System: PlayStation 2
USA (2007), Producer: David Jaffe, Director: Cory Balrog, Story Writer: Andy Ashcraft, Marianne Krawczyk, Art-Director: Stig Asmussen, Musik: James T. Sale Entwickler: SCEA Publisher: Sony Preis: 59,99 € God of War 2 vorbestellen bei Amazon.de Kratos hat ein Problem. Der grimmige Spartaner hat sich im ersten God of War eine blutige Schneise durch die griechische Mythologie geschlagen, am Ende Kriegsgott Ares selbst dahingemetzelt, und nun darf er sich selbst Gott des Krieges nennen. Dummerweise ist Kratos aber den anderen olympischen Göttern nicht ganz geheuer - der alte Glatzkopf ist derartig mürrisch und jähzornig, dass er meistens alleine auf seinem Thron spielen muss. Aber er hat ja noch seine spartanischen Armeen - dank Unterstützung vom Kriegsgott persönlich erobern die Stadt um Stadt. Jüngstes Opfer: Das idyllische Rhodos. Als aber Kratos auch noch persönlich in den Kampf eingreift, haben die Götter genug von ihm: Erst wird schnell der berühmte Koloss von Rhodos belebt, dann wird Kratos auf Menschengröße geschrumpft und Zeus beraubt ihn mit einem Trick seiner göttlichen Macht. Das lässt Kratos nicht auf sich sitzen: Wutentbrannt stapft er zum Tempel der Göttinnen des Schicksals und plant seine Rache an Zeus und seinen Kollegen. In seiner Konsequenz hat Kratos eines mit seinen Schöpfern gemeinsam: Weder er noch das Team um David Jaffe und Cory Balrog geben sich mit halben Sachen zufrieden. Kratos mischt den griechischen Pantheon auf, Jaffe und Cory stellen in ihrem neuen Spiel die neue Konsolengeneration in Frage. Egal wie viele Polygone PS3 und XBox360 durch die Gegend wuchten, egal welche Super-Texturen sie auf die Polygonmassen kleistern - bisher ist mir kein Spiel auf PS3 und 360 untergekommen, das die gleiche grafische Wucht und das gleiche Maß an Vision hat wie God of War 2. Das fängt bei simplen technischen Gegebenheiten an - God of War 2 ruckelt nicht, es wird nicht langsam, lediglich das meist recht deutliche Tearing (der jüngste Aufreger für eine Generation von Grafikfetischisten, die immer etwas zum Mäkeln braucht) erinnert daran, dass God of War 2 auf einer PlayStation 2 läuft. Ansonsten verrät sich die Hardware nicht. Der typische PS2-Treppcheneffekt, den wir das letzte Mal bei Final Fantasy 12 in voller Pracht erleben durften? Gibts nicht. Matschtexturen? Nicht hier! Niedrige Auflösung? Auf Wunsch läuft God of War 2 in 16:9 mit 480p (nur in der US-Version) über den entsprechenden Bildschirm. Klar - das ist keine PS3-HD-Auflösung. Umwerfend siehts aber trotzdem aus.  
Mir ist vollkommen bewusst, dass der letzte Absatz gerade für all jene, die sich letzten Freitag für dicke 600 Euro eine PS3 nach Hause geholt haben wie die reine Blasphemie klingt. Aber God of War 2 bestätigt folgende These besser als jedes andere Spiel: Die technische Leistungsfähigkeit eines Systems ist bei weitem nicht so wichtig wie die Fähigkeiten und die kreative Vision der Leute, die dafür entwickeln. Und wer auch nur das erste Szenario von God of War 2 gespielt hat, der wird mir da zustimmen. Kein Spiel kann mit der schieren Wucht von Kratos' Kampf gegen den Koloss von Rhodos mithalten. Das gigantische Stein-Ungetüm jagt den bleichen Antihelden durch die ganze Stadt, wirft ihn durch Dächer und versucht ihn mit Händen und Füßen zu zermalmen. Kratos katapultiert sich selbst mit einer Steinschleuden ins Gesicht des Riesen, fängt seine Arme in Wasserrädern und zerstört das Ungetüm schließlich von innen. God of War 2 fährt bereits in der ersten Spielstunde grafische Meisterleistungen und spielerische Einfälle auf, die andere nicht einmal in einem kompletten Spiel verbraten. Während das durchschnittliche Actionspiel vielleicht zwei bis drei magische Momente schafft, an die man sich erinnert, haut God of War 2 diese im 15-Minuten-Takt auf den Bildschirm. Ein Highlight jagt das nächste. Der Kampf gegen den Koloss, der Ritt auf dem Pegasus, das Treffen mit dem Monster Typhon, die Pferde der Zeit... Der Spieler wird permanent mit unglaublich epischen Situationen erschlagen. Lediglich der direkte Vorgänger kann in dieser Hinsicht noch mithalten. Aber anhand der schieren Menge an großartigen Momenten muss sich auch Kratos' erstes Abenteuer in dieser Hinsicht geschlagen geben.  
Die Gewaltigkeit von God of War 2 haben wir nun wohl zur Genüge abgehandelt. Kommen wir also zu Gewalttätigkeit. Wer den ersten Teil kennt, der weiß: Kratos ist eine archaische Urgewalt. Wo andere Helden ihre Gegner mit elegantem Schwertkampf oder groben Feuerwaffen gnädig und zügig ausschalten, haben Kratos Gegenspieler wenig zu lachen. Wenn der ehemalige Kriegsgott nicht gerade seine beiden Kettenschwerter schwingt, dann bricht er seinen Widersachern den Hals, zerreißt sie einfach in der Mitte, schneidet Köpfe ab, reißt Arme aus, zerschmettert Schädel und macht generell eine Menge Sachen, bei denen der zeitgenössische Pädagoge sich mit Grausen abwendet. Aber Kratos darf das - die Figur ist ein komplett moralfreier Raum. Kein Mensch, sondern ein Übermensch, eine Naturgewalt. Ein überlebensgroßer Heroe der griechischen Mythologie für die heutige Zeit. Auch Herakles und Achilles waren keine strahlende Saubermänner, sondern komplexe Figuren mit Stärken und Schwächen, an denen sie schließlich gescheitert sind. Und genau in dieser Tradition steht auch Kratos. God of War 2 verzichtet wie bereits der erste Teil auf ein klassisches Gut-Böse-Schema. Hier regieren die Graustufen. Kratos ist der Held und im Grunde auch der Sympathieträger. Trotzdem ist er ein mordlüsterner Irrer, der von seiner Vergangenheit verfolgt wird. Und die ständig intrigierenden Götter sind keinen Deut besser, spätestens das Schicksal von Prometheus (den Kratos natürlich auch trifft) macht das deutlich. Auch dafür gebührt den Entwicklern ein großes Lob - natürlich fahren sie mit all den Götter- und Heldenfiguren der Griechen Schlitten wie es ihnen gerade passt, trotzdem haben sie es geschafft, die griechische Mythologie von der Patina des Klassizismus zu befreien und zeigen sie in ihrer ganzen Grausamkeit, Derbheit, Lebenslust und auch ihrer Menschlichkeit. Das funktioniert. Kratos reißt keine witzigen One-Liner beim Metzeln, er tut es aus reinem Zorn und hat selbst keinen Spaß dabei. Und auch wenn er gleich zu Beginn des Spiels wieder einmal mit zwei barbusigen Badehaus-Schönheiten dem göttlichen Trieb per albernem Minigame freien Lauf lässt, funktioniert die Figur nicht bei krassen Ghetto-Kids. Kratos lässt sich nicht in die coole, harte Sau-Schublade einordnen. Das Spiel ist hart, fies, gemein, hat schwarzen Humor, wirkt aber niemals peinlich oder prollig. 
Nach all diesen Betrachtungen bleibt natürlich die für ein Videospiel so entscheidende Frage: Wie spielt sich das Ganze? Die Antwort ist kurz und für Kratos Gegenspieler schmerzhaft: Es spielt sich famos. Die Steuerung ist butterweich. Trotz voll belegtem Controller habt ihr euch in kürzester Zeit eingewöhnt und klettert, springt und metzelt euch freudig durch die gewaltigen Szenarien. Leider wurde der Schwierigkeitsgrad etwas entschärft - war der erste Teil angenehm herausfordernd, kommt Teil 2 fast etwas zu einfach daher. Man kann sich locker mit der Grundwaffe durchs Abenteuer schnetzeln, wenn man sie regelmäßig aufrüstet. Der Einsatz der anderen Waffen wirkt oft etwas forciert. Auch größere Gegnerscharen sind in Teil 2 weniger problematisch. Kratos' Nahkampfattacke, die einen gewöhnlichen Gegner sofort tötet, hat recht hohe Priorität, und ist die Animation erst einmal angesetzt, dann wird das Manöver auch durchgezogen. Andere auf Kratos einprügelnde Feinde werden dann meist ignoriert - so kommt es schon mal vor, dass Kratos einen Minotaurus in einer sekundenlangen Animationen erlegt und die um ihn herum stehenden Gegner ihn einfach gewähren lassen. Dramatisch ist das freilich nicht - der Spielspaß ist durchgängig in solch schwindelerregenden Höhen und die Sinne sind permanent von der unglaublichen Grafik gefesselt, dass man sich um solch kleine Schwächen kaum kümmert. Habt ihr das entsprechende Alter (Kratos' Keilereien sind definitiv kein Fall für Minderjährige), kommt ihr an God of War 2 nicht vorbei. Es ist atemberaubend, was die Entwickler aus der betagten PS2 herausholen, und der Gedanke daran, was diese Leute demnächst auf der PS3 anstellen werden, ist im wahrsten Sinne des Wortes sublim - wunderschön und gleichzeitig erschreckend. Bleibt eine letzte Frage - wie ist die PAL-Version? Leider hat Sony den Progressive Scan-Modus entfernt, 60HZ gibt es auch nicht. Aber trotzdem läuft das Spiel wunderbar flüssig über die hiesigen Fernseher, die Anpassung ist sehr gut gelungen. Neben den sehr guten englischen Sprechern gibt es auch eine deutsche Synchro. Die ist nicht umwerfend, erfüllt ihren Job aber trotzdem souverän. Kurzum: Wer den 480p-Modus ohnehin nicht nutzen kann/wird, der ist mit der deutschen Version im Prinzip so gut bedient wie mit dem US-Original. Text Copyright Thomas Nickel 2007 Artwork, Screenshots Copyright Sony Computer Entertainment |