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Baroness Emmuska Orczy The Scarlet Pimpernel (dt: Das Scharlachrote Siegel)
Der Text ist unter anderem hier online frei verfügbar. En garde!: Eine Blume zeigt's dem Terror. Im Jahre des Herrn 1792 ist Frankreichs Bevölkerung munter dabei, seine Adelshäuser zu dezimieren und deren Mitglieder der Reihe nach hinzurichten. "Das kann doch nicht angehen", denkt sich die Romanzenautorin Baroness Orczy und schickt The Scarlet Pimpernel zur Rettung. The Scarlet Pimpernel, der "Ackergauchheil", wie mich mein Wörterbuch informiert, wirkt als Heilmittel nicht nur gegen die entsetzlichen Konsequenzen einer Diktatur, die aus den Fugen gerät, sondern auch gegen andere Begleiterscheinungen der Aufklärung: Er versorgt den Leser mit einer stereotypenhaften Charakterisierung, bringt ein gerüttelt Maß an hyperbolischen Gefühlswallungen und einen Schuss Standesdünkel in die Lektüre.
Auch wenn The Scarlet Pimpernel standardmäßig zur Abenteuerliteratur gerechnet wird, so hat der Roman doch wenig mit anderen Klassikern wie beispielsweise Die drei Musketiere gemeinsam. Orczy erzählt die Geschichte des Scarlet Pimpernel und seiner Liga (auf die auch Alan Moore in seiner League of Extraordinary Gentlemen anspielt) aus der Perspektive von Marguerite, der zunächst nichts ahnenden Gemahlin des Helden. Der fiese Citoyen Chauvelin stellt die Society-Schönheit vor die melodramatische Entscheidung, entweder den Scarlet Pimpernel zu enttarnen oder ihren Bruder der Guillotine auszuliefern. Sie verrät den Treffpunkt des Scarlet Pimpernel, ohne zu ahnen, dass sie damit ihren Ehemann den Agenten der französischen Revolution ans Messer liefert. Denn Sir Percy, der mit seinem großen Geldbeutel und seinen bescheidenen Dichtkünsten von sich reden macht, ist in Wirklichkeit der Scarlet Pimpernel, der den französischen Adel in letzter Sekunde dem kalten Griff von Madame la Guillotine entreißt und ins beschauliche Merry Old England bringt. Ohne Furcht und Tadel zeigt der schneidige Held dem tumben Pöbel, was echter Adel ist. Tatsächlich ist der Roman manchmal näher an der Blackadder-Folge "Nob and Nobility", die den Scarlet Pimpernel auf die Schippe nimmt, als einem lieb sein kann.
Doch Orczy erzählt die Wundertaten ihres Titelhelden nur selten direkt, sondern präsentiert den Lesern die Handlung meist aus Marguerites Perspektive und so nimmt sie den Stil einer Gesellschaftsromanze, nach heutigen Standards eines Groschenromans an: stets wird die fabelhafte Kleidung, das vorteilhafte Äußere eines Charakters oder seine durch und durch unsympatische Visage betont, die Moral ist klar verteilt, die Gefühle sind tief und wiederholen sich alle paar Seiten. Die Erzählung triebt auf Hormonwolken dahin und hat wenig mit der üblichen adrenalingeladenen Atmosphäre in Abenteuerromanen zu tun.
Gleichzeitig ist The Scarlet Pimpernel eine Figur, die eine unglaubliche Popularität genoß. Als Orczy ihr Theaterstück 1905 zu einem Roman umschrieb, schuf sie damit einen Bestseller ihrer Zeit, dem sagenhafte 15 Fortsetzungen folgen sollten. Nicht umsonst gilt The Scarlet Pimpernel als Inspiration für Werke wie Zorro, der wenig später entstanden ist. Gleichzeitig lebt der Mythos des Scarlet Pimpernel auch in der zeitgenössischen Romanzenliteratur fort: Lauren Willigs The Secret of the Pink Carnation erzählt von einer Englischdoktorandin, die sich auf die Suche nach der Wahrheit hinter den Tarnnamen der Liga des Scarlet Pimpernel macht und von einer unverhofften Entdeckung in die Zeit ihres Helden versetzt wird. Das klingt nach einer Idee, die einen tollen Unterhaltungsroman verspricht, doch nach der Lektüre einer Leseprobe steht zu befürchten, dass man an der Verschmelzung von Vergangenheit und Gegenwart, von Literatur und Realität, in A.S. Byatts Possession mehr hat.
The Scarlet Pimpernel, ein Abenteuerroman im Stil einer Romanze geschrieben, hat durchaus seinen Reiz. Doch muss man zunächst als gewohnheitsmäßiger Leser von Abenteuerromanen einen gehörigen Bruch seiner Erwartungshaltungen verdauen, bevor man der kleinen Blume seine Anerkennung schenken kann. Text Copyright Karin Dannecker 2007 Cover Copyright Dodo Press |