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Scaramouche

scaramouche Rafael Sabatini: Scaramouche - A Romance of the French Revolution
erschienen bei:  Paperbackshop.Co.UK Ltd
ISBN: 1406804746
Preis: 13,98 € Scaramouche - A Romance of the French Revolution

En garde! Der Mann mit der Maske lacht zuletzt.

Als in Frankreich die Revolution dräut, als der Adel aufrüstet und sich die Mobs zusammenrotten, tritt ein Mann aus diesem Gewirr hervor, der am liebsten mit alledem nichts zu tun hätte: André-Louis Moreau, frisch gebackener Anwalt und überzeugter Zyniker.

"He was born with a gift of laughter and a sense that the world was mad." eröffnet Sabatini seinen Scaramouche. Und, in der Tat, Scaramouche scheint ein nihilistischer Swashbuckler, ein Nietzscheaner reinsten Wassers zu sein. Der Adel hat mit seiner gnadenlosen Ausbeutung der Massen seinen Herrschaftsanspruch verwirkt, doch gleichzeitig macht sich André, später Scaramouche, keinen Moment lang die Illusion, dass die Revolution eine Besserung der Umstände herbeiführte. Im Gegenteil, so legt er seinem Freund, dem revolutionären Priester Philippe de Vilmorin, dar: Bestenfalls nimmt nun das Bürgertum das Heft in die Hand und beutet die Massen aus wie der Adel zuvor - schlimmstenfalls kommt es zu einem anhaltenden Blutbad.

Doch das Schicksal durchkreuzt Andrés sorgsam zurechtgelegte Maximen. Als Philippe Entschädigung für die Hinterbliebenen eines getöteten Wilderers verlangt, wird er vom Marquis de la Tour d'Azyr zum Duell gefordert. Der Priester hat gegen den waffengewandten Adligen keine Chance und fällt unter dessen gnadenlosem Degen. André verlangt nun Genugtuung für den Tod seines Freundes. Aber niemand, auch nicht der Regierungsvertreter in der bretonischen Hauptstadt Nantes, will den Marquis zur Rechenschaft ziehen. Die Sache wird jetzt persönlich: André schwört in einem Moment der Leidenschaft, dass Philippes revolutionäre Stimme weiterlebt. Und so wird André in den Strudel der Geschichte gerissen: Er schwingt sich zu Volkes Stimme auf und stachelt die Bürger von Nantes an, die Einberufung der Generalstände zu verlangen Er spricht als erster jene berühmten Worte - "Qu'est-ce que le tiers état?" "Tout!" - auf der Bühne des Theaters von Nantes. Vielleicht saß Abbé Sieyès ja in den Zuschauerrängen. Der Marquis hingegen entwickelt sich zu seinem steten Gegenspieler: Wie Rochefort in den Drei Musketieren, so wird auch la Tour d'Azyr zu dem Mann, der dem Helden immer wieder in die Quere kommt, den er aber nie besiegen kann, da sie sich beide zu ähnlich sind.

Mit seiner Parteinahme gegen la Tour d'Azyr ist Andrés Karriere als Anwalt natuerlich vorbei. Dank seiner überlegenen Rhetorik hat er die Bürger der Bretagne so erfolgreich für revolutionäre Forderungen im Sinne Philippes entfacht, dass auf André nun der Galgen wartet.

Auf seiner Flucht schließt er sich einem Trupp fahrender Schauspieler an und mimt nun den Scaramouche, den Galgenstrick-Charakter der Commedia dell'arte, den Mann mit der Maske. André verschwindet also von der Bildfläche und Scaramouche tritt auf die Bühne. Und wenn André, der Mann mit dem überlegenen Willen, etwas macht, dann macht er es richtig: Er schwingt sich zum Autor und Manager der heruntergekommenen Truppe auf und führt sie von Erfolg zu Erfolg, sein Ziel - die Commedie francaise - fest im Blick.

Genauso entwickelt André sich nach weiteren Verwicklungen vom einfachen Gehilfen innerhalb kürzester Zeit zum Fechtmeister, der es mit den Adeligen der Ständeversammlung, die ihren Degen nur all zu flugs ziehen, problemlos aufnehmen kann. Nichts ist unmöglich für den Übermenschen Scaramouche.

Doch immer wieder spielen seine Gefühle dem Perfektionisten einen Streich: Er kann la Tour d'Azyr gegenüber nicht rational handeln, da der Marquis seinen besten Freund getötet hat und sich nun anschickt, seine geliebte Kusine Aline zu heiraten. So tritt der Swashbuckler in Scaramouche Nietzsche immer wieder zur Seite, um sich mit romantisch kühnen Taten ins Weltgeschehen einzumischen und dieses Spannungsverhältnis macht Scaramouche zu einem der interessantesten Abenteuerromane überhaupt.

Für Rafael Sabatini, einen Autor englisch-italienischer Herkunft, der seine Romane auf Englisch schrieb, war Scaramouche 1921 der Durchbruch. Der elegant geschriebene Abenteuerroman, ein Meisterwerk des Timings von Höhepunkten und cliffhangern, bildete den Anfang seiner Popularität, die Sabatini durch weitere Klassiker des Swashbuckler-Genres wie Captain Blood und The Seahawk (beide verfilmt mit dem großen Errol Flynn) ausbaute. Alle drei, die beiden Piraten und Scaramouche, sind zur unterhaltenden Lektuere nur wärmstens zu empfehlen; ebenso wie der Film Scaramouche - Der Mann mit der Maske von George Sidney (der auch beim Gene Kelly-D'Artagnan Regie führte). Und da Sabatini wie Dumas ein äusserst produktiver Autor war, geht einem, wenn man erstmal damit anfängt Sabatini zu lesen, bei 31 Romanen das Lesefutter nicht zu schnell aus.

 Text Copyright Karin Dannecker 2007
Cover Copyrigt Paperbackshop.Co.UK Ltd

 

 
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