis heute eines der besten Spiele aller Zeiten - die perfekte Steuerung fesselt ans Pad, der famose Soundtrack von Michiru Yamane geht perfekt ins Ohr, die unzähligen Geheimnisse und Überraschungen motivieren über Stunden hinweg und die stilsichere 2D-Grafik sieht bis auf ein paar damals schon lieblos übernommene 16-Bit-Sprites heute noch so hübsch wie vor zehn Jahren aus. 
Und jetzt kommt natürlich die große Frage: Wie ist das ganze auf XBox Live Arcade? Wir sagen: Die Umsetzung ist gelungen. Der erste Unterschied, der auffällt, ist das Fehlen der Rendersequenzen. Gut - das ist im Prinzip kein großer Verlust, die waren schon seiner Zeit nicht allzu beeindruckend, lediglich die tolle Musik des Vorspanns wird ein wenig vermisst. Im Spiel selbst ist alles beim alten. Castlevania läuft in 4:3 mit einem Rahmen um das Geschehen, in den Optionen kann man allerdings die Bildgröße variieren und auf Wunsch auch derbe in die Breite ziehen - dann ist der Mond zwar eher ovalförmig als rund, aber zumindest wird dann der teure 16:9-Fernseher ausgereizt. Wem's gefällt... Interessant ist auch der Grafikfilter: Die Entwickler stellen zum Beispiel die Originaloptik zur Verfügung - da ist das Bild dann knackscharf und jeder Pixel ist sauber erkennbar. Wer's dagegen etwas weicher mag, schaltet den Filter ein, ein leichter Weichzeichner rundet Ecken und Kanten ab. Beide Modi sind recht ansehnlich und machen auch auf Projektor in 720p einen astreinen Eindruck. An der Musik gibt es nichts auszusetzen - die Stücke entsprechen 1:1 den PSone-Klängen und das ist auch gut so. Inhaltlich basiert Castlevania auf der US-Version des Spiels. Das bedeutet im Klartext: Die Sprachausgabe in den Zwischensequenzen ist erbärmlich schlecht und so manch einen überkommt beim verbalen Schlagabtausch zwischen Richter Belmont und Dracula das allseits beliebte Fremdschäm-Phänomen. Aber gut - niemand hat mit einer neuen Synchro oder gar dem hervorragenden japanischen Originalton gerechnet. Höchstens vielleicht darauf gehofft... Ebenfalls aus der US-Version bekannt sind eine handvoll zensierte Sprites: Im Land der unbegrenzten Eitelkeiten wurde penibel darauf geachtet, dass keines der weiblichen Pixelmonster mit entblößtem Busen durch das Schloss kraucht - alles ist jetzt züchtig bedeckt. Mit den Blutfontänen, wenn Alucard einen der untoten Söldner in der Mitte durchsäbelt, hat dagegen keiner ein Problem. 
Die Steuerung geht auch mit dem etwas umstrittenen Digipad der XBox 360 flott von der Hand. Bugs konnten wir bis auf eine Ausnahme - nach exzessivem abwechselndem Drücken von Start- und Select-Knopf wurde der Bildschirm schwarz und wir mussten das Spiel neu starten - nicht ausmachen. Ladezeiten sind wie auf der PSone damals auch schon keine vorhanden, das Speichersystem wurde komplett beibehalten. Neu ist lediglich ein Teil der Tastenbelegung: Die Start-Taste führt in ein Menü für Erfolge, Grafikoptionen und ähnliches, die Select-Taste dagegen in Alucards Status-Bildschirm. Für die Schlosskarte ist nun der linke Trigger zuständig. Für alte Hasen ist das etwas gewöhnungsbedürftig, aber unter Mängel verstehen wir etwas anderes. Es ist beeindruckend - auch gute zehn Jahre nach dem japanischen Erstrelease motiviert Symphony of the Night wie kaum ein anderes Spiel - man merkt von der ersten Sekunde an, dass hier motivierte Entwickler am Werk waren, denen ihr Spiel wirklich etwas bedeutet hat. Die Steuerung, die Balance - alles fühlt sich hier perfekt durchdacht und gelöst an. Für weniger als 10 Euro bekommt ihr nun eine Version, die der damaligen deutschen Version mit der obligatorischen PAL-Bremse absolut überlegen ist. Castlevania ist auf jeden Fall das interessanteste XBox Live Arcade-Release diesen Jahres und ein echter Musskauf. Egal, ob ihr das Spiel zu PSone-Zeiten bereits bis zum Exzess leergeräumt habt oder ein echter Castlevania-Neuling seid - der nicht einmal 100MB große Download ist jeden MS-Punkt wert. Freut euch über einen ausgedehnten Urlaub in Schloss Dracula. Verwandte Artikel: Review: Castlevania - Dawn of Sorrow Review: Castlevania - Portrait of Ruin Interview: Koji Igarashi und Michiru Yamane Text Copyright Thomas Nickel 2007 Artwork, Screenshots Copyright Konami |