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The White Stripes - das sind doch soetwas wie die italienischen Nationalhelden. Nur zu gut ließ es sich während der Fußball-WM auf Seven Nations Army "Caaaam-pioooni del mooooon-dooo" singen. Davon wissen die beiden, die ja angeblich Geschwister sind, auch. In einem Interview mit der italienischen Rolling Stone erlärte Jack, zufrieden zu sein, dass seine Melodie einen Volksliedcharakter angenommen hat, auch wenn das Publikum die Band vielleicht gar nicht kennt. Das war vor knapp einem Jahr. Und nun ist es soweit: Die weißen Streifen feiern zehnten Geburtstag, veröffentlichen eine Jubiläumsplatte und gehen damit gleich mal auf Tour - natürlich auch nach Italien.
White Stripes Konzerte sind rar und damit wertvoll. Sie genießen, obwohl sie zu zweit gewiß nicht viele Faxen machen können, einen sehr guten Ruf als Liveband. Und when Jack und Meg von ihrem sechsten Studioalbum sprechen, heißt es ja sowieso immer, dass die Musik wieder dreckiger werden würde, "wie früher" eben. Dann die Promobilder, die versprechen etwas völlig abgedrehtes. Die Erwartungen sind also hoch. Doch als die Beiden unter gemäßigtem Applaus und ohne die verrückten Icky Thump-Hüte auf die Bühne marschieren und die ersten Töne erklingen, hört es sich nach allem an - aber nicht nach laut und dreckig. Dies mag auch am Publikum liegen - das Tendastrisce, ein zu Konzerthalle umgebautes Zirkuszelt, könnte 6000 Zuschauer fassen, aber so viele sind gar nicht erst gekommen. Jeder kennt das Po-po-po, aber auf "Ich muss heute früher gehen, wegen dem White Stripes Konzert" reagieren die meisten mit Unverständnis. An der Abendkasse gibt es sogar noch Karten - und bis auf einige amerikanische Fans, die die Tour mitfahren, trägt auch keiner schwarz-rot-weiß. Die Italiener - des Englischen bekanntlich absolut nicht mächtig und damit auch nicht fähig, mitzusingen - sitzen größtenteils auf Rängen. Der stehende Teil versucht ununterbrochen zu pogen, ob's nun Jolene ist oder We're Going to Be Friends. Das das in die Hose geht, ist klar, aber viel schneller wird bei dem Konzert kein einziges Lied ausfallen, was dazu führt, dass aus den Pogenden Prügelnde werden. In den ersten Reihen wird einfach nur gedrückt - kein Überleben möglich. Also hinten Turbonegro, vorne Chili Peppers, aber ich dachte, ich bin hier bei den White Stripes?
 Auch auf der Bühne hat man das Gefühl, Chili Peppers vor sich zu haben. So wie diese letzten Sommer ohne viel Begeisterung sich selbst spielten, so singt auch Jack munter und zu immer wechselnden Gitarren weiter, ohne jedoch mit viel Gefühl bei der Sache zu sein. Von Meg bekommt man außer des Trommelns und ihres Gesangauftritts gar nichts mit, da das Tendastrisce keinen Scheinwerfer mehr für sie übrig hat. Ob das der Wunsch der Band war? Spannender wird's dadurch jedenfalls nicht. Blue Orchid ist zum Gähnen, lediglich bei Hotel Yorba und bei Jack the Ripper kommt etwas mehr Stimmung auf. Als Meg ans Mikrofon tritt, normalerweise ein Höhepunkt des Konzerts, reagiert das Publikum mit Desinteresse. Gesprochen wird gar nicht, nur als es Zeit wird, von der Bühne zu gehen, verkündet Jack, auch im Namen von "my sister" seine Danksagungen.
Am Schluss hat die Band es geschafft, eine Setlist zu spielen, die einerseits nur drei neue Songs, andererseits kaum richtige Hits beinhaltet hat. Als als vorletztes dann doch noch wenigstens das Po-po-po kommt, ist es dem zerschlagenen Publikum inzwischen egal geworden, was die Band spielt. Hier hätte man in der ersten halben Stunde noch begeistert sein "Campioni" gebrüllt, aber nun scheinen die meisten darauf zu warten, bis es endlich vorbei ist. Von einem Duo, das live so selten ist, darf man sich, wie ich finde, deutlich mehr erwarten. Zum Schluss sollte ich vielleicht noch erklären, dass ich nichts gegen Afrika habe. Ein Konzert, sagen wir, in Kapstadt wäre bestimmt stimmungsmäßig viel toller gewesen. Ich hätte genauso auch sagen können, dass in Italien südlich von Rom die Zivilisation aufhört - aber diese norditalienische Redewendung lautet nun mal so. Setlist:
- When I Hear My Name
- Dead Leaves On the Dirty Ground / Black Math
- Effect and Cause
- Hotel Yorba
- Little Cream Soda
- Jolene (Dolly Parton)
- Suzy Lee
- Death Letter (Son House)
Stop Breaking Down - I'm Slowly Turning Into You
- Wasting My Time
- Little Room
- Ball & Biscuit
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- Blue Orchid
- Cold Cold Night
- I Wanna Be the Boy Who Warms Your Mother’s Heart
- I Just don’t know What to Do With Myself (Bacharach)
- Astro
- Jack The Ripper
- Little Ghost
- We’re Going to Be Friends
- I’m a Martyr For My Love For You
- Seven Nation Army
- Boll Weevil
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