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Gorilla des Monats

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Hot Fuzz
Hot FuzzUK (2007)

Buch: Edgar Wright, Simon Pegg, Regie: Edgar WrightKamera: Jess Hall, Musik: David Arnold,  mit: Simon Pegg, Nick Frost, Jim Broadbent, Timothy Dalton, Bill Bailey, Bill Nighy, Elvis der Schwan

Erschienen bei: Universal
Preis: ca. 13 € Hot Fuzz bei Amazon.de

Drei lange Jahre sind vergangen, in denen sich eine mittlerweile zu respektabler Popularität gekommene Gruppe von Filmemachern aus Großbritannien fragte, wie sie an den Erfolg ihres ersten Films anknüpfen konnten. Wir erinnern uns an die famose „RomZomCom“ Shaun of the Dead (wir berichteten voller Begeisterung) – wie soll sowas zu toppen sein? Eigentlich geht das nur, indem man etwas völlig anderes macht. Und zu diesem Schluss kamen auch Edgar Wright und Simon Pegg, und sie schrieben ein Drehbuch für Hot Fuzz. Ein Drehbuch, unter dem besonders Hauptdarsteller Simon Pegg oft körperlich zu leiden haben würde!

Aus den Gefilden des Zombiefilms begibt man sich nunmehr auf die Ebene des Cop-Movies. Wir kennen die ja zur Genüge aus Amerika, schwarzer Cop und weißer Cop, wahlweise auch alter Cop und junger Cop, rebellischer Cop und konservativer Cop. Die Variationen sind zahlreich, und doch laufen sie am Ende immer auf das gleiche Strickmuster hinaus. Nachdem die obligatorische Verschwörung aufgedeckt ist, gehen die ungleichen Partner, am besten soeben vom regulären Dienst aufgrund blinder Zerstörungswut suspendiert, wagemutig auf eigene Faust in Zivil auf Verbrecherjagd und definieren den Begriff Selbstjustiz aufs Neue. Aber schon Shaun of the Dead war ja anders als herkömmliche Zombiefilme, also schauen wir, was (und vor allem wer!) uns diesmal erwartet.

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Schauplatz ist das niedliche Dörfchen Sandford in England, stolzer Träger der mehrfachen Auszeichnung als schönstes Dorf der Insel. Die Verbrechensrate ist eigentlich gar nicht vorhanden und die ortsansässigen Polizisten bekämpfen lieber Tortenstücke als Kriminelle. In diese Idylle wird Seargant Nicholas Angel (Simon Pegg), eine Art polizeiliches Überwesen, das alles beherrscht, was es im Bereich Verbrechensbekämpfung zu beherrschen gibt, zwangsversetzt. Und zwar einfach nur, weil er zu gut ist für die Londoner Polizei und damit ein schlechtes Licht auf seine Kollegen wirft. Angel ist Gesetzeshüter durch und durch, er lebt für seinen Job und nichts anderes – einzig seine japanische Friedenslilie darf hin und wieder ein wenig auf Zuneigung hoffen.

Entsprechend unglücklich kommt Angel auch in Sandford an, beginnt aber, pflichtbewusst wie er ist, schon am Vorabend seiner Amtseinführung gehörig aufzuräumen. Dabei merkt er, dass seine Auffassung vom Polizeidienst mit der in Sandford gehörig zu kollidieren scheint: Minderjährige bevölkern zuhauf den Pub, Ladendiebe werden mit dem Zeigefinger bedroht und sogleich wieder freigelassen, Verkehrssünder erkaufen sich mit Theaterkarten die Freiheit. Und plötzlich passiert das, worauf alle gewartet haben: Ein mysteriöser Todesfall ereignet sich und wird mit überschwenglichem Elan als Unfall klassifiziert. Angel ist sich sicher: Hier hat sowas von offensichtlich ein Mord stattgefunden, dass man blind sein müsste, um das nicht zu erkennen.

Fragen gibt Angel auch die merkwürdige und irgendwie nicht so recht ernstzunehmende Bürgerwehr von Sandford auf, die angeblich das Geschehen im Dorf überwacht – letztendlich aber anscheinend über die Funkgeräte, die es in jedem Haus gibt, nur Lästereien austauscht. Was ist nur los in Sandford?

Es bleibt natürlich nicht bei einem umgekommenen Dorfbewohner und Angel geht jedem einzelnen Todesfall akribisch auf die Spur. Er erhält reichlich Gegenwind von seinen Kollegen, nur einer hält zumindest ein bisschen zu ihm: Danny Butterman (Nick Frost) ist der Sohn vom Polizeichef Frank Butterman (Jim Broadbent). Als genaues Gegenteil von Angel ist Butterman Junior nur Polizist geworden, weil sein Vater auch Polizist ist. Er träumt zwar davon, einmal all die halsbrecherischen Dinge zu tun, die er aus oben genannten amerikanischen Cop-Movies kennt und geht Angel damit auch gehörig auf die Nerven, doch eigentlich sitzt er lieber Eis essend im Polizeiauto und träumt vor sich hin. Im Laufe des Films finden die beiden ungleichen Charaktere ein wenig zueinander und jeder der beiden merkt, dass er den eigenen Blick gehörig ausweiten muss, um im Leben weiterzukommen.

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Der Film endet unerwartet und bizarr, der berühmte Satz „Nichts ist so, wie es scheint“ trifft hier trotz seiner Abgedroschenheit ins Schwarze. Was als mehr oder weniger klassischer Polizeifilm mit dem bekannten und liebgewonnenen Humor der Drehbuchautoren beginnt, entwickelt sich zum abgefahreneb Drama, über dessen bloße Existenz der Zuschauer nur halb fassungslos, halb begeistert, den Kopf schüttelt. Das schöne ist, dass unser Superheld bei der Lösung der Geschichte nicht allein auftrumpfen kann. In klassischer Buddy Cop-Manier können Nick und Danny nur gemeinsam das Böse zur Strecke bringen.

Hot Fuzz ist mit Sicherheit eine andere Kategorie als Shaun of the Dead. Ich möchte jetzt nicht von Reife und solchen Dingen reden, da hier auch ein völlig anderes Genre berührt wird. Es wurde definitiv einmal mehr bewiesen, dass die Jahrzehnte lange Erfahrung des Teams mit Comedy aller Art sich ausgezahlt hat. Die Witze sind an den richtigen Stellen und tatsächlich lustig (unter anderem mehrere Running Gags, die aus Shaun of the Dead übernommen wurden), aber gleichzeitig geizt man nicht mit den Abgründen der menschlichen Seele. Ganz, ganz famoses Kino. Und im Gegensatz zum Großteil der Action-Konkurrenz kann sich bei Hot Fuzz sogar die Handlung sehen lassen. Der großartig konstruierte Plot beschränkt sich nämlich mitnichten darauf, möglichst viele Action-Klischees abzufeiern. Von klassischen Horrorfilmen wie The Wicker Man bis hin zu den akribisch konstruierten Rätseln einer Agatha Christie vermischen Wright und Pegg zahllose narrative Elemente zu einem ebenso ungewöhnlichem wir großartigem Gesamtergebnis. Actionfilm? Krimi? Komödie? Hot Fuzz ist all das und noch viel mehr. Wer eine gradlinige Parodie erwartet, wird hier vielleicht enttäuscht, aber letzten Endes ist dieser Mut zur Vielfalt die größte Stärke des Films. Hot Fuzz bietet mehr als nur Humor - die Handlung sorgt pausenlos für Überraschungen, und das Schicksel der Charaktere ist für den Zuschauer wirklich relevant. Wer simplen Klamauk will, schaut sich woanders um.

Außerdem macht es auch hier wieder großen Spaß, nach bekannten Gesichtern zu suchen. Natürlich hat diesmal wieder Bill Nighy seinen Platz als Dauerabonnent im englischen Film, ebenso sind in winzigen bis kleinen Rollen Martin Freeman (Tim, The Office), Julie Deakin (Marsha, Spaced), der allseits beliebte Bill „Manny“ Bailey, sowie Peggs ehemaliger Sketchkollege Kevin Eldon (Big Train) und Olivia Coleman aus der grandiosen Fernsehserie Peep Show zu sehen.

Die Gorillas wünschen viel Spaß mit Hot Fuzz, geht in diesen Film und lasst euch umhauen. Hot Fuzz gehört zu den absoluten Kinohighlights dieses Jahres und spielt große Blockbuster Marke Fluch der Karibik oder Spiderman III locker an die Wand. Überzeugt euch selbst!


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Text Copyright 2006 Anna-Selina Sander & Peter Clausen
Screenshots, Poster Artwork Copyright Universal

 
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