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Edgar Wright - Hot Fuzz

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An English transcript of this interview can be found here.  

Edgar Wright hat unser Leben bereichert - der britische Regisseur gab uns Spaced, er gab uns Shaun of the Dead und sein neuer Film, Hot Fuzz ist seit kurzem in den deutschen Kinos. Wir haben mit ihm gesprochen.

Einzelinterview 

Peter Clausen: Die Publicity-Tour für Hot Fuzz läuft nun schon seit einer ganzen Weile. Während ihr hier in Deutschland noch Interviews für den Kinostart gebt, macht ihr in Großbritannien schon die Runde für die DVD, richtig?

Edgar Wright: Ja, das stimmt. Es macht aber Spaß, wir sind in den letzten Monaten weit rumgekommen. Wir sind mit dem Film erst im Januar fertig geworden, deswegen fühlt sich alles auch immer noch sehr neu an. Und wir lernen außerdem Städte kennen, die wir noch nie zuvor gesehen haben. Dies ist meine erste Reise nach Hamburg.

Peter Clausen: Also bist du noch nicht ausgebrannt?

Edgar Wright: Naja, darauf kommen wir lieber am Ende des Tages zurück (lacht).

Peter Clausen: Was ist deine Meinung zum deutschen Untertitel?

Edgar Wright: Den habe ich gerade erst gesehen. Was heißt das? Zwei... heiße Profis?

Peter Clausen: Zwei abgewichste Profis. Der Titel ist ein wenig vulgär, und hat eine offensichtliche sexuelle Bedeutung.

Edgar Wright: Also könnte man es auf Englisch "Two Tough Bastards" nennen? Das ist okay. Es gibt einen amerikanischen Film namens "One Tough Bastard". Damit kann ich leben.

Peter Clausen: Kann man auch, aber auch in der deutschen Sprache hat der Titel trotzdem eine schmierige Aura.

Edgar Wright: Das ist okay. Der Titel Hot Fuzz hat auch schon eine unterschwellige erotische Bedeutung. Klingt fast wie ein Porno.

Peter Clausen: Was ist beim Erzählen einer Geschichte wichtiger: Plot oder Charaktere?

Edgar Wright:
Sie sind beide miteinander vernetzt. Der Plot wird von den Charakteren diktiert, die Charaktere treiben die Handlung voran. Beide gehen Hand in Hand.

Peter Clausen:
Und wo fängst du beim Drehbuchschreiben an? Kommt zuerst die Reise der Charaktere, oder beginnst du mit den essenziellen Meilensteinen der Handlung?

Edgar Wright:
Wie schon gesagt, sie sind identisch. In einer Geschichte wie dieser hier, ist die Reise von Nicholas Angel nach Sandford der Ausgangspunkt. Je mehr Geheimnisse des Dorfes er aufdeckt, desto mehr erfährt er über sich selbst, und lernt, ein kompletterer Mensch zu sein.

Peter Clausen:
Und hattest du jemals eine Situation, in der du beim Schreiben steckengeblieben bist, weil die unerwartete Entwicklung einer Figur sich mit der Handlung nicht vereinbaren ließ?

Edgar Wright:
Nicht wirklich, denn wenn man mit dem Schreiben beginnt, kennt man eigentlich schon das ultimative Ziel. Ich habe noch nie mit dem Schreiben eines Skripts begonnen, ohne das Ende zu kennen. Man weiß im Prinzip, worauf alles hinausläuft. Hot Fuzz entwickelt sich ganz gezielt auf das Ende zu, in die Richtung, die der Film, oder zumindest der Charakter von Nick Frost, anstrebt. Deswegen kommt der Titel des Films auch erst zum Schluss. Es dauert zwei Stunden, bis der Streifen tatsächlich zu Hot Fuzz, oder "Two Tough Bastards", wird.

Peter Clausen:
In meinen Augen war der Humor von Hot Fuzz etwas direkter als bei Shaun of the Dead oder Spaced. War das Absicht?

Edgar Wright: Ich glaube nicht, dass es viel direkter war. Wir haben allerdings diesmal wesentlich mehr verbalen Humor.

Peter Clausen:
Ich dachte da vor allem an Sachen wie die lebende Statue.

Edgar Wright:
Naja, die lebende Statue war eigentlich eher observativer Humor. Ich komme aus einer Kleinstadt genau wie Sandford, und wann immer wir Jongleure, Feuerschlucker, lebende Statuen oder andere Straßenkünstler zu Gast hatten, wurden sie von der lokalen Bevölkerung verachtet. Im Rathaus hatten sie mit Sicherheit nicht viele Freunde. Es sollte also nicht surreal sein, sondern eine Erkenntnis aus meiner Jugend.

Peter Clausen: Wo wir schon beim Thema Direktheit sind: Wie wichtig ist Natürlichkeit in Komödien?

Edgar Wright:
In Shaun of the Dead und Hot Fuzz haben wir ein natürliches, reales Element in der Performance unserer Darsteller. Deswegen sind die Witze auch oft überraschender. Viele Comedys werden sehr, sehr direkt gespielt, voller Albernheiten und Grimassen, aber das ist nicht unser Stil. Ich finde es schön, dass Hot Fuzz zahlreiche Arten von Humor hat. Mal sind die Witze verbaler Natur, dann wieder subtil, und im nächsten Moment sogar Slapstick mit Leuten, die über Zäune stolpern. Hin und wieder wird der Humor sogar richtig düster. Ich bevorzuge eine ausgewogene Mischung.

Peter Clausen: Es ist außerdem wichtig, dass es mehr als nur eine Komödie ist, oder? Wenn man nur lacht, ist es auch nicht mitreißend.

Edgar Wright:
Ich denke schon. Das ist der Unterschied zwischen Charakterkomödie und reiner Parodie. In Parodien wie Scary Movie fiebert der Zuschauer nicht mit, weil die Charaktere sich nur von einem Gag zum Nächsten bewegen. Wir versuchen, den Humor aus den Charakteren heraus zu entwickeln. Die gesamte Comedy in Shaun of the Dead entspringt aus den Reaktionen der Figuren, und in Hot Fuzz entsteht sie aus dem Kontext, all die Klischees aus großen amerikanischen Action-Filmen in einem ländlichen, britischen Setting zu sehen.

Peter Clausen:
Also geht es darum, das Alltägliche und das Ungewöhnliche gegenüberzustellen?

Edgar Wright:
Ganz genau. Wir stellen das Alltägliche und die Erwartungen für Genre-Filme gegenüber.

Peter Clausen: Und was hältst du persönlich von Parodien? Kannst du darüber lachen?

Edgar Wright: Über einige schon. In meiner Kindheit war ich ein großer Fan von Die Nackte Kanone, Police Squad, Top Secret und Airplane. Aber im Laufe der Zeit ging dem Genre wirklich die Luft aus. Die Filme konnten einfach nicht mehr überraschen. Die frühen Filme von Mel Brooks, in denen eine echte Liebe für das Material vorhanden war, sind auch viel besser als die späteren Streifen, in denen hauptsächlich der Erfolg an den Kinokassen zählte.

Peter Clausen: Und sobald man als Zuschauer anfängt, gezielt auf die nächste Slapstickeinlage zu warten, ist es auch wirklich nicht mehr lustig.

Edgar Wright: Stimmt. Ich bin kein großer Fan von Epic Movie, Scary Movie, Date Movie und wie sie denn alle heißen. Ich mag den Trend nicht, Szenen aus anderen Filmen aufzuwärmen, und noch ein paar Flatulenzwitze und Hip Hop obendraufzuwerfen. Und wenn sie dann auch noch anfangen, Szenen aus anderen Komödien aufzuwärmen ist es nur noch traurig. Einer dieser Filme hat Napoleon Dynamite parodiert. Dort haben die Charaktere dann T-Shirts getragen auf denen anstelle von "Wählt Pedro nicht" einfach nur "Wählt Pedro" stand. Etwas besseres ist denen nicht eingefallen?


Peter Clausen: Wer weiß, vielleicht parodieren sie ja eines Tages auch Hot Fuzz.

Edgar Wright: Ich glaube bei Hot Fuzz geht es hauptsächlich um die Situation. Man könnte Hot Fuzz nicht in den Staaten neu verfilmen, weil ein Großteil des Humors daraus entsteht dass wir britische Bobbys in diesen Situationen sehen. Ich glaube also, eine Hot Fuzz Parodie wird uns erspart bleiben. Es wäre allerdings lustig...  

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Gruppeninterview

Gruppe: Wie hast du dich auf Hot Fuzz vorbereitet?

Edgar Wright:
Ich bin wirklich ein Fan des Genre, also hatte ich schon eine Menge Actionfilme gesehen. Und dann haben wir sie nochmal angeschaut. Wir haben beim Schreiben viele Filme gesehen und gingen dabei durch drei Phasen: Filme, die wir schon kannten und nochmal anschauen wollten, großartige Filme, die wir noch nie gesehen hatten und schlechte Filme. Wir haben vermutlich so um die zweihundert Filme gesehen, nicht nur welche über Cops, auch Genres wie Western. Es war toll, denn die Recherchen für den Film bestanden zur Hälfte daraus, Filme zu sehen und zur anderen Hälfte daraus, über echte Polizisten nachzuforschen. Sozusagen eine praktische und eine theoretische Tätigkeit.

Gruppe: Wie waren die Dreharbeiten in deiner Heimatstadt?

Edgar Wright: Es war cool, aber auch etwas merkwürdig. Ich hätte nie gedacht, dass wir da tatsächlich drehen würden. Und wir drehten in der Innenstadt - in Wahrheit ist es eigentlich kein Dorf, sondern eine sehr kleine Stadt. Es war ziemlich großartig, besonders da wir keine Straßen abgesperrt hatten, so dass wir beim Filmen immer von alten Damen und Schulkindern umgeben waren.

Gruppe: Und, dürft ihr wiederkommen?

Edgar Wright: Ja, sie mochten es. Darüber hatte ich mir Sorgen gemacht. Wir hatten eine Premiere in London und fuhren dann nach Wells, wo wir in West Country Premiere feierten. Ich war besorgt darüber, wie man den Film, und was er im Endeffekt über die Kleinstadtmentalität aussagt, aufnehmen würde, aber sie mochten ihn wirklich. Und er läuft seitdem immer noch. Das sind jetzt fast vier Monate.

Peter Clausen: Seit einiger Zeit gibt es den Trend, erfolgreiche britische Produktionen wie The Office oder Life on Mars neu aufzulegen. Was würdest du von einem Remake von Spaced, Shaun oder Hot Fuzz halten?

Edgar Wright: Nun, wir hatten einige Anfragen. Sie wollten Spaced schon 2000 neu auflegen, aber es sah nicht wirklich so aus, als würde es in Amerika funktionieren. Und besonders Hot Fuzz wäre das sinnloseste amerikanische Remake, dass man sich vorstellen kann. Der ganze Witz ist ja, dass es sich in einen amerikanischen Film verwandeln soll. Wenn sie den in Amerika neu machen, wird es nicht anders sein als Bad Boys.

Peter Clausen: Wahrscheinlich würde er sogar in Los Angeles spielen.

Edgar Wright:
Ja. Bei Spaced dachte ich ja schon, dass es irgendwie sinnlos war. Ich glaube, ein Teil des Charmes unserer drei Werke ist, dass wir sie in einem britischen Setting kreiert haben. Neunzig Prozent der Filme, die im Kino laufen, stammen aus Hollywood, und sie durch einen anderen Filter wieder auszudrücken ist Teil des Charmes.

Peter Clausen: Eure Projekte sind auch sehr persönlich, nehme ich an.

Edgar Wright: Ja. Und natürlich hat man uns oft nach Shaun of the Dead gefragt, zum Beispiel auch nach Bühnenadaptionen oder einer Fernsehserie.

Peter Clausen:
Bühnenadaptionen?

Edgar Wright: Jemand hat uns ernsthaft ein Theaterstück geschickt. Und es war das gleiche wie bei der Fernsehserie: Wir hatten einfach kein Interesse dran.

Gruppe: Ich glaube nicht wirklich, dass sie überhaupt ein Remake eurer Filme machen müssen, sie sind in den Staaten auch so gut bekannt. Stehen euch nun die Türen offen, um ein paar groß angelegte Projekte in Amerika zu machen? Du warst ja schon bei Grindhouse am Rande beteiligt, oder?

Edgar Wright: Ja, ich habe bei einer der kurzen Sequenzen in der Mitte des Films Regie geführt. Die gefaketen Trailer. Ich hatte dabei so einen Wahnsinnsspaß. Wir sind zur Premiere hingeflogen, und mein Beitrag war wirklich das letzte, was für den Film noch gedreht werden musste, weil ich ja an Hot Fuzz gearbeitet hatte. Ich machte es dann Ende Februar und der Film lief so sechs Wochen später im Kino an. Aber es war cool, weil es Quentin und Robert echt gefallen hat. Ich hatte ziemlich viele gute Gelegenheiten, und ich möchte auf jeden Fall noch einen britischen Film machen und will definitiv noch einen in England mit Simon und Nick drehen. Aber ich habe auch Unmengen an anderen Ideen, die ich entwickle und aufschreibe.

Gruppe: Was ist mit der Comic-Verfilmung Ant Man? Das ist kein Film, den man von dir erwarten würde.

Edgar Wright:
Tja, irgendwie mag ich ihn.

Gruppe: Wird er denn lustig?

Edgar Wright: Er hat eine komische Seite. Mir gefällt die Tatsache, dass er niemandens Lieblingsheld ist.

Gruppe: Er hat noch nicht einmal seine eigene Comicreihe.

Edgar Wright: Er hatte tatsächlich mal eine eigene Serie. Der erste erschien 1962 und seitdem taucht er immer wieder mal auf. Es ist wirklich ein einzigartiges Konzept, und ich habe schon vor Shaun of the Dead angefangen, daran zu arbeiten. Es ist toll, Menschen in den Staaten zu kennen, mit Leuten wie Quentin und Robert und anderen Regisseuren zusammenzuareiten. Sehr ermutigend.
Gruppe: Die Filme von Tarantino und Rodriguez sind voller Gewalt. Magst du Gewalt? Bist du ein gewalttätiger Typ?

Edgar Wright:
Ich liebe Gewalt! Es gibt nichts bessers (lacht). Nichts mag ich am frühen Morgen lieber, als ein bisschen Gewalt.

Aber ich glaube, dass so viele Komödien richtig fade geworden sind. So viele davon sind irgendwie farblos, vorhersehbar und frei von Überraschungen. Und ich glaube in Shaun of the Dead und Hot Fuzz scheinen die Ereignisse wirklich unvorhersehbar. Das mag ich. Mir gefällt's, wenn Menschen auf die Folter gespannt werden. Sie wissen nicht wirklich, was auf sie zukommt. Hot Fuzz ist hauptsächlich eine Komödie, aber es hat auch Action-, Gewalt- und Horrorelemente.

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Gruppe: Die Anzahl der Todesopfer in Hot Fuzz ist wahrscheinlich größer als in Shaun of the Dead...

Edgar Wright: Ja, aber mir gefällt der Gedanke, dass der ganze Film darum geht, den Status Quo in diesem malerischen, schönen Ort aufrecht zu erhalten, und dann gibt es plötzliche Gewaltausbrüche. Unsere Idee war es, etwas in der Art von Agatha Christie zu nehmen und mit einer erhöhten Anzahl von Todesopfer zu versehen. Damit hing auch der Gedanke an die Actionfilme aus den späten Achtzigern und frühen Neunzigern zusammen. Diese Actionfilme, die im Kielwasser von Lethal Weapon und Die Hard rauskamen, wurden von Mal zu Mal gewalttätiger. Sie wurden auch immer spektakulärer, den Morden wurde mehr Beachtung geschenkt, die Tode wurden immer empörender und übertriebener. Und die Idee von Hot Fuzz entstammt wahrscheinlich aus meiner vergeudeten Jugend, in der ich Filme von der Sorte Robocop geschaut habe. Diese Filme haben Action und Satire, und sie sind lustig, aber es gibt darin auch Momente, die völlig unerwartet kommen. Gar nicht mal so verschieden von dem, was Quentin Tarantino macht. Einige der lustigsten Stellen in seinen Filmen sind von schockierender Gewalt. Wenn sie den Typen auf dem Autorücksitz erschießen, ist es unglaublich gewalttätig und unerwartet, auf die gleiche Weise wie der Tod des Reporters in Hot Fuzz.

Gruppe: Aber wie hast du die Kombination aus amerikanischem und britischem Stil in Hot Fuzz hingekriegt?

Edgar Wright: Das zugrunde liegende Konzept ist, dass man einen sehr britischen Polizeifilm schaut, der sich dann immer mehr in einen typisch britischen Film verwandelt. Je länger man ihn schaut, desto lauter wird es. Simons Stimme wird tiefer, es wird härter. In der letzten halben Stunde mutiert der Film wirklich zu einem amerikanischen Film.

Gruppe: Ist es also ein bisschen wie Adaptation, wenn es zum Film wird, den er nie schreiben wollte?

Edgar Wright: Absolut. Ein hervorragender Hinweis. In der Mitte des Films, wenn sie Bad Boys II schauen, schlafen sie ein. Als ob die Dinge, die im Fernsehen kommen, dir weiter im Kopf rumspinnen. Als ob Nicholas Angel bei Bad Boys II eingeschlafen wäre und es ihm in den Kopf eingedrungen wäre, so dass er ein immer knallharterer Cop zu werden anfängt.

Gruppe:
Aber der Film ist auch eine starke Satire, zum Beispiel auf Kleinstädter und auf die Londoner Polizei.

Edgar Wright:
Ja, ich glaube, da ist ein satirischer Aspekt. Es geht nicht unbedingt um die Polizei, aber um öffentlichen Dienst. Viele Organisationen setzen fürs Jahr willkürliche Ziele und Zahlen auf. Und in vielen Büros gibt es die Superüberflieger, deren Höchstleistungen noch weit über denen von anderen liegen, und diese werden immer als peinlich empfunden. Und wenn jemand in der Statistik weit oben ist, denken sie sich: "Hey, lass uns den Kerl wegschaffen, damit wir alle anderen besser dastehen."

Und da ist auch der Aspekt, dass die Bewohner jeder Kleinstadt Angst vor Veränderungen haben. Wie weit werden die Menschen gehen, um den oberflächlichen Glanz zu beschützen?

Peter Clausen: Geschichten mit unheimlichen Kleinstädten sind in britischen Filmen ja häufig zu finden. Diese Idee haben wir in unzähligen Episoden von Mit Schirm, Charme und Melone (The Avengers) oder in Filmen wie The Wicker Man gesehen. Warum ist dieses Konzept gerade in Großbritannien so beliebt?

Edgar Wright: Ich glaube, dass das ziemlich global ist. In amerikanischer Literatur findet man das auch, bei Dashiell Hammond zum Beispiel. Ich glaube, Wicker Man mag ich gerade, weil es das Klischee irgendwie zerrüttet. In diesem Film sind die Dorfleute in ihrer Vorstellung im Recht und der Held im Unrecht. Er ist der eigentliche Böse. Das gefällt mir wirklich. Ich glaube, das ist ein hervorragendes literarisches Motiv, das man in vielen Kurzgeschichten, beispielsweise bei Agatha Christie findet.

Ich stamme aus einer Kleinstadt und ich fand es immer komisch, dass es da Freimauerer gab, die sich im Besprechungssaal trafen. Und ich fand es auch immer irgendwie komisch, dass sie nach hunderten von Jahren in einem Hotelbesprechungssaal zusammenkommen. Früher hatten sie all diese Rituale und Zeremonien und jetzt ist es wie eine normale städtische Versammlung.

Gruppe: Sie hatten keinen Sarg dabei?

Edgar Wright: Nein. Ich fand es immer belustigend, das etwas mit so unheimlichem Beiklang jetzt auf eine durchschnittliche Stadtversammlung reduziert wurde.

 

Spoiler Anfang

 

Peter Clausen: Ich habe auch eine Frage über das Ende. Dannys Vater herrscht in Sandford wie ein selbsternannter Vollstrecker. Am Schluss sieht es aber aus, als würden Nicholas und Danny den gleichen Weg einschlagen, sie regieren Sandford jetzt ja auch mit einer eisernen Faust.

Edgar Wright: Nun, das fällt nicht vielen Leuten auf, aber in der letzten Szene trägt Nicholas Angel tatsächlich schwarz und Sonnenbrille. Er hat sich irgendwie in einen Superfaschisten verwandelt, ist wie Dirty Harry geworden. Also ist er jetzt eine Art Sheriff. Und das hat auch eine satirische Seite, da viele der Polizeifilme aus den Achtzigern von der politischen Rechte kommen. Die Fortsetzungen von Dirty Harry waren wie ein republikanischer Angriff auf Verbrechen. Es ist eine interessante Frage, ob die beiden diesen Weg gehen werden.

Peter Clausen: Es lohnt sich definitiv, darüber nachzudenken.

Edgar Wright: Absolut, und das war Absicht!

Gruppe: Wie groß war der Druck, dem Ruf von Shaun of the Dead gerecht zu werden?

Edgar Wright: Nun, mit jedem künstlerischen Vorhaben will man es ja besser machen als das, was vorher da war. Also haben wir auch sehr hart daran gearbeitet. Ich glaube, wir stehen immer unter Druck. Und in England hatten wir vorher schon eine erfolgreiche Fernsehserie gedreht, so dass auch bei Shaun schon viel Druck da war. Er ist immer da, und fördert die Motivation ungemein.

Gruppe: Wie habt ihr Cate Blanchett da reingekriegt?

Edgar Wright: Sie war Fan von Shaun of the Dead, und sie dachte, es wäre ein guter Witz. Das war toll.

Peter Clausen:
Vielen Dank für das Interview.

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