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Gorilla des Monats

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Gabriel Burns

burns Gabriel Burns

Regie:
Volker Sassenberg, Buch: Raimon Weber, Volker Sassenberg Sprecher: Jürgen Kluckert, Bernd Vollbrecht; Ernst Meincke, Björn Schalla, Bianca Krahl
Erschienen bei: Karussel
Preis: Vol. 1: 1 €  Gabriel Burns 01: der Flüsterer
weitere Folgen 6,95€ je CD Gabriel Burns bei Amazon.de

"Es existiert. Existiert in Euren Träumen. Lebt von der Nacht. Und Eurer Furcht. Ihr wisst, wovon ich spreche. Ihr meidet diese Orte. Macht "Psssst!" und seht Euch verstohlen um, wenn es jemand wagt, darüber zu sprechen. Würdet um nichts in der Welt um jene Ecke blicken, hinter der es so eigenartig geraschelt hat. War da nicht sogar ein Atmen?"
 
Hörspiel und Grusel waren schon immer eine ungemein reizvolle Mischung, denn schließlich hat  das akustische Medium seinen visuellen Konkurrenten gegenüber einen großen Vorteil. So grandios Bücher und Filme das Gefühl von Horror transportieren, lassen sie das Publikum schließlich nie im Dunkeln tappen. Wer liest oder auf den Bildschirm schaut, benutzt seine Augen, nimmt seine Umwelt nahe, und baut automatisch ein klein wenig mehr Distanz zu den grausigen Geschehnissen der Geschichte auf. Aber in Hörspielen existiert diese zusätzliche Dimension nicht. Wer im Dunkeln einem Hörspiel lauscht, fühlt sich wirklich allein und in die Handlung involviert. Und mit ein wenig Vorstellungskraft wird alles ein klein wenig realer und furchterregender.


Doch während der sanfte, komfortable Grusel aus Kinder und Jugendhörspielen, von der gelegentlichen Drei Fragezeichen Episode bis hin den dämonischen Abenteuern eines John Sinclair in Deutschland seit Jahren zum guten Ton gehört, war es um anspruchsvolle Erwachsenenkost lediglich schlechter bestellt. Zumindest bis 2003 die erste Episode der ungewöhnlich komplexen Horrorsaga Gabriel Burns erschien.

Stellt sich also die brennende Frage, worum es in besagter Serie geht. Alles beginnt mit einem Protagonisten in bester Stephen King Manier. Hauptcharakter Steven Burns verbindet nämlich weit mehr als nur der Vorname mit dem Gruselguru aus Maine. Tatsächlich weist der gute Mr. Burns nämlich so viele Eigenschaften eines typischen King-Protagonisten auf, dass es nicht mehr feierlich ist. Ein gescheiterter Schriftsteller mit dunkler Vergangenheit, moralisch fragwürdigem Lebenswandel und einer instabilen mentalen Verfassung? Das kommt uns doch bekannt vor. Aber Klischee hin oder her, nach einer kurzen Eingewöhnungszeit funktioniert der Charakter ganz hervorragend. Und das liegt nicht nur an der glaubwürdig emotionalen Sprecherleistung von Hauptdarsteller Bernd Vollbrecht, sondern auch an den zahlreichen Überraschungen, die Steven im Lauf der Serie eine Charaktertiefe verleihen, die ihn weit über den Seelenkrüppel-Schreiberling von der Stange hinausheben.

Aber eines steht fest: Steven hat zahlreiche Leichen im Keller. Man denke nur an die telekinetischen Fähigkeiten, mit deren Hilfe er im Kindesalter während eines Zaubertricks seinen Bruder Daniel für immer verschwinden ließ. War dieser Vorfall ein Versehen, Schicksal oder etwas ganz anderes? Und warum sucht die geisterhafte Stimme des Bengels unseren (Anti)-Helden immer noch heim? Wer sind die mysteriösen grauen Engel, die Steven scheinbar auf Schritt und Tritt folgen? Und warum wird er in einer Vision von einem seltsamen Wesen als Gabriel bezeichnet? Gute Fragen, aber weil die Antworten, hoffentlich, noch besser sind, werden derlei Rätsel natürlich nicht in der ersten Episode aufgeklärt. Im Gegensatz zum Gros der Hörspielkonkurrenz hat Gabriel Burns nämlich keine in sich abgeschlossenen Episoden, sondern eine zunehmend komplexe, fortlaufende Handlung.

Und besagte Handlung hat es in sich. Makaberer Horror und psychologischer Grusel spielen eine dominante Rolle im Gesamtgeflecht, treten aber wenn es sein muss für die erstklassig strukturierte Rahmenhandlung mit all ihren Mysterien, Plot-Twists und Überraschungen zurück. Wann immer der Hörer denkt, der Lösung ein wenig näher zu sein, wird ihm der Teppich unter den Füßen weggezogen. Jede Antwort wirft neue Fragen auf, und je weiter sich die unheilvolle Geschichte entwickelt, desto mehr wird das Publikum zum Mitdenken motiviert. Worauf Gabriel Burns am Ende hinauslaufen wird, lässt sich auch nach bislang 24 Episoden nicht absehen, aber solange die Serie weiterhin dermaßen unterhaltsame Erzählungen abliefert, und nebenbei solch gewichtige Themen wie die Sterblichkeit des Menschen unter die Lupe nimmt kann man sich darüber kaum beschweren.

Zugegeben, bei einer dermaßen gewichtigen Handlung besteht immer die Gefahr, dass das Ganze am Ende wie ein Kartenhaus zusammenfällt, aber zum Glück hat Gabriel Burns den richtigen Weg bisher noch nicht verlassen. Faszinierende Charaktere wie Stevens undurchschaubarer Auftraggeber Bakerman, oder der kaltblütige unsterbliche Luther Niles sorgen ebenso für ungeahnte Entwicklungen wie die gelegentliche experimentelle Episode. Es ist schwer zu sagen wer oder was Steven Burns wirklich ist. Um so klarer ist aber, was er nicht ist: Vorhersehbar. Für komfortable Einschlafberieselung ist Gabriel Burns nicht geeignet, für unkonventionelle Spannung dafür umso besser. Man darf gespannt sein, wie es weitergeht.

Text Copyright Peter Clausen 2007
Cover Copyright Karussel

 
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