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Gorilla des Monats

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Moon Child
moonchildJapan (2003)

Regie: Takahisa Zeze, Kamera: Takahide Shibanushi, Skript: Gackt Camui, Takahisa Zeze, Kishu Izuchi, mit: Hideto Takarai, Gackt Camui, Lee-Hom Wang, Taro Yamamoto, Susumu Terajima

Der geneigte Leser entschuldige die nun folgende haarsträubende Vereinfachung: Es gibt ehrliche Filme und es gibt kommerzielle Vehikel.  Selbst gut gemachte Vehikel wären beleidigt, würde man sie mit dem vollkommen verquarzten Werbefilmchen für die beiden japanischen Rock-Ikonen Hyde und Gackt vergleichen. Moon Child (2003), so der kitschige Titel des Werkes, ist ein heilloses Durcheinander an hanebüchenen Ideen und miserablem Handwerk. Wie würde es der große tote Darsteller Marlon Brando ausdrücken: „The horror, the horror!!!“

Dabei sind - wie so häufig - die Zutaten vielversprechend: Ein dynamischer und bekannter Regisseur, zwei talentierte und verdammt gut aussehende Hauptdarsteller, die zumindest als Musiker schon ihre Qualitäten bewiesen haben, schnieke Optik mit MTV-Flair und ein paar kräftige Wummen in den Händen der Akteure, die bei Abfeuern wie Launcher von Boden-Luft-Raketen klingen. Da ist was für jeden dabei: schnuckelige, androgyne Wonneproppen für die Mädels, donnernde Kanonen und blutspritzende Einschüsse für die Jungs, und etwas Talent vermengt mit vielen guilty pleasures für das Intellektuelle. Problem ist nur: hier greift die Mischung nie ineinander. Die Herren vor der Kamera haben ihr Talent in der Kantine ihres Musikstudios abgegeben, die Einschüsse sollen uns in immer gleichen, viel zu undynamischen, aber mächtig geschmackvoll verchoreographierten Kämpfen begeistern, und der Regisseur hat seine Fantasie und seinen Einfallsreichtum schon lange vor Gestaltung des ersten Drehbuch-Drafts verloren.

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Das Grauen beginnt schon bei der Geschichte, die Gackt als werdenden Gangster-Boss Sho mit dem Vampir  Kei zusammenbringt. Richtig gelesen, ein Vampir. An sich nicht unpassend, denn die androgyne Welt der Musiker ist ja sehr nahe mit der von Anne Rice verwandt. Aber selbst die Rice würde die Hyde-Interpretation von Lestate nur noch als weibische Sissi abtun, mag  er noch so „gefährlich“ sein.

Thematisch ist der Film dabei nahe dran an den homoerotischen Horror-Romanzen der Exil-Neuseeländerin. Der gute Kei ist innerlich zerbrochen, einsam und verstoßen. Da kommt der kleine Straßenjunge Sho ganz recht, der so gar keine Angst vor dem bösen Vampir hat. Er zieht den Jungen auf, sorgt dafür, dass der Kleine ein Dach über dem Kopf hat und im Alter ein guter, aber menschlich normal alternder Begleiter wird.

Hier hat der leider nie wirklich fokussiert wirkende Film seine stärksten Momente: In dem riceschen Bruch zwischen Verlust und Ewigkeit, Zeit und Zeitlosigkeit. Denn natürlich wirkt das ewige Leben verführerisch auf den alternden Sho. Auf der anderen Seite baut sich dieser bei all den homoerotischen Implikationen eine kleine Familie auf, was Kei neidisch macht. Oh weh! Der Preis der Unsterblichkeit!

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Leider verliert Regisseur und Autor Takahisa Tsetse solche interessanteren Elemente immer wieder aus dem Blickfeld. Filmische Gimmicks und ausgelatschte, ach so coole Genre-Elemente stehen einem wirklichen Film genauso im Weg, wie die Unfähigkeit der beiden Darsteller, das in ihren Figuren Angelegte auch schauspielerisch zu transportieren. Besonders schlimm wirken aber Musik und Ausstattung auf den Film. Während der Soundtrack eher an Musikvideos erinnert, werden die Hauptdarsteller häufig mit Versage-Models verwechselt, so dass sie sich in zumeist recht lächerlichen Kostümchen in der Ecke flätsen und voll melancholischer Wonne in die Ferne seufzen. Klar, das will das Zielpublikum so, und der Autor freut sich jetzt schon auf die rächenden Antworten, aber eine Motivation wäre schon nett gewesen, warum das Geflätse und Geseufze denn nun überhaupt stattfindet. Der Film spielt übrigens in der Zukunft. Warum, konnte auch noch niemand erklären.

Text Copyright Knut Brockmann , 2003 (Zweitverwertung 2007)
Cover, Screenshots Copyright Culture Publishers (CP), Mainichi Shinbunsha, Shochiku Kinema Kenkyû-jo, Tokyo Broadcasting System (TBS), WoWow Inc.

 
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