Advertisement

Gorilla des Monats

bernie 
Home arrow Mattscheibe arrow Hammer House of Horror
Hammer House of Horror
hammerUK 1980

Umfang: 13 Folgen, Buch: Bernie Cooper, Francis Megahy, Regie: Francis Megahy, Peter Sasdy, Tom Clegg, Alan Gibson, Don Leaver, Musik: Paul Patterson, John McCabe, James Bernard, Kamera: Frank Watts, Norman Warwick, Darsteller: Gary Bond, Jon Finch, Peter Cushing, Pierce Brosnan u.a.

Erschienen bei: Koch Media
DVD-Preis: 40,98 € Hammer House of Horror (4 DVDs) bei Amazon.de

 Wer erinnert sich nicht an die guten alten Hammer Studios? Über Jahrzehnte hinweg lieferte die britische Horrorschmiede dem geneigten Kinopublikum Schauderkost vom Feinsten. Hintergründiger psychologischer Grusel stand dabei allerdings ebenso selten auf dem Programm wie aussagekräftige Drehbücher. Hammer Filme waren blutrünstig, direkt, selbstironisch und ebenso reißerisch wie das Gebiss von Christopher Lees Dracula. Selbst eine Sherlock Holmes-Adaption wie The Hound of the Baskervilles wurde im Hause Hammer zum kompromisslosen Schocker umfunktioniert. Und dieses Konzept ging auf. Eine Zeit lang waren die Hammer-Streifen und ihre zahlreichen Nachahmer so allgegenwärtig, dass der Horrorfilm auf den britischen Inseln einen ähnlichen Stellenwert hatte wie der Western in Amerika.

Aber irgendwann, genauer gesagt in den Siebzigern, war der Ofen dann endgültig aus. Im Angesicht des knallharten, realistischen Kinos jenes Jahrzehnts (die deutsche Gattung des Paukerfilms werden wir einfach mal geflissentlich ignorieren), waren die Hammer Filme ein alter Hut. Monster, Mumien und Vampire konnten keinen Hund, nicht einmal den von Baskerville, mehr hinter dem Ofen hervorholen.

ElliotHappy Birthday 1

Damit war die letzte Stunde der Hammer Studios aber noch lange nicht gekommen. 1980 wurde die totgesagte Horrorwerkstatt durch Roy Skeggs und Brian Lawrence, zwei Veteranen des Studios, reanimiert, um erneut für Angst und Schrecken zu sorgen. Dieses Mal wurde allerdings eine andere Zielgruppe anvisiert. Wenn das Kinopublikum das Fürchten verlernt hatte, musste man eben den Fernsehzuschauern beibringen, was Angst hieß. Heraus kam die dreizehnteilige Anthologie-Serie Hammer House of Horror, die unter dem Titel Gefrierschocker Anfang der Neunziger auch auf deutschen Bildschirmen für Gänsehaut sorgte.

Ganz im Sinne der Kinovorbilder bekleckerten sich die Autoren und Regisseure auch diesmal nicht mit dem Ruhm der Originalität. Wer mit dem Genre auch nur ansatzweise vertraut ist, wird zahlreiche Episoden finden, die ein gewisses Déjà Vu-Gefühl hervorrufen. Vom Amityville Horror bis hin zur klassischen Werwolfgeschichte lauert im House of Horror hinter fast jeder Tür eine neue Hommage an die großen Filme des Genres. Ob die Hammer Studios hier Geschichten aus der Gruft oder der Mottenkiste erzählen, ist eine Frage, die jeder Zuschauer selbst beantworten muss. Fest steht, dass es, weder zuvor noch danach, je eine andere Fernsehserie gab, die so viel Spaß mit den Klischees des Genres hatte. Kübelweise Blut, Schockeffekte am laufenden Band und kompromisslose Präsentation der menschlichen Anatomie (sowohl intern als auch extern) gibt es im Medium Fernsehen nur im Hammer House of Horror. Wo vergleichbare Produktionen zurückhaltend und handzahm sind, schöpfen Skeggs und Lawrence mit ihrer Anthologie immer aus den Vollen.

CushingHappy Birthday 2

Aber kann deswegen jede Folge überzeugen? Nicht wirklich. Man nehme nur die, in der deutschen Fassung sehr treffend betitelte Episode „Alptraum ohne Ende“, in der Denholm Elliot (Dr. Marcus „Er hat sich in seinem eigenen Museum verlaufen“ Brody aus den Indiana Jones-Filmen) einen mäßig überzeugenden Lustgreis mit Mordambitionen spielt. Sagen wir es mal so: Wenn die große Überraschung der Episode dem Zuschauer pausenlos suggeriert wird, verfehlt sie am Ende eventuell ihren Effekt. Aber für jeden vorhersehbaren Moment zaubert die Serie zum Ausgleich eine entsprechende Entschädigung aus dem Hut. Sei es eine grandiose Episode mit Hammer-Urgestein Peter Cushing, die Hinrichtung eines jungen Pierce Brosnan oder der blutigste Kindergeburtstag aller Zeiten, schauderliche Überraschungen gibt es immer wieder.

Der Eighties-Optik zum Trotz ist diese Anthologie für Freunde gepflegter Zitterpartien also mindestens einen ausgiebigen Blick wert. Immerhin war das House of Horror auch die letzte Filmproduktion, die den Hammer-Mythos in all seinen Facetten zelebrieren sollte. Die Nachfolgeproduktion, Hammers House of Mystery and Suspense wurde, einem amerikanischen Koproduktionsdeal sei Dank, nämlich dermaßen kastriert, dass sie mit den klassischen Filmen des Studios eigentlich gar nichts mehr gemeinsam hatte.

Machen wir’s also kurz: Wer mit dieser Gattung Film nichts anfangen kann, wird auch beim House of Horror Pfusch am Bau vermuten. Wer jedoch eine Affinität zu altmodischen Horrorreißern hat, sollte definitiv einen Blick auf die deutsche DVD-Box von Koch Media werfen. Extras gibt es zwar - abgesehen vom liebevoll zusammengestellten Booklet - keine, aber die hohe Bildqualität und der faire Preis gleichen diesen Makel locker aus. Also, seid ihr mutig genug, euch ins Hammer Haus zu wagen?


Text Copyright 2007 Peter Clausen

Cover, Screenshots Copyright Koch Media

 
< zurück   weiter >
© 2012 www.g-wie-gorilla.de
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.