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Astro City: Der Gefallene Engel
astro cityUSA (2000) 

Autor: Kurt Busiek, Artwork: Brent Eric Anderson, Farben: Alex Sinclair, Cover: Alex Ross, Übersetzung: Gerlinde Althoff

Erschienen bei: Panini / Wildstorm
Preis: 19,95 €

Die realistische Darstellung von Superhelden mit all ihren Konsequenzen und Auswirkungen auf ihre Umwelt und dem, was die mal mehr und mal weniger maskierten Vigilanten überhaupt treibt, ist bereits seit Jahren ein Thema in der Comic-Welt. Alan Moores Watchmen und Top 10 behandeln dieses Motiv, Brian Bendis Powers tut das gleiche und auch Kurt Busiek geht es in seiner Serie Astro City weniger um dramatische Kämpfe zwischen Superhelden und Superschurken, sondern eher um das Innenleben der ungewöhnlicheren Bewohner der titelgebenden Stadt. Da erzählt einmal das örtliche Superman-Äquivalent von seinem stressigen Alltag, mal erfahren wir, warum ein eigentlich doch so fieser Superschurke zum Verbrecher geworden ist. Der Gefallene Engel, die erste seit längerer Zeit in Deutschland erschienene Astro City-Geschichte beleuchtet aber wieder eine andere Gruppe: Die der kleinen Gangster, der Handlanger, der B-Gegner, dem Kanonenfutter für die großen Helden. 

Schon ein einziger Blick auf das Cover macht klar, dass wir es hier wieder mal mit einer Noir-Geschichte zu tun haben. Der leicht heruntergekommene Held, der sich im Regen seine Zigarette anzündet, der scheinbar ausgefranste Rand der Titelseite, der an alte Pulp-Magazine erinnert - der Kenner weiß Bescheid. Nun ist der Bursche auf dem Cover aber kein gewöhnlicher kleiner Gangster, sondern Steeljack - ein kleiner Gangster mit einem festen, metallischen Überzug und übermenschlichen Kräften. Trotzdem ist er ein klassischer B-Villain - stark, aber nicht zu stark, resistent, aber nicht unverletzlich, intelligent genug, um in seiner rauen Umgebung zurecht zu kommen, aber trotzdem nicht unbedingt die hellste Leuchte in seinem Viertel Kiefer Square. Nun ist Steeljack, der eigentlich Carl "Carlie" Donewicz heißt (Steeljack ist nur eine aussprechlichere Fassung seines Decknamens "Steel-Jacketed Man") und Noir-Legende Robert Mitchum nicht nur zufällig ähnlich sieht, gerade frisch aus dem Gefängnis entlassen und will einfach nur noch sein Leben auf die Reihe kriegen. Und Noir-typisch wird das natürlich alles andere als einfach.

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Ein mysteriöser Killer dezimiert die Bevölkerung von Kiefer Square - in dem heruntergekommenen Viertel leben all die kleinen Gangster und die meisten von ihnen haben ihre aktiven Tage längst hinter sich. Steeljack wird angeheuert, um den Mörder zu finden. Natürlich ist das alles nicht so leicht: Jack ist kein Sherlock Holmes und wie will man in seinem alten Viertel, in dem es von ehemaligen Knackis nur so wimmelt, zurechtkommen, ohne gegen seine Bewährungsauflagen zu verstoßen? Trotzdem beißt sich Jack durch und so erfahren wir nicht nur, wie es dem silbrig glänzenden Protagonisten ergeht, wir erfahren auch das Schicksal des ehemaligen Superhelden El Hombre, das des britischen Genies Mock Turtle und was Teenager bewegt, in die fragwürdigen kriminellen Fußstapfen ihrer  Eltern zu treten.  

Klar, die Idee, Superhelden und ihre Widersacher realistisch zu beleuchten ist nicht neu. Und auch die Verbindung von Noir-Elementen mit dem Superhelden gab es bereits zu lesen. Aber was soll's, wenn das ganze so gut geschrieben und gezeichnet ist wie hier, dann sind wir doch sofort dabei. Und auch wenn man so manches Element bereits kennt, durch die Fokussierung auf Steeljack und sein kleines Gauner-Viertel lernt der Leser einen weiteren Aspekt des großen Comic-Kosmos kennen. Wer sind all die kleinen Bösewichter, das Kanonenfutter, das Superman schnell nach dem Frühstück unschädlich macht? 

Grafisch gefällt Astro City sehr gut - detaillierte Zeichnungen, die die typische Superhelden-Atmosphäre souverän einfangen und eine gelungene Computer-Kolorierung erfreuen das Auge und die heute so selten gewordenen Soundwords tragen noch zum klassischen Charme von Astro City bei. Ein besonderer Leckerbissen sind natürlich die Cover von Alex Ross, die zum Glück zwischen den einzelnen Kapiteln ohne Schrift und Logos bewundert werden dürfen.

Die deutsche Ausgabe von Panini umfasst sieben Einzelausgaben und ist auf sehr hochwertigem Papier gedruckt - für 19,95 € bekommt ihr also einen mehr als ordentlichen Gegenwert, auch die deutsche Übersetzung ist brauchbar. Natürlich kommen die klassischen Noir-Dialoge im englischen Original kerniger, die deutsche Version ist trotzdem absolut lesbar. Eine absolut lohnenswerte Anschaffung, auch für die, die vom Motiv Superheld mittlerweile genug haben. Hoffen wir, dass nach Der Gefallene Engel weitere Astro City-Serien ihren Weg nach Deutschland finden.

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Text Copyright Thomas Nickel 2007
Artwork Copyright Wildstorm

 

 
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