Autor: Joey Goebel erschienen bei: MacAdam/Cage Publishing Preis: $12 Anlässlich der deutschen Ausgabe, die unter dem Titel Freaks im Herbst im Diogenes Verlag erscheint, möchte ich Euch dieses kleine Buch doch sehr ans Herz legen. In einer kleinen Stadt in Kentucky haben sich fünf Menschen gefunden, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Allen voran der Afroamerikaner Luster Johnson, der dummerweise mit einer Horde drogendealender ghettoiger Brüder gestraft ist (die übrigens alle Jerome heißen) und daher keinen leichten Start in der Welt hat. Was Luster allerdings nicht stört: Im Gegensatz zu seinen Brüdern ist er hochintelligent, kann jeden Diskusstionsgegner unter den Tisch reden und träumt davon, eines Tages als Rockstar groß rauszukommen. An und für sich also schon mal sympathisch. Zusammen mit seinen Freunden hat er eine Band, mit der er die große Karriere plant. Luster ist der Sänger und Songwriter. An der Gitarre steht die 80 Jahre alte Opal, deren zwei Nichten sie unbedingt ins Altenheim stecken wollen. Opal allerdings hält von dieser Idee herzlich wenig - sie steht schließlich in der Blüte des Lebens und für sie zählen nur Sex, Drugs and Rock'n'Roll! Und mit dieser Einstellung ist sie oft viel weiser als ihre grauberockten Altersgenossen. Die Bassistin ist die kleine Ember, acht Jahre alt, von außen sterbensniedlich, aber innerlich so ziemlich das fieseste und maliziöseste kleine Biest, was je auf der Erde wandelte. Die einzigen Menschen, die sie nicht hasst, sind die Mitglieder der Band. Ray Fuquay steht am Keyboard. Er kommt eigentlich aus dem Irak, ist aber mit seiner (sehr unwilligen) Familie nach Amerika gekommen, weil er sich bei einem amerikanischen Soldaten entschuldigen will, den er im Golfkrieg angeschossen hat. Die Schlagzeugerin letztendlich ist die unfassbar schöne Aurora. Die selbsternannte Satanistin sitzt im Rollstuhl und ist der unbestreitbare visuelle Mittelpunkt der Band. Wo auch immer diese fünf auftauchen, sind sie Opfer von Spott und Hohn (und in Auroras Fall von mehr als plumpen Baggereien), aber sie lassen sich davon nicht beeindrucken und arbeiten hart auf ihren ersten Auftritt hin. Dazwischen erfährt man die Umstände, unter denen sich die Freunde kennengelernt haben. Sie wachsen in einer vierwöchigen Probesession stark zusammen und sind die einzigen, auf die sie sich in dieser Welt verlassen können. Als der Abend des Auftritts kommt, sind alle in Hochstimmung, doch die Ereignisse der letzten Tage spitzen sich zu und es kommt zur Eskalation... Ein kleines Buch, das gleichzeitig skurril und rührend ist. Die Charaktere, die einem am Anfang mehr als seltsam erscheinen, wachsen einem mehr und mehr ans Herz. Umso mehr trifft es den Leser, wenn die Ungerechtigkeit der Welt sie einholt. Und schon ist man selbst einer dieser Freaks. Oder? Text Copyright 2006 Anna-Selina Sander Coverartwork Copyright MacAdam/Cage Publishing |