|
Von München ins ganze Land zog die diesjährige VISIONS Spring Tour 2007. Vier Bands standen diesmal auf dem Line-Up, allen voran Ash aus Nordirland, die nach 3 Jahren endlich neues Material präsentierten und die Lücke, die die Ex-Gitarristin Charlotte Hatherley hinterlassen hat, gefüllt haben – mit sich selbst. Dazu kamen mit ähnlichem Sound Good Shoes und The Enemy aus England und Muff Potter aus dem Münsterland. Nun muss leider gesagt werden, dass auf dem Konzert in Hamburg The Enemy leider nicht mehr dabei waren, da sie aus Krankheitsgründen die halbe Tour abgesagt hatten. Schade, aber kein Beinbruch.  Good Shoes begannen das Konzert mit kurzen Indiepop-Stücken, die sich allerdings vom Sound her alle sehr ähnelten. Übrigens taten das auf der visuellen Ebene faszinierenderweise auch die einzelnen Bandmitglieder. Das Publikum war zu diesem Zeitpunkt weder sonderlich reichlich vertreten, noch großartig begeistert am Abgehen, so dass für Good Shoes nur wenig Feedback heraussprang. Die Energie sparte man sich eindeutig für Muff Potter auf, die im Anschluss spielten. Hinter dem putzigen Namen verbirgt sich eine vierköpfige Truppe aus Mitteldeutschland, die ihre Musik als Punk bezeichnen, allerdings wäre das zu einfach, um sie zu beschreiben. Die Musik ist schnell und kernig, die Texte klug und witzig – glaube ich zumindest. Denn leider verstand man während des Abends kaum den Gesang der Bands, was gerade bei Muff Potter schade ist. Sie präsentierten auf diesem Gig viel Material von ihrem neuen Album Steady Fremdkörper, das dieser Tage frisch aus den Pressen kommt.
Ein Blick auf die Website der Band zeigt einen sehr persönlichen und gutgelaunten Umgang mit den Fans, auch auf der Bühne hätte es ruhig mehr Geblödel geben können. Aber die Meute wollte springen, und das tat sie auch eifrig. Einzig der Kampfgeist, einen Platz vor der Bühne bei Ash zu ergattern, ließ mich in der Nähe des Moshpits bleiben, und ich dachte, dass ich meinen Preis dafür schon in Form von massig blauen Flecken gezahlt hatte. Pustekuchen.
Zwar zerstreuten sich nach dem Auftritt von Muff Potter deren zufriedene und ausgepowerte Fans ziemlich, so dass der Saal sich undankbarerweise zusehends leerte. Aber das verschaffte den Ash-Anhängern nur mehr Pogoplatz. Zu dritt traten die Headliner vors Publikum, das Fehlen von Charlotte Hatherley und die damit einhergehende Bühnenaufstellung gab endlich mal den Blick auf Drummer Rick McMurray frei, der sonst unfairerweise einfach viel zu sehr unterging. Und auch der sonst eher im Hintergrund herumwuselnde Bassist Mark Hamilton bekam mehr Aufmerksamkeit. Nein, wir freuen uns natürlich nicht darüber, dass Charlotte fehlt, aber das war tatsächlich so etwas wie eine neue Band, die da auftrat. Der Sound musste natürlich durch eine Gitarre weniger auf die neue Besetzung angepasst werden, aber da Ash auch früher schon in der Gitarreschlagzeugbass-Formation zu dritt gespielt hatten, dürfte das kein großes Problem gewesen sein.
Geboten wird ein Set aus Knallern der Vergangenheit und, und da wartete das Publikum begierig drauf, Songs vom fünften Album Twilight Of The Innocent, das ab dem 29. Juni erhältlich ist. Und tatsächlich gab es neben der ersten Single You Can't Have It All und dem Download-Track I Started A Fire zusätzlich noch zwei weitere neue Stücke zu hören, so dass die Spannung auf die CD schwer zu ertragen ist. Frontmann Tim Wheeler hat sich erneut als grandioser Songwriter erwiesen, der seinen Sound ständig weiterzuentwickeln weiß. Und auch bei Ash war das Publikum nicht zu halten und machte die ganze Fabrik zu einem einzigen Moshpit.
Nach fast drei Stunden Konzert gingen die Lichter schließlich wieder an und entließen das Publikum nach einem großartigen kleinen Festival wieder in die Hamburger Nachtluft, voll froher Erwartung auf das, was die Zukunft wohl bringt. Verwandte Artikel: Review: Ash - Twilight of the Innocents Text Copyright Anna-Selina Sander 2007 Bilder Copyright Ash, Muff Potter, Good Shoes |