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Gorilla des Monats

bernie 
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Bobobo-bo Bo-bobo

boboboAutor & Zeichner: Yoshio Sawai, Übersetzung: Cora Hartwig, Hirofumi Yamada
Erschienen bei
: Tokyopop
Preis: 6,50 € Bobobo-bo Bo-bobo bei Amazon.de

Manchmal ist der Besuch in einem Laden mit umfangreichem Manga-Sortiment eine interessante Angelegenheit. Auf dem Neuheitenstapel türmen sich androgyne Burschen, Bikini-Mädchen, und seit kurzem auch überraschend viele Schwertkampf-Mangas aus Korea. Noch interessanter sind aber meistens die Regale ganz hinten, wo die weniger begehrten Titel auf Käufer warten. Und so hab ich Bobobo-Bo Bo-Bobo entdeckt. Auch wenn der Titel das erste ist, das dem Leser ins Auge sticht, ist es im Endeffekt doch der feiste Bursche mit der Sonnenbrille und dem goldenen Riesen-Afro, der die Kaufentscheidung besiegelt. Manchmal muss man sich eben auch was trauen. 

Ob sich der Mut bei Bobobo-Bo Bo-Bobo gelohnt hat? Schwer zu sagen. Es ist auf jeden Fall ein Comedy-Manga. Aber nicht im Sinne von Rumiko Takahashis Ranma 1/2 oder Eiji Nonakas Cromartie High School. Wo die beiden genannten noch mehr oder weniger auf Gags mit Pointen und klassische Comedy-Elemente setzen, herrscht bei Bobobo-Bo der nackte Wahnsinn. Der Wahnsinn? Allerdings. Wie sagt doch das Backcover so schön?

"Wir schreiben das Jahr 300X. Der grausame Herrscher des „Glatzkopfimperiums“ befiehlt die Jagd auf den gesamten Haarbestand in seinem Reich. Nur ein Mann erhebt sich gegen diese Tyrannei und kämpft für das Recht an der eigenen Haarpracht: Bo-bobo, besser bekannt als „Fist of the Nose Hair“, dessen griffige Nasenhaare zu tödlichen Ketten werden können. Diese unglaubliche Nasenhaarpeitsche hat schon einigen Schurken die Perücke verwuschelt und die Gesinnung gekräuselt. "

Verstehen wir uns? 

bobobobobobobobobo

Und wir raten gleich zur Vorsicht. Wenn euch dieser Blurb bereits zu abgedreht ist, dann ist Bobobo-Bo definitiv nichts für euch. Das ist auch der Fall, wenn ihr Wert auf eine sinnige Handlung, nachvollziehbare Charaktere und erkennbare Motivationen legt. All diese Elemente stecken komplett hinter dem Wahnsinn zurück. Dialogkatastrophen, alberne Kämpfe, Slapstick, durchgeknallte Protagonisten und groteske Non-Sequiturs geben sich die Klinke in die Hand. Oft ist es schwer, dem tatsächlichen Verlauf der "Handlung" überhaupt noch zu folgen. Aber das macht auch nichts - der Zeichner selbst legt da auch keinen Wert drauf. Und wenn die bizarre Truppe um Held Bobobo per Bahn nach Halleluja-Land fahren muss, dann benutzt sie ganz einfach den Bahnhof, der natürlich vor wenigen Sekunden noch nicht da war, wie eine der Figuren auch prompt bemerkt.

Dieser Humor ist jetzt natürlich nicht jedermanns Sache und setzt zudem auch einige Manga-Kenntnisse voraus - wenn der Yu-Gi-Oh-Held aus Bobobos Afro platzt oder im Kampf eine Papp-Version der Dragonball-Truppe zum Einsatz kommt, finden das vor allem Mangaleser witzig, andere kratzen sich verwundert am Kopf und legen den Manga ob der irrsinnigen Geschwindigkeit und der scheinbaren Willkürlichkeit aller Ereignisse verwundert bei Seite. Denn die Frage ist, ob dieser Humor in gezeichneter Form tatsächlich funktioniert. Alte Roadrunner & Coyote-Filmchen sind witzig, weil sie bewegt sind, weil es kracht, scheppert und qualmt. Als Comic würde dabei viel Wirkung verloren gehen, und bei Bobobo-Bo ist dies, zumindest meiner bescheidenen Meinung nach, auch der Fall. 

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Dazu kommt, dass ich das Gefühl nicht los werde, dass man mehr über die Serie (in Japan gibts offenbar einige Mangas mehr und natürlich die obligatorische TV-Serie) wissen sollte, um wirklich mitzukommen. Die gewaltige Truppe um Bobobo-Bo ist einfach da, und keine der Figuren wird näher vorgestellt - das ist, als ob man beschließt Dragonball zu lesen und mal flott mit Band 28 einsteigt. Yoshio Sawais Zeichenstil ist eher simpel und wirkt beizeiten gar etwas amateurhaft. Auf Hintergründe legt er ebenfalls keinen gesteigerten Wert. Aber das ist auch okay, als Gag-Manga mit Action-Einlagen funktioniert Bobobo-Bo auch mit vergleichsweise simplen Zeichnungen.

Ohne eine gewisse Affinität zum Manga oder zumindest ein paar Vorkenntnisse solltet ihr euch den Erwerb von Bobobo-Bo Bobo-Bo zweimal überlegen. Wer dagegen mit irrsinniger Geschwindigkeit, gnadenloser Sinnentleertheit und Insider-Gags en Masse klarkommt, der liest mal rein. 

Text Copyright Thomas Nickel 2007
Cover design, Scans Copyright Tokyopop Inc.

 
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