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Gorilla des Monats

bernie 
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Virtual Console Vol. 17

Was für eine ungewöhnliche Woche - Capcoms Arcade-Kracher Final Fight erweist sich als kastrierte und zensierte Konvertierung, Tecmos Mighty Bomb Jack ist spielerisch alles andere als eine Bombe und der hierzulande eher unbekannte Battle Lode Runner entpuppt sich als Party-Geheimtipp. Na was sagt man dazu...

 
Final Fight

finalfightJapan (1990)
System: SNES

Entwickler: Capcom
Preis:
800 Wii-Punkte (entspricht 8,-€)

Das Final Fight ein Kultspiel ist und diese Bezeichnung auch zurecht trägt, das will hier niemand bezweifeln. Capcoms grafisch grandiose Straßenprügelei war bei seinem Erscheinen in Japans Spielhallen 1989 die konsequente Weiterentwicklung von Double Dragon und Konsorten: Große, detaillierte Sprites, jede Menge Gegner und lange, herausfordernde Stages ließen den Automaten schnell zum veritablen Münzgrab avancieren. Klar, dass da eine Heim-Umsetzung nicht lange auf sich warten ließ - gleich zum Start des SNES bzw. Super Famicom in Japan hatte Capcom die grafisch aufwändige Strassenprügelei am Start. Und genau diese Version ist nun auf der Virtual Console erhältlich.

Und genau hier liegt das Problem: Auch wenn die Umsetzung technisch und spielerisch damals durchaus ordentlich ausfiel, hat sie ihre starken Schwächen. Die offensichtlichste ist hierbei das Fehlen des Zweispielermodus - die in Prüglern so beliebte Option, im Team die fiesen Punks, Schläger und Rocker aufzumischen wurde hier aus technischen und wohl auch aus Zeitgründen schnell mal unter den Tisch gekehrt.  Und zusammen mit diesem so wichtigen Spielmodus ist auch gleich eine ganze Figur verschwunden - Ninja Guy hatte auf dem SNES bis zum etwas später nachgeschobenen Final Fight Guy nichts zu suchen. Auch diverse Zensurmaßnahmen stoßen heute eher sauer auf. Mit ein paar geänderten Namen kann man noch leben, dass aber wichtige Figuren wie Boss Rolento (bekannt aus Street Fighter Alpha 2) fehlen und bei weiblichen (oder weiblich aussehenden) Figuren das Geschlecht geändert wurde ist auch weniger schön. Fans spielen Final Fight am besten auf der ersten Capcom Classics Collection (auf PS2 aber nur auf 50HZ - lieber die XBox-Fassung anschaffen) oder spielen es beim mittlerweile auch billig zu erwerbenden Final Fight Streetwise frei. Von der zensierten und spielerisch kastrierten Virtual Console-Fassung müssen wir leider abraten. 

finalfightfinalfight3

Mighty Bomb Jack

bombjackJapan (1986)
System: NES

Entwickler: Tecmo
Preis:
500 Wii-Punkte (entspricht 5,-€)

Ist es ein Vogel? Ist es ein Flugzeug? Nein es ist Bomb Jack, der nutzloseste Superheld seit Aquaman! Seien wir ehrlich: Bombenentschärfen dürfte auf der Liste der sinnvollen Superkräfte einen ähnlichen Rang wie Messerschleifen oder Toaster reparieren haben. Doch wer gegen „Belzebut“, den ersten Superbösewicht, dessen Namen ein satanisches Gesäß impliziert, kämpft, kann mit derlei Defiziten wohl umgehen.

Und dabei fing die Karriere des ambitionslosen Superhelden gar nicht so schlecht an. Das erste Bomb Jack war ein nettes, harmloses Plattformspiel, das im Angesicht von Zeitgenossen wie Burger King oder Donkey Kong durchaus eine gute Figur machen konnte. Beim Nachfolger sieht es für den unbedarften Heroen aber wesentlich düsterer aus. Bomb Jacks Hochsprung- und Schwebefähigkeiten, im Vorgänger ein essenzieller Bestandteil des Gameplays, sind in den scrollenden Stages des Sequels eine Qual, und das Leveldesign besticht hauptsächlich durch fiese Fallen und einen großen Sack Eintönigkeit. Die größte Frechheit ist aber das Punktesystem: Wer viele Extras einsammelt, wird nämlich nicht mit einem saftigen Highscore belohnt, sondern darf erstmal einen gemütlichen Trip in die Folterkammer unternehmen. Wer Glück hat, kommt sogar lebend wieder raus. Mit leeren Taschen, versteht sich.

Und dann gibt es noch ein paar kurze Levels im Stil des ersten Bomb Jacks. Diese spielen sich zwar etwas besser als der Rest, können dem Orignal aber dank fehlender Hintergründe und ambitionslosen Leveldesigns auch nie das Wasser reichen. Wer von seiner Investition längerfristiger profitieren möchte, investiert die 5 Euro lieber in ein paar Knallerbsen.

bombjackbombjack

Battle Lode Runner

lodeJapan (1993)
System: PC-Engine

Entwickler: Hudson / Brøderbund
Preis:
600 Wii-Punkte (entspricht 6,-€)

Ähnlich wie der Kollege Bomb Jack ist auch Lode Runner ein alter Hase im Videospielegeschäft. Im Gegensatz zum vermummten Kollegen aus dem Hause Tecmo machte der kletterfreudige Goldgräber aus dem Hause Brøderbund aber auch in seinen späteren Auftritten eine gute Figur.

Das Spielprinzip ist simpel: In verwinkelten Labyrinthen klettert der gierige Schatzsucher Leitern hoch, sammelt Schätze ein und flieht vor kleptomanischen Kuttenträgern. Zur Wehr setzen kann sich unser Held nur, indem er die maroden Plattformen durchlöchert. Aber aufgepasst: Wer seinen Kurs nicht mit Bedacht plant, versperrt sich schnell den Fluchtweg, denn wieder zuschütten kann man die Fallgruben nicht. Im Lauf der Zeit versickern die Löcher allerdings von allein. Aber nicht nur die illustre Feindesschar leidet unter dieser Tatsache, denn wie schon im wahren Leben gilt auch bei Lode Runner oft ein altbekantes Motto: Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.

Moment mal! Versperrte Fluchtwege? Labyrinthe? Das erinnert ja fast schon an Bomberman, oder? Und ob, denn tatsächlich hatte der sprengfreudige Knirps mit der weißen Kapuze seinen allerersten Videospieleauftritt als Gegnersprite in Hudsons NES Adaption des Plattformklassikers. Und nachdem im Abspann des ersten Bomberman-Abenteuers sogar eine unheilige Verwandtschaft zwischen dem populären Pyromanen und dem tiefstapelnden Schatzsucher angedeutet wurde, war 1993 endlich der Zeitpunkt für den, inzwischen weltberühmten Bomberman gekommen, um sich für all die kostenlose Publicity in den ersten Jahren seiner Karriere zu revanchieren. Wie das ging? Ganz einfach: Durch die Addition einer spaßisch-hektischen Mehrspielervariante. Bis zu fünf Goldsucher versuchen in den Multiplayerlevel von Battle Lode Runner sich gegenseitig das Wasser abzugraben. Zahlreiche Extrawaffen und Fallen in bester Bomberman-Manier geben dem Ganzen dabei den richtigen Kick und machen diese Lode Runner Variante zu einem der besten Partyspiele im Virtual Console-Angebot.

Schade, dass die Modulvariante von Battle Lode Runner nie außerhalb Japans erhältlich war. Für 600 Wii-Punkte können westliche Spieler diese Wissenslücke auf der Virtual Console aber endlich in perfekter Pal-Anpassung schließen. Multiplayerfans sollten sich diesen kleinen Schatz nicht entgehen lassen.

lodelode

  

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Text Copyright 2007 Thomas Nickel, Peter Clausen
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