Korea (2000) Regie: Young-jun Kim, Kamera: Hee-Seong Byeon, Skript: Young-jun Kim, mit: Hyeon-jun Shin, Hee-seon Kim, Jin-yeong Jeong, Dong-jik Jang Erschienen bei: Concorde Preis: 13,45€ Da es bei Moon Child in der letzten Woche mit dem gut gemachten Actionfilm für die weibliche Zuschauerschaft nicht gereicht hat, wollen wir jetzt mal auf einen modernen Klassiker verweisen: Bichunmoo, so der zungenbrecherische Titel, ist ein wunderbares Werk des Wuxia, des romantischen Schwertkampffilmes aus Hongkong oder China. Erstaunlich ist dabei aber, dass der Film nicht etwa aus der riesigen Filmindustrie des ehemaligen britischen Stadtstaates stammt, sondern federführend bei der Etablierung des südkoreanischen Mainstream-Kinos war. Der im Jahr 2000 von Regisseur Young-jun Kim gedrehte Film arbeitet mit wunderbaren Sets und bombastischen Bildern, die auch gerne mit Effekten angereichert wurden. Seine Vermengung von romantisierenden Sets vor natürlicher Kulisse erinnert an die Filme des Großmeisters des Wuxia, King Hu, der nach Jahren bei den Shaw Bros., deren Markenzeichen wunderbare und extrem stilisierte Studiosets waren, auszog, um vor Naturkulisse ebenso träumerische Actionfilme zu drehen. Das berühmteste Ergebnis hieß Ein Hauch von Zen (1969), der nach der bescheidenen Meinung des Autors atemberaubendste Martial Arts-Film seiner Zeit. Erstaunlicherweise bringt uns das auch zum Kern der Entstehung von Bichunmoo, des wohl ersten großen Martial Arts-Films Koreas, zumindest was die Anerkennung im eigenen Lande angeht. Dank Ang Lees Tiger and Dragon (2000) war der Weg für einen der ersten Big Budget-Shots im geteilten Land frei. Beide Filme zeigen deutliche Anleihen bei King Hu und besonders Ein Hauch von Zen. Zu seiner Zeit war Bichunmoo der teuerste Film, der in Korea jemals erschaffen wurde. Mit diesem Attribut schmücken sich seitdem aber jedes Jahr neue Filme, denen leider häufig die Qualität eines Bichunmoo etwas fehlt. 
Man ließ also nichts anbrennen. Große Vorbilder, noch größeres Budget und ein importierter Action-Choreograph, der es wirklich drauf hat (der HK-Veteran Yuk-sing Ma, der unter anderem an Swordsman 2 und den Chinese Ghost Story-Filmen mitwirkte): Die richtige Mischung für einen erfolgreichen Film. Bichunmoo beruht zudem noch auf einer sehr bekannten, sechsteiligen Manhwa-Reihe aus den 80er Jahren, an die er sich aber nur in grundsätzlichen Dingen hält. Der Film ist weniger melodramatisch, funktioniert aber umso mehr über die atemberaubenden Bilder. Und dennoch: An der Figurenkonstellation bemerkt man die Herkunft aus dem Lande der Comics deutlich: Jinah (Hyeon-jun Shin) ist ein einfacher Junge, der von seinem Meister in der überlegenen Schwerttechnik des Bichun trainiert wird. Eines Tages rettet der Jüngling die Tochter einer unbedeutenden Konkubine des Herrschers: Sullie (Hee-seon Kim). Die Beiden freunden sich an und mit den Jahren knosptet die verbotene Liebe. Klar kommt es zu Komplikationen. Die Mongolen herrschen zu dieser Zeit, dem 14. Jahrhundert, wodurch es keine Ruhe im Lande gibt. Erst wird Jinahs Meister umgebracht, dann gilt er selbst als vermisst. Sullie, die alle Verehrer abgewehrt hat, stimmt erst einer politischen Heirat zu, als sie selbst Jinah für tot hält. Oh Wunder, er lebt noch, und er stellt auch noch fest, dass sein Vater der ermordete koreanische Herrscher dieser Gegend war. Mit einer Gruppe Widerstandskämpfer kehrt ihr Geliebter mit Wut im Bauch zurück, kommt aber zu spät. Sie ist vergeben und sein Meister kann kaum noch gerächt werden. Zu allem Überfluss ist ihr neuer Ehemann Namgung Jungwang (Jin-young Chung) auch noch Jinahs Lebensretter, dessen Freunde aber auch die Mörder an seinem Vater. Dieses Geflecht aus Hass, Ehre, Liebe und Gewalt muss in einer Tragödie enden. 
Das Ganze wird in verschachtelten Rückblenden erzählt, so dass die Handlung sich erst langsam erschließt. Zusammen mit einer typisch hektischen Erzählweise, die das Hongkong-Kino auszeichnet, ergibt das eine nicht immer einfach zu verfolgende Storyline. Dabei werden spannende Themen angesprochen, die weit mehr an der koreanischen Filmgeschichte angelehnt sind, als es die vorherigen Zeilen vermuten lassen. Es geht um Trennung und Brüder-Zwist, um Selbstbestimmtheit und Fremdherrschaft, alles Themen, die die südkoreanische Seele zutiefst berühren, sei es dank der schrecklichen Jahre unter japanischer Herrschaft oder die Teilung des Landes dieser Tage. Dies ist auch der größte Unterschied zu dem erst letztens besprochenen Moon Child. Neben der handwerklich weit besseren Umsetzung weiß Bichunmoo, was er will. Der Film hat neben einigen Problemen mit dem Verständnis so etwas wie eine tiefere Botschaft. Hier geht es um Figuren, die mit dem Alltag und dem politischen Umfeld Koreas in Kontakt stehen, die von Hoffnungen, Ängsten und Trauer derjenigen berichten, die diesen Film anschauen. So schaut ein guter Film aus, zudem er gleichzeitig stark bewegt und einfach atemberaubend Spaß macht.
Bichunmoo ist in einer eher schwachen deutschen DVD-Version erhältlich. Wir empfehlen das britische Release von Premier Asia. Text Copyright Knut Brockmann , 2003 (Zweitverwertung 2007) Screenshots Copyright Taewon Entertainment |