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An English transcript of this interview can be found here. Nick Frost ist ein echtes Schwergewicht unter den Comedy-Darstellern unserer Generation. Egal ob mit oder ohne seinen besten Kumpel Simon Pegg, Frost sorgt mit seinem tollpatschigen Charme, natürlicher Ausstrahlung und perfektem Comedy-Timing immer für gute Laune. Ab dem 14.06. ist der bodenständige Brite endlich wieder an der Seite von Pegg im Nachfolger zur grandiosen "rom-zom-com" Shaun of the Dead zu sehen. Hot Fuzz, der neue Film des Dreamteams, ist mittlerweile auf dem besten Weg seinen Vorgänger sowohl in Sachen Publikumsinteresse als auch in Punkto Einspielergebnis zu übertreffen. Grund genug also, den mächtigen Nick Frost gleich zweimal ins Kreuzverhör zu nehmen. Zur Einstimmung haben wir den gewichtigen Darsteller kurz im Einzelgespräch interviewt, danach ging der Plausch in einer launigen Interviewgruppe weiter. Von Angesicht zu Angesicht: Peter Clausen: Was hältst du vom deutschen Untertitel des Films? Nick Frost: Wie lautet der Untertitel? Peter Clausen: Zwei abgewichste Profis. Man könnte es etwa mit "Two Tough Bastards" übersetzen, aber die Wortwahl hat außerdem noch eine sexuelle Bedeutung. Nick Frost: Perfekt! Absolut perfekt! Peter Clausen: Wie wichtig ist Natürlichkeit im Comedy-Bereich? Nick Frost: Für mich persönlich extrem wichtig. Es gibt einen Platz für die Methoden von Jim Carrey oder Robin Williams, aber ich selbst versuche immer so natürlich wie möglich zu spielen. Die Comedy entsteht dann von allein. Ich glaube, dass diese Art der Comedy wesentlich mehr Identifikationspotenzial hat, als das Herumalbern eines Jim Carrey. Das ist mir dann doch zu übertrieben. Selbst klassische britische Comedys wie Some Mothers do 'ave em, eine Sitcom aus den Siebzigern, haben dieses Problem. Die Leute haben diese Serie damals geliebt, aber es ist einfach zu übertrieben. Das ist die Art von Comedy, in der ein Mann auf einer riesigen Leiter herumstolplert, während sich der Zuschauer fragt, warum er nicht einfach an der Tür klopft. Peter Clausen: Alberne Comedystimmen und ähnliches sind also nicht dein Ding? Nick Frost: Naja, es gibt für alles einen Platz, aber so spiele ich meine Rollen nicht. Wenn ich im Pub bin, ist das schon wieder etwas anderes... Peter Clausen: Danny ist der erste Charakter, den du an Simons Seite gespielt hast, der keine lebenslange Freundschaft mit Simons Figur aufweisen kann. Die beiden lernen sich am Anfang des Films erst kennen. Hatte das irgendeinen Einfluss, auf deine schauspielerische Herangehensweise? Nick Frost: Nicht wirklich. Es hat Spaß gemacht, das Ganze aus diesem Blickwinkel zu erleben. In Spaced hat man nie gesehen, wie es mit Tim und Mike begonnen hat, und auch bei Shaun of the Dead wurde der Beginn von Shauns und Eds Freundschaft nicht gezeigt. Aber bei Hot Fuzz sind wir von Anfang an dabei, und das finde ich sehr wichtig. Aus schauspielerischer Sicht hatte es aber keinen Einfluss auf meine Arbeit. Peter Clausen: Es hat sich also auch nicht anders angefühlt, als sonst? Nick Frost: Absolut nicht. Es wird ja sehr schnell klar, dass Danny Angel zu Füßen liegt... Peter Clausen: Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes... Nick Frost: Ganz genau!
SPOILER FOLGT Peter Clausen: Was ich mich allerdings gefragt habe: Im Film wird es so dargestellt, als hätte Danny nicht das geringste von den Machenschaften seines Vaters geahnt, aber mir kam es manchmal so vor, als wäre er nicht ganz so unschuldig, wie man vermuten könnte. Nick Frost: Dazu sage ich nur eins: Wartet die DVD ab. Dort wird alles erklärt. SPOILER ENDE Peter Clausen: Die Figur des Mike in Spaced basiert auf einer realen Person, oder? Nick Frost: Das tut er. Genauer gesagt basiert er sogar auf zwei Personen, die ich kenne. Einer davon war ein Militärfanatiker namens Flea. Seine Obsession für den zweiten Weltkrieg war fast schon ungesund. Ich weiß nicht ob du diese Art von Mensch kennt, aber er war der Typ, bei dem man einfach vergessen muss, welche Interessen er hat, weil er abgesehen davon wirklich nett ist. Eine andere Inspiration war ein Arbeitskollege namens John, mit dem ich mal zusammen in einem Restaurant gearbeitet habe. John war ein ehemaliger Militär, der inzwischen auf Wächter umgesattelt hatte. Er war ein wenig komisch und gewalttätig. Absolut perfekt, also! Peter Clausen: Ed aus Shaun of the Dead basiert eher auf dir, oder? Nick Frost: Ja, absolut. Simon und ich kennen uns seit nunmehr fünfzehn Jahren, und die ersten zehn davon haben wir genau wie Shaun und Ed verbracht. Eigentlich traurig...
  Peter Clausen: Und was ist mit Danny? Hatte er ein reales Vorbild? Nick Frost: Nein, hatte er nicht. Wenn überhaupt, dann basiert er auf einem Polizeihund. Ich hab ihn wie einen Labrador oder Schäferhund gespielt. Er ist ein Polizeihund - er ist treu, ergeben und will sein Herrchen glücklich machen. Peter Clausen: Seit Spaced wurdest du sehr oft in solchen unschuldigen, kindlichen Rollen eingesetzt. Fühlst du dich jemals in eine Nische gedrängt? Nick Frost: Nein. Ich arbeite ja erst seit sieben Jahren als Schauspieler, und bisher fühle ich mich nicht auf einen Rollentyp festgelegt. In England habe ich eine Menge Fernsehsendungen gemacht, die du wahrscheinlich gar nicht kennst. Peter Clausen: Ich schätze, ich kenne den Großteil schon. Nick Frost: Wirklich? Cool! In Hyperdrive spiele ich zum Beispiel eine ganz andere Art von Rolle. Ich finde auch nicht, dass der Protagonist immer ein stahlharter Profi sein muss. Es ist schön, wenn man Stärke und Verletzlichkeit kombinieren kann. Das finde ich sehr ansprechend - jemand der groß und tapfer, aber gleichzeitig auch sehr kindlich ist. Peter Clausen: Und könntest du dir auch vorstellen, Bösewichter zu spielen? Nick Frost: Ja, auf jeden Fall. Ich würde alles gern mal versuchen. Wenn mir das Drehbuch und der Regisseur gefallen, definitiv. Simon und ich waren immer die Witzbolde, wir kommen aus dem Comedy-Bereich, und Comedy war schon immer unsere große Liebe, aber wenn sich etwas Ernsthaftes anbietet, würde ich es auf jeden Fall in Erwägung ziehen. Peter Clausen: Wie sieht es eigentlich mit eurer Fernsehserie La Triviata aus? Laut IMDB lebt das Projekt ja wieder. Nick Frost: Nein, es ist hundertprozentig tot. Seit zwei Monaten versuchen wir schon, es wieder aus der IMDB-Datenbank zu entfernen. Peter Clausen: Aber es kehrt immer zurück? Nick Frost: Wir können es einfach nicht abschütteln. Leider. Peter Clausen: Es ist nicht totzukriegen. Nick Frost: "NIcht totzukriegen?" (lacht), das klingt eigentlich nach einem guten neuen Titel für dieses Projekt. Peter Clausen: Simon und du sind mit einem Riesenfaible für Genre-Filme aufgewachsen. Hat sich etwas für euch geändert, jetzt wo ihr selbst solche Filme macht? Begeistern euch diese Filme immer noch? Nick Frost: Auf jeden Fall. Natürlich wurde es auch ein wenig entzaubert, aber nicht auf eine Art, die es mir unmöglich macht, jemals wieder einen Film zu sehen. Inzwischen achte ich auf die Kameraarbeit, das Licht und den Ton, ebenso wie auf die Arbeit der Schauspieler und die Handlung. Wenn es denn eine Handlung gibt. Peter Clausen: Also bist du nicht zynischer geworden? Nick Frost: Ein wenig. Aber das hat nichts mit Schauspielerei zu tun. Dafür sind eher meine hohen Steuerabgaben verantwortlich. Peter Clausen: Du gibst körperlich immer alles. In der Fernsehserie Danger, 50.000 Volts hast du zum Beispiel Überlebenstraining und andere gefährliche Aktivitäten untersucht. Bist du jemals zu weit gegangen? Nick Frost: Ja, ich bin ein paar Mal im Krankenhaus gelandet, weil ich zu wagemutig war. Aber Stunts machen großen Spaß. Vorher kommt der Adrenalinschub, und danach applaudieren einem natürlich die Mädels zu, wenn man eine gute Figur macht. Peter Clausen: Kannst du uns ein Beispiel für einen Stunt geben, bei dem du zu weit gegangen bist?
Nick Frost: Damals war ich auf einem Luftkissenfahrzeug in Florida. So etwas hatte ich zuvor nie gefahren, und dann wurde mir gesagt: "Probier's einfach mal." Kein Sicherheitshelm, keine Schutzjacke - und ich rase direkt in einen Baum, falle raus und stoße mir den Kopf. Danach musste ich eine ganze Weile im Krankenhaus verbringen. Das tue ich nie wieder. Gruppengespräch: Gruppe: Viele Leute haben erwartet, dass ihr als nächstes Projekt einen weiteren Horrorfilm im Stil von Shaun of the Dead macht. Warum der Richtungswechsel? Nick Frost: Wir lieben Actionfilme. Shaun of the Dead war so erfolgreich, dass man uns gefragt hat, was wir als nächstes machen wollen. Es war die Art von Chance, bei der man denkt: "Ich könnte drei Monate lang durch die Gegend fliegen, Wagen zertrümmern und mit Schrotflinten schießen". Wir mussten es also machen. Peter Clausen: Also hast du deine Nische gefunden? Die Zuschauer erwarten von euch jetzt diese Mischung aus Parodie und ernstzunehmendem Film mit solidem Handlungsgerüst. Wird es dabei bleiben, oder könntet ihr euch auch vorstellen, eine andere Gangart einzulegen? Nick Frost: Naja, wir sind immer noch die gleichen Leute. Wenn man sich Wes Andersons Filme ansieht, sind sie ja auch alle unterschiedlich, und doch fundamental identisch. Unser nächster Film wird ähnlich, und doch ganz anders sein. Wir mögen auch das Wort Parodie nicht, für uns ist das fast schon ein Schimpfwort. Unsere Filme sind keine Parodien. Shaun of the Dead war ein Zombie-Film und das war auch richtig so, denn wir lieben Zombie-Filme, wir lieben George Romero. Aber gleichzeitig musste es auch witzig sein. Peter Clausen: Also kommt zuerst die Geschichte, und die humorvollen Situationen entstehen aus der Interaktion der Charaktere.   Nick Frost: So ist es. Das Drehbuch ist dabei natürlich auch sehr wichtig. Wenn wir die Comedy aus Hot Fuzz herausschneiden würden, wäre es immer noch ein guter Actionfilm. Bei Shaun ist es auch so, ohne die Comedy wäre der Film immer noch als Hombie-Streifen funktionieren... habe ich gerade "Hombie" gesagt? So wird ein neues Genre geboren... Peter Clausen: Klingt nach einem Film über heimatlose (Anmerkung: Hier beziehen wir uns natürlich auf den englischen Begriff "homeless") Zombies. Nick Frost: Ja, warum eigentlich nicht? Gruppe: Welcher Film gefällt dir denn besser? Shaun oder Hot Fuzz? Nick Frost: Ich glaube, Hot Fuzz. Gruppe: Warum das?
Nick Frost: Warum? Ich mag meine Rolle in Hot Fuzz wesentlich lieber. Er ist um einiges sympathischer als Ed in Shaun of the Dead. Momentan bevorzuge ich Hot Fuzz, aber wenn ihr mich in fünf Jahren wieder fragt, wer weiß? Aktuell ist Hot Fuzz mein Favorit, aber ich habe Shaun auch seit mindestens zwei Jahren nicht mehr gesehen. Vielleicht ist es an der Zeit, um sich den Film noch einmal objektiv anzusehen. Gruppe: Hat sich der Danny aus der Figur des Spaced-Charakters Mike entwickelt? Nick Frost: Ja, in Danny spiegelt sich auf jeden Fall etwas von Mike wieder. Beide wollen mit tödlichen Schusswaffen spielen. Ein wenig Ed steckt aber auch in ihm, immerhin sind beide Figuren außergewöhnlich faul. Aber habe ich selbst diese Figuren wahrscheinlich wesentlich mehr geprägt, als sie sich gegenseitig geprägt haben. Gruppe: Wenn dieser Film genug Geld einspielt, könnt ihr ja einen epischen Science Fiction Film in Betracht ziehen. Nick Frost: Also, man wird uns auf jeden Fall einen weiteren Film machen lassen. Im nächsten Film werden Simon und ich gemeinsam Drehbuch und Hauptrollen übernehmen. Edgar wird diesmal nicht Regie führen, aber er wird als Produzent mit an Bord sein, und das Drehbuch überarbeiten. Er hat schon seit Jahren ein paar andere Projekte am köcheln, und inzwischen sind wir in einer Position, die es uns ermöglicht, diese Ideen in die Tat umzusetzen. Wenn Simon und ich unseren Film gemacht haben, für den entweder dieses Jahr, oder spätestens im Januar in den Vereinigten Staaten die erste Klappe fällt, sehen wir alles gemeinsam durch und fangen mit dem nächsten Streifen aus unserer Trilogie an. Peter Clausen: Um Gerüchten vorzubeugen: Dabei wird es sich nicht um La Triviata handeln, oder? Nick Frost: Auf gar keinen Fall! Peter Clausen: Hat sich eure Weltsicht verändert, seit ihr Spaced gedreht habt? Letzteres war eine Serie über ziellose Twentysomethings, aber inzwischen seit ihr ja doch etwas älter und reifer geworden. Nick Frost: (lacht) Reifer? Naja, vielleicht schon... Peter Clausen: Und hat eure heutige Einstellung zum Leben einen Einfluss auf eure Filme? Nick Frost: Ja! So muss es eigentlich auch sein, oder? In Spaced ging es um die Art von Menschen, die wir damals waren. Wir werden dauernd gefragt, ob wir eine weitere Staffel machen wollen. Aber das wollen wir nicht, weil wir eben nicht mehr diese Personen sind. Peter Clausen: Andererseits gibt es auch klassische britische Serien wie The Likely Lads und Auf Wiedersehen, Pet in denen die Macher Jahre, oder sogar Jahrzehnte lang pausiert haben. Dort wurde die vergangene Zeit auch nicht verschwiegen, sondern thematisiert, und das hat wirklich gut funktioniert. Nick Frost: Ich glaube, die hatten aber auch die Zeit, um das zu machen. Sie konnten wirklich fünf oder sechs Jahre lang zusammenarbeiten, und haben in dieser Zeit nichts anderes gemacht. Aber wir sind sehr ambitionierte Filmemacher und haben uns inzwischen sozusagen mit dem Zelluloid-Virus infiziert. Peter Clausen: Wenn ihr also jemals zu Spaced zurückbrächtet, würdet ihr aber auch ein paar Jahre warten, oder? Nick Frost: Das wäre dann wohl Pflicht. Peter Clausen: Und dann könnte man sagen: "Wir befinden uns jetzt in einem ganz anderen Lebensabschnitt, lasst uns schauen was aus diesen Charakteren geworden ist." Das wäre dann sinnvoller, als heute weiterzumachen, obwohl sich die Figuren noch nicht signifikant verändert hätten.
Nick Frost: Aber das wäre dann auch nicht mehr Spaced. Es wäre nicht mehr die gleiche Serie. Dann könnte man es auch ganz anders nennen, und sechs andere Leute ins Haus stecken.   Gruppe: Dann wieder war Spaced in Großbritannien sehr erfolgreich, im restlichen Europa jedoch eher unbekannt. Eine neue Staffel, die sich nicht großartig auf die vorhergehenden Ereignisse bezieht, würde also Sinn machen. Nick Frost: Ja, das würde wohl funktionieren. Gruppe: Ist Hot Fuzz zu britisch? Nick Frost: Nein, das glaube ich nicht. Shaun of the Dead kam beim Publikum an, gerade weil der Film britisch war. Wir haben nicht das London gezeigt, das man sonst im Film sieht, wo der Hauptcharakter seine Vorhänge öffnet, und gleich den Tower und das London Eye sieht. London ist sehr groß, und es gibt viel mehr als nur die Queen. Wir zeigen gern die Gebiete von London, die normalerweise nicht gezeigt werden. Gassen und Orte an denen tatsächlich Leute leben. Gruppe: Wie ist eigentlich die Zusammenarbeit mit deinen Freunden? Kritisiert Edgar dich manchmal auch? Nick Frost: Aber sicher doch! Das ist ja auch seine Aufgabe. Ich bin immer überglücklich, wenn ich mit Simon, Edgar, unserer Produzentin Nira und Karen am Set bin. Wir fangen morgens um Acht an und hören Abends zwischen acht und zehn auf, und arbeiten mit absoluter Hingabe. Die zwischenmenschliche Nähe ermöglicht uns, ohne viele Worte zu kommunizieren. Ich weiß, was Edgar will, er muss es mir gar nicht erst sagen. Ich weiß immer was er will, und wo er es will. Gruppe: Aber wie bereitest du dich auf deine Rollen vor? Tauchst du einfach am Set auf und sagst: "Jetzt spiele ich meine Rolle"? Nick Frost: Genau (lacht). Aber im Ernst, ich fand es wesentlich einfacher diese Rolle zu spielen, als ich es bei Shaun fand. Wenn man mit so guten Freunden zusammenarbeitet, ermöglicht das auch eine gewisse Geborgenheit. Man taucht am Set auf und ist hundertprozentig selbstsicher. Man ist im richtigen Forum, um die bestmögliche Arbeit abzuliefern. Aber wir haben uns sehr diszipliniert vorbereitet. Wir haben trainiert und eine Menge Zeit mit echten Polizisten verbracht. Das hat uns echt die Augen geöffnet. Vorher mussten wir eigentlich nie recherchieren, zum Thema Zombies wussten wir schließlich alles, was es zu wissen gab. Gruppe: Hat sich dein Leben seit dem Erfolg von Shaun of the Dead verändert? Nick Frost: Eigentlich nicht besonders. Ich komme jetzt leichter in schöne Restaurants rein. Simon, die Produzentin, die Frau von der Garderobe und viele andere sind jetzt schon seit Jahren gute Freunde. Nichts verändert sich zu sehr. Also, irgendwie schon, aber in unserem Freundeskreis eben nicht. Aber ich kann eben nicht mehr einfach Milch holen gehen oder einen Abstecher in den Pub machen. Gruppe: Weil dich jetzt jeder auf der Straße erkennt? Nick Frost: Ganz genau. Es hat seine schönen Seiten, aber wenn man wie ich aus der Arbeiterklasse kommt, ist es immer seltsam. Wenn man auf der Straße ist, und einen plötzlich wildfremde Männer anstarren, reagiert man automatisch. Es ist wie ein Warnsignal. Man muss erst einmal lernen, sich nicht bedroht zu fühlen, und aufhören zu befürchten, dass dich jemand verprügeln will. Die Leute sehen einen nur an, weil man ihnen bekannt vorkommt. Gruppe: Ist das auch schon zu Spaced-Zeiten passiert? Nick Frost: Nein, nein. Das erste mal, dass so etwas passiert ist, war nachdem wir die erste Staffel von Spaced abgedreht hatten. Ich habe zehn Jahre lang als Kellner gearbeitet, und nach Ende der Dreharbeiten habe ich dann sofort gekündigt. Ich war jetzt beim Fernsehen und hatte diesen Job nicht mehr nötig. Tja, nach fünf Wochen hatte ich meine komplette Gage ausgegeben und musste dann ins Restaurant zurückkehren. Und da hat mich dann ein Kunde erkannt, dem ich die Rechnung gebracht habe. Der sieht mich also an, und fragt "Bist du nicht Mike aus Spaced?" Die meisten Leute sind wirklich nett, aber manchmal sprechen einen auch die Betrunkenen im Pub an, und dann weiß ich eigentlich nie so recht, was ich sagen soll. Gruppe: Wie waren die Dreharbeiten in Edgars Heimatstadt? Nick Frost: Das war toll! Es ist ein verschlafenes Nest, nicht wirklich ein Dorf, aber der Ort ist auch als "kleinste Stadt des Landes" bekannt. Filme sind eine gigantische Sache, mit hunderten Leuten, riesigen Lastwagen, und so weiter. In der ersten Woche war es fast wie ein Zirkus. Die Leute brachten ihre Kinder mit, machten Fotos von Simon und mir und schauten vorbei um uns die Hände zu schütteln. Und das war's dann auch. Nach einer Woche war es dann, als wären wir Alteingesessene. Manchmal waren wir schon um fünf Uhr morgens auf den Beinen um Schusswaffen abzufeuern, und niemand hat sich jemals beschwert. Und davor muss man Respekt haben. Nicht in jedem Ort hätten die Einwohner so viel Geduld gehabt. Gruppe: Erklär den Cornetto-Witz. Nick Frost: Das war ein Witz am Anfang von Shaun of the Dead. Wir haben ihn dann in Hot Fuzz erneut verwendet. Für Shaun haben wir eine lange Pressetour durch die Staaten gemacht. Aber während das englische Publikum sich immer köstlich darüber amüsiert hat, dass Ed um halb acht in der Frühe Eis isst, haben die Amerikaner nur mit einer Totenstille reagiert. Niemand wusste, was zum Teufel ein Cornetto war. Und mit Hot Fuzz haben wir dann gesagt: "Okay, jetzt wisst ihr was ein Cornetto ist. Hier ist der Witz noch einmal". Und vielleicht ist der Witz damit immer noch nicht beendet. Vielleicht war das alles nur Aufbauarbeit für den dritten Film. Peter Clausen: Stimmt es eigentlich, dass du ursprünglich eigentlich nur als Autor arbeiten wolltest? Nick Frost: Jein. Eigentlich wollte ich gar nichts sein. Ich hatte einfach keine Ambitionen. Ich habe mit Fünfzehn die Schule verlassen, und bin dann ein paar Jahre lang ziellos herumgeirrt. Danach verließ ich das Land für ein paar Jahre, verliebte mich und kehrte nach England zurück. Sie war Kellnerin, und deswegen habe ich dann eigentlich das Gleiche gemacht. Und weiter habe ich eigentlich nie gedacht. Ich war in meinem Beruf zufrieden, und das war auch schon alles. Während meiner Zeit als Kellner habe ich dann einen Roman geschrieben, der nie veröffentlicht wurde. Ich hatte immer das Bedürfnis zu schreiben, wollte immer die Existenzangst und den Weltschmerz haben, der es mir ermöglichen würde, Bücher zu schreiben. Ich schreibe gern. Vor einer Kamera aufzutreten war am Anfang sehr ungewöhnlich und peinlich für mich. Aber je länger ich es tue, desto mehr genieße ich es auch. Ich schreibe ja gerade einen Film, und so bin ich an einem Punkt angekommen, an dem ich beides tun kann. Und das ist toll! Peter Clausen: Vielen Dank für dieses Interview!
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