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Queer as Folk
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Queer as Folk
Seite 2

"It's a show about four straight women who act like gay men," sagte man bei den Simpsons über Sex and the City. Prophetisch, so könnte man fast meinen,  denn im Jahre 2000 lief sie an: Die Serie über vier schwule Männer, die wie schwule Männer handeln. Die Serie eröffnete vielversprechend: "The thing you need to know is, it's all about sex." Willkommen bei Queer as Folk. American version. Und da viele gute Dinge erst nach Amerika gekommen sind, wenden wir unseren Blick, wie es sich gehört, zuerst dem britischen Original zu.

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UK, 1999

Buch: Russell T. Davies, Regie: Sarah Harding, Charles McDougall, Musik: Murray Gold, Produzenten: Nicola Shindler, Russell T. Davies, Darsteller: Aidan Gillen, Craig Kelly, Charlie Hunnam , Denise Black, Andy Devine

An Anfang war der Mann. Es ist ein eigentlich völlig unwichtiges Detail, aber der Vollständigkeit halber sei's erwähnt: Russel T. Davies, der Wiedererwecker von Doctor Who und Schöpfer von Queer as Folk ist tatsächlich schwul. Wenn er also zwei homosexuelle Freunde durch Manchester schickt, weiß er genau, was passieren wird. Die Jungs werden jemanden für die Nacht finden. Davies wird den Sex im Fernsehen zeigen. Das konservative britische Publikum wird aufschreien. Genau so geschehen 1999, als die erste Folge der ersten "richtigen" Schwulen-Serie auf Channel 4 anlief und sofort zum Quotenhit wurde.

Im Mittelpunkt der Handlung stehen die beiden Kindheitsfreunde Vince (Craig Kelly) und Stuart (Aidan Gillen). Vince ist der typische Kumpel, ein Kerl von nebenan, der ganz durchschnittlich aussieht, ein gutes Herz und wenig Erfolg mit Männern hat. Er ist - wie auch sonst! - ein Doctor Who Fan der ersten Stunde und auch sonst in der Popkultur zuhause. Den Namen Alfred, der einem Baby gegeben wird, heißt er zum Beispiel für gut, weil auch Batmans Butler so heißt. Außerdem ist Vince unterbewusst schon immer in seinen besten Freund verliebt und wundert sich, warum andere Beziehungen nicht klappen. Dieser Freund, Stuart, hat leider keinerlei romantisches Interesse an Vince, oder überhaupt an jemandem.

Sein Lebensziel ist nicht eine erfüllte Beziehung, sondern Sex, und zwar mit möglichst vielen verschiedenen Männern. Und es klappt, auch wenn Stuart nicht unbedingt der schönste Mann in Manchester ist. Vielmehr besitzt er eine unglaubliche Ausstrahlung, die andere Menschen anzieht und sie ihm zu Füßen wirft. Er ist der Inbegriff dieser macht und zudem auch noch reich und erfolgreich - er kann sich erlauben, das zu tun, worauf er gerage Lust hat. Und dies nützt er schamlos aus. Alfred ist übrigens Stuarts biologisches Kind, das er für eine lesbische Freundin gezeugt hat. Ein Kind, das ihn von nun an stets erinnern wird, dass er älter wird.

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Die Serie kommt in den Gang, als der fünzehnjährige Nathan Maloney (Charlie Hunnam) seinen ganzen Mut zusammennimmt und zum ersten Mal den Schwulenbezirk Manchesters betritt. Auch er erliegt auf der Stelle dem Charme von Stuart, was dazu führt, dass er sich gleich in seiner ersten Nacht von dem deutlich älteren Mann mit nach Hause nehmen lässt. Es folgt die expliziteste Sexszene, die zwei Männer im öffentlichen Fernsehen bis dato je hatten. Für Vince lediglich ein Abenteuer für die Nacht. Nathan jedoch ist verliebt und von nun an von dem Gedanken besessen, Stuarts Freund zu werden. Ein schwieriges Unternehmen, bedenkt man, dass Stuart für Beziehungen höchstens ein müdes Lächeln übrig hat, Vince automatisch jeden hasst, der ein Auge auf seinen "Freund" wirft und Nathans plötzliches Coming-Out dazu führt, dass er von Zuhause flieht und im Haus von Vinces Mutter unterkommt.

Die Serie ist mit insgesamt zehn Episoden extrem kurz gehalten, es ist schwer, genug über den Inhalt zu verraten, um sie interessant zu machen, ohne die Überraschung zu verderben. Gesagt sei so viel: Auch wenn noch viele weitere Sexszenen folgen werden, sind sie nicht der Mittelpunkt der Handlung. Wie eine jede gute britische Fernsehserie lebt auch Queer as Folk hauptsächlich von ihren gut geschriebenen Charakteren und mitreißenden Dialogen, bitterbösem Sarkasmus sowie herrlicher Situationskomik. Insbesondere Stuart, der grundsätzlich kein Blatt vor den Mund nimmt, begeistert mit seinen gut geschriebenen Monologen. Die bunte Truppe um Stuart und Vince marschiert durch die Schwulendiscos genauso wie in heterosexuelle Bars (Kannst du dir vorstellen, dort gibt's Toiletten, auf denen nie jemand Sex hatte!), feiert Parties, kämpft mit Schulproblemen und Drogen, findet sich und trennt sich, streitet und versöhnt sich, sprich, macht auch nichts anderes, als in heterosexuellen Fernsehserien passiert.

Der einzige Unterschied ist der Sex. Von vielen Seiten wurde damals, als Big Brother noch nicht existierte, die fasst pornographische Offenheit mancher Szenen kritisiert. Von Homosexuellen, weil sie ein verzerrtes Bild vermitteln würden, von Heterosexuellen, weil es doch nur ein Magnet für höhere Ratings sei. Beides ist gewissermaßen gerechtfertigt, doch Russel T. Davies hat mit seinem Skript völlig recht. Besonders deutlich gesagt wird es in einer späteren Staffel der amerikanischen Version von Queer as Folk - die Menschen schauen sich gern einen Schwulen an und finden ihn niedlich, aber die wenigsten betrachten ihn als vollständigen Menschen, ein sexuelles Wesen. Wer also die erste Schwulenserie in seiner Art dreht, hat gar keine andere Wahl, als die Zuschauer frontal drauf zu stoßen, dass sie es wirklich mit Menschen zu tun haben, die einander genauso lieben wie heterosexuelle - seelisch wie körperlich.

Dass der Mittelpunkt der Serie ein anderer ist, beweist bereits der Titel. Er entstammt der alten Englischen Sprechart "there's nought so queer as folk" - nichts ist so komisch wie Menschen. Und obwohl die Produktionsköpfe von Channel 4 zwischendurch versucht hatten, den Namen zu "Queer as Fuck" zu ändern, kehrte Russel T. Davies doch zum ursprünglichen Titel, der vielleicht weniger ins Auge springt, zurück. Schließlich geht's in der Serie in erster Linie um Menschen und alles was sie tun.



 
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