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bernie 
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Whatever Happened to the Likely Lads?

Seien wir ehrlich: Das Genre der Sitcom dient herzlich selten als Beispiel großer filmische Erzählkunst. Trotzdem hat die Gattung in den vergangenen Jahren eine beeidruckende Evolution durchgemacht, und sich vom simplen Klamauk mit strategisch platzierten Publikumslachern wegentwickelt. Wegweisende Produktionen wie die Bürodramedy "The Office", die surreale Twentysomething-Komödie "Spaced", der Improvisationsmeilenstein "Curb Your Enthusiasm" oder die avantgardistische Farce Peep Show spielen mutig mit Genrekonventionen, definieren die narrativen und visuellen Möglichkeiten des Genres aufs Neue, und haben zu allem Überfluss auch noch eine Menge zu sagen. Es ist tatsächlich möglich, dass eine Situationskomödie interessante Geschichten erzählt, eine faszinierende Weltsicht repräsentiert, und nebenbei auch noch humorvolle oder beklemmende Observationsgabe beweist. Wenn man bedenkt, dass noch vor wenigen Jahren die väterlichen Holzhammerratschläge eines spießbürgerlichen Bill Cosby, und die flapsigen Binsenweisheiten eines katzenfressenden Außerirdischen den Zenit der TV-Comedy darstellten, sind wir verdammt weit gekommen.

So könnte man denken. Tatsächlich aber gab es bereits in den Sechzigern und Siebzigern eine Serie die weitaus größere Ambitionen als den gelegentlichen Schenkelklopfer hatte. Grund genug diesem, in Deutschland komplett unbekannten, TV-Klassiker etwas näher auf den Zahn zu fühlen.

Likely LadsThe Likely Lads (Fernsehserie)

UK, 1964-1966

Umfang:
3 Staffeln mit  insgesamt 20 Episoden (nur 8 Episoden exisitieren bis zum heutigen Tag)  Buch: Dick Clement, Ian La Freneais,  Produzent: Dick Clement,  Musik: Ronnie Hazlehurst,   Darsteller: Rodney Bewes, James Bolam, Sheila Fearn

Stellen wir uns einmal folgende Prämisse vor: In den Sechziger Jahren leben zwei junge Elektriker aus dem britischen Nordwesten ihren ganz normalen Alltag. Frauenprobleme, berufliches Chaos, Familienstreitigkeiten und ähnliche Alltagserlebnisse stehen auf dem Terminplan. Morgens geht man zur Arbeit, Abends in den Pub und wann immer möglich widmet man sich den zwei omnipräsenten Fs: Fußball und Frauen. Man ist jung, hat seinen Spaß und denkt nicht über die Zukunft nach.

Für den milchgesichtigen Kleinbürger Bob Ferris (Rodney Bewes) und seinen großmäuligen besten Freund Terry Collier (James Bolam) verläuft das Leben auf eben diesem vorhersehbarem Pfad. Bobs Ambitionen beschränken sich darauf, irgendwann sein Leben in der Arbeitklasse gegen eine solide Position im Mittelstand einzutauschen, und Terry denkt eigentlich nie über das Feierabendbier und den nächsten One Night Stand hinaus. Aber das Gesetz der Sitcom besagt natürlich, dass die ungleichen Freunde trotzdem, oder gerade deswegen, pausenlos in farcenhafte Situationen verwickelt werden.

BobTerry

Die Grundidee ist also nicht wirklich spektakulär. Was die Erstlingsserie des erfolgreichen Autorenteams Dick Clement und Ian La Frenais (Auf Wiedersehen, Pet) auszeichnet, ist der ungewohnte Realitätsgrad. Bob Ferris und Terry Collier sind keine typischen Sitcomcharaktere, sondern dreidimensionale Figuren, die selbst in den ungewöhnlichsten Situationen wie echte Menschen reagieren. Clement und La Frenais geben ihren Charakteren Raum zur Entwicklung, und schrauben auch durchaus mal den Humor zugunsten eines introspektiven Moments zurück. Auf Rührseligkeit und Klamauk wird jedoch komplett verzichtet. Die Likely Lads leben ihren Alltag, manövrieren sich dabei immer wieder in die unmöglichsten Situationen, und beweisen dass das Leben auch vor über Vierzig Jahren nicht viel anders war, als heutzutage. Egal ob nun als sympathisches Zeitzeugnis der Swinging Sixties oder durchdachte Charakterkomödie - die Lads können auch im Jahr 2007 noch überzeugen. Hat die Serie Staub angesetzt? Ohne Frage! Die monochrome Optik, der verrauschte Ton, die zweckdienliche Kameraarbeit und die langen, dialoglastigen Szenen machen schnell klar, dass diese Serie ein Produkt ihrer Zeit ist, aber wer ein wenig Geduld mitbringt wird trotzdem reichhaltig belohnt. Um so bedauerlicher, dass inzwischen nur noch 8 von ursprünglich 20 Episoden existieren. Der Rest ist Anfang der Siebziger, zusammen mit unzähligen anderen verlorenen TV-Klassikern, einem legendären Kahlschlag in den BBC-Archiven zum Opfer gefallen. Aber so unterhaltsam die Jugenderlebnisse von Bob und Terry auch waren, zählen sie trotzdem noch nicht zu den großen Klassikern des Sitcom-Kanons. Diesen Status sollten sich die Jungs erst mit ihrem Comeback Mitte der Siebziger erarbeiten.

Whatever Happened to the Likely LadsWhatever Happened to the Likely Lads (Fernsehserie)

UK, 1973-1974  Umfang:
2 Staffeln mit insgesamt 27 Episoden,  Buch: Dick Clement, Ian La Freneais,  Produzent: Dick Clement,  Musik: Mike d'Abo, Mike Hugg, Ian La Frenais,   Darsteller: Rodney Bewes, James Bolam, Sheila Fearn, Brigit Forsyth

So schnell vergeht die Zeit: Wir schreiben das Jahr 1973 und für die Likely Lads hat sich eine Menge verändert. Bob hat sich endlich all seine bescheidenen Träume erfüllt: Ein gemächlicher Bürojob, eine attraktive Verlobte und ein gemütliches Eigenheim im Vorort. Kann das Leben schöner sein? Diese Frage stellt sich Terry mit Sicherheit nicht, hat er doch gerade die letzten fünf Jahre seines Lebens in der Armee verschwendet. Und was erwartet einen bei der Heimkehr? Nicht viel. Während der alte Freundeskreis inzwischen Familien gründet und Hypotheken aufnimmt, hat der perspektivlose Elektriker abgesehen vom fortschreitenden Verlust seine Haupthaares und einer ruinierten Ehe seit Ende der Sechziger nichts erreicht.

Um so schlimmer also, wenn selbst der beste Freund die Ideale der Jugend mit Füßen tritt, und sich als Spießbürger erster Kajüte erweist. Häuser bauen und Bäume pflanzen steht nun wirklich nicht auf dem Terminplan eines Terry Collier. Eigentlich will er nur dort weitermachen wo er einst aufgehört hat. Rumhuren, Fußball schauen und zwischendurch mal einen über den Durst trinken - mehr braucht man nicht. Und ein spießiger Bürojob kommt sowieso nicht in Frage. Unqualifiziert, unmotiviert und unambitioniert wie er ist, tauscht Terry die finanziellen Vorteile des Bürgertums mit Freude gegen das Arbeitslosengeld aus. Braucht man denn wirklich ein Ziel, nur weil der dreißigste Geburtstag unaufhaltsam näherrückt?

Bob & TerryPlayboy

Was passiert, wenn zwei beste Freunde, die sich seit Jahren nicht mehr gesehen haben plötzlich wieder aufeinandertreffen. Wie sehr haben sie sich auseinander entwickelt? Wie gehen sie mit den Veränderungen um? Und teilen sie vielleicht doch noch mehr Gemeinsamkeiten, als sich auf den ersten Blick vermuten lässt? Das ist nur eine von vielen Fragen, die in Whatever Happened to the Likely Lads thematisiert werden. Vom Klassenkonflikt zwischen Arbeitern und Bürgertum, über saftige Identitätskrisen bis hin zum melancholischen Verlust der Jugend bringt die zweite Serie rund um Bob und Terry jede Menge interessanter Beobachtungen auf den Punkt, die andere Sitcoms nicht einmal mit der Kneifzange anfassen würden. Kein Wunder, denn wenn publikumsgebundene Situationskomödien versuchen den Ernst des Lebens ins Spiel zu bringen, endet dies meistens in einer Katastrophe.

Ein Glück also, dass Clement und La Frenais in der Nachfolgeserie zu ihrem Sixties-Erfolg nie den offensichtlichen Weg einschlagen. Die nostalgische Grundstimmung der Serie wird ebenso subtil mit der Comedy verwoben wie die politischen Aussagen. Nein, bei den Likely Lads wird nie das melodramatische Piano hochgefahren. Ernste und humoristische Momente ergänzen sich dermaßen perfekt, dass der Zuschauer den Übergang nicht einmal bewusst wahrnimmt. Und eine eindeutige Message gibt es sowieso nicht, die Sichtweisen beider Hauptcharaktere sind gleichsam relevant und ermöglichen die Darstellung eines komplexen, vielschichtigen Weltbildes ohne Schwarzweißmalerei.

TerryChristmas Special

Dass in Whatever Happened to the Likely Lads Themen angepackt wurden, an die sich bis zum heutigen Tag kaum eine andere TV-Comedy getraut hat, ist schon beeindruckend genug. Dass die Serie auch noch, Jahrzehnte bevor es zum Trend wurde einen sauber geplanten, durchgehenden Handlungsfaden hatte ist eine echte Pionierleistung. Jeder Moment ist Teil eines größeren Gesamtbildes, jede Episode trägt zum Wachstum der Charaktere bei, und immer wenn man ein Sitcomklischee erwartet, wird man von den Zuschauern mit ungewöhnlich realistischen Plot-Twists bombadiert. Whatever Happened to the Likely Lads ist eine erfreulich reife und aussagekräftige Serie die immer noch ihresgleichen sucht.

Und obwohl die Drehbücher pausenlos die Lebenserfahrung und Beobachtungsgabe der Autoren unter Beweis stellen, strotzen sie auch nicht vor guter altmodischer Comedy. Im Gegenteil sogar, die farcenhaften Plots und observativen Dialoge suchen ebenfalls ihresgleichen, und können sich problemlos mit zeitgenössischen Klassikern wie Fawlty Towers messen. Aber letzten Endes ist es vor allem die Mischung der verschiedenen Elemente, die Whatever Happened to the Likely Lads zu einem solchen Meisterwerk macht. Diese Serie war ihrer Zeit wirklich um Jahrzehnte voraus.

 

Likely Lads MovieThe Likely Lads  (Kinofilm)

UK, 1976
Buch: Dick Clement, Ian La Freneais,  Produzent: Dick Clement,  Musik: Mike Hugg, Regie: Michael Tuchner  Darsteller: Rodney Bewes, James Bolam, Sheila Fearn, Brigit Forsyth

Mit dem Ende der zweiten Fernsehserie war der Vorhang für Bob und Terry aber noch lange nicht gefallen. 1976 kehrten die Jungs ein letztes Mal ins Rampenlicht zurück. Dieses Mal war ihnen der TV-Bildschirm aber zu klein. Und was macht eine Erfolgsserie, wenn sie im Fernsehen alles gesagt hat? Richtig, sie wagt den Schritt ins Kino.

Aber haben die Likely Lads auf der Leinwand noch etwas neues zu sagen? Zum Glück schon, denn dieses Mal wagen sich Clement und La Frenais an das, für TV-Comedy doch eher ungewöhnliche, Thema der Midlife Crisis. Dabei sieht es für Terry eigentlich gar nicht so schlecht aus, denn nach Jahren der sinnfreien Zeitverschwendung beginnt der sarkastische Faulenzer endlich über den Sinn des Lebens nachzudenken und signalisiert sogar, man glaubt es kaum, Bereitschaft zu arbeiten. Das lässt den sonst so engagierten Bob allerdings eher kalt. Der Job ist eintönig, die Frau langweilig und auch ansonsten gibt es eigentlich nicht viel zu lachen. Ist das wirklich alles, was man vom Leben zu erwarten hat? Schwer zu sagen, aber vielleicht hilft ein chaotischer Roadtrip mit dem besten Freund ja in Sachen Selbstfindung weiter.

BobTerry

Obwohl die Kinovariante der Likely Lads nicht mit dem Humorkoeffizienten des TV-Vorgängers aufwarten kann, stellt sie einen gebührenden Schwanengesang für Bob und Terry dar. Neben dem routiniert guten Drehbuch von Clement und La Frenais zeichnen sich für den Erfolg des Filmes vor allem Rodney Bewes und James Bolam verantwortlich, die ihre Figuren nach mittlerweile 12 Jahren inzwischen im Schlaf spielen könnten. Im Kino sind die Ideen von Clement und La Frenais natürlich nicht annähernd so ungewöhnlich wie im Fernsehen, aber dank durchdachter Charakterentwicklung und cleverer Parallelen zur Orignalserie aus den Sechzigern machen Bob und Terry auch auf der Leinwand eine ausgezeichnete Figur.

Text Copyright Peter Clausen 2007
Bilder Copyright BBC 1964-1976 

 
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