USA (2007) Autor: Mike Carey, Artwork: Sonny Liew, Marc Hempel Erschienen bei: DC / Minx ca. Preis: 7,50 € / 9,99$ Re-Gifters bei Amazon.de
Fragt man mal fröhlich in Runde, worum es im durchschnittlichen US-Comic geht, dann wird der großteil der Antworten "Superhelden" lauten. Klar, die Flut an mal mehr, mal weniger gelungenen Marvel-Filmen der letzten Jahre und die unglaubliche Übermacht der Superhelden in den Regalen der Comicläden vermittelt schon ein eher eindeutiges Bild. Aber nach kurzem Suchen findet der interessierte Comic-Enthusiast hinter der Cape-tragenden Fassade ein reiches Vorkommen an Comics jeglicher Colour - Romantic Comedy, Thriller, Science Fiction, Action, Horror - alle erdenklichen Genres sind auch auf dem US-Markt vertreten. Ein wahres Bollwerk angenehm anderer Comic-Kost war in den letzten Jahren der Verlag Oni-Press. Mit Reihen wie Chynna Clugstons Blue Monday oder Judd Winnicks Barry Ween und abgeschlossenen One-Shots Marke Whiteout machte sich der fast ausschließlich in Schwarz-Weiß publizierende Verlag einen guten Namen. Und wer einmal einen Blick in Re-Gifters von Mike Carey, Sonny Liew und Marc Hempel wirft, der würde Stein und Bein schwören, hier eine Oni-Veröffentlichung vor sich zu haben. Inhalt, Stil, Aufmachung - alles riecht verdächtig nach dem kleinen Verlag aus Portland. Aber nein! Re-Gifters ist bei DC - bekannt für Superman, Batman und die JLA - erschienen! Genauer gesagt bei Minx, dem neuen Imprint des Großverlags. Minx soll vor allem Mädchen zum Comic bringen - eine völlig neue Zielgruppe für den Verlag, der den Großteil seiner Einnahmen durch 30-jährige Kellerkinder bestreitet. Von der etwas befremdlichen Tatsache mal abgesehen, dass ein Imprint, der auf weibliche Leser setzt, bisher fast keine weiblichen Autoren oder Zeichner an Bord hat, ein durchaus löbliches Unterfangen, gibt DC auf diese Weise doch talentierten Personen wie Andy Watson oder Derek Kirk Kim eine neue Plattform, ihre Werke unters Volk zu bringen. Auf den ersten Blick mag Re-Gifters-Schreiber Mike Carey nicht wie der perfekte Autor für das neue Label erscheinen: Auf sein Konto gehen bisher diverse Sandman, Lucifer und Hellblazer-Geschichten, auch bei diversen Ultimate-Superhelden-Reihen hat der stramm auf die 50 zugehende Brite seine Hand im Spiel. Aber trotzdem schafft er es, seine jungen Protagonisten ganz hervorragend zu schreiben - ob das etwas mit seinen 15 Jahren als Lehrer zu tun hat? Wer weiß...   Jen Dik Seong, von ihren Freunden einfach Dixie genannt, lebt irgendwo an der Westküste der USA, ist koreanischer Abstammung, macht im Kampfsport Hapkido eine ziemlich gute Figur und ist gnadenlos in Adam verschossen. Der praktiziert ebenfalls Hapkido und entspricht so ziemlich dem klassischen Klischee des kalifornischen Surfers: blond, lang, und reichlich oberflächlich. Aber dank wallender Teenager-Hormone ist Dixie das vollkommen egal - Adam ist der Lebensmittelpunkt, alles dreht sich um ihn. Dass dabei die Kampf-Konzentration leidet und auch Prioritäten gerne mal etwas verschoben werden ist da ja eigentlich ganz normal, nicht wahr? Und so reitet sich Dixie selbst in eine ganze Menge Probleme hinein - Stress mit den Eltern, Stress mit der besten Freundin, teure, ungeliebte Geschenke, die mehrfach den Besitzer wechseln, und die Teilnahme an der Hapkido-Meisterschaft, an der auf einmal einiges mehr als erwartet hängt , schwebt auch plötzlich in der Luft... Da ist das doch gut, dass Dixie selbst von den unerwartetsten Stellen Unterstützung bekommt. Re-Gifters hat wieder dieses wunderbare "Zwischen den Welten"-Gefühl, das ein großer Teil der Gorilla-Redaktion so schätzt. Das Ganze fühlt sich immer wieder etwas nach Manga an - Format, Aufmachung, verzicht auf Farbe - gleichzeitig verzichtet Re-Gifters aber auch auf lästige Manga-Klischees, bietet einen hervorragenden Lesefluss und vermeidet unnötigen Shojo-Kitsch komplett. Das Setting, koreanische Auswanderer in den USA, hat schon der bereits erwähnte Derek Kirk Kim (über den wir irgendwann auch nochmal berichten werden) dem Leser näher gebracht und auch Carey schafft es schnell, den Leser zu fesseln und durch seine Protagonisten einen frischen Blick auf den Alltag zu bieten. Fragen von Integration und Identität werden angesprochen, aber niemals zum Drama hochstilisiert - Re-Gifters findet auch hier die richtige Balance.  Die Zeichnungen von Sonny Liew und Marc Hempel brauchen eine kurze Eingewöhnungsphase. Auf den ersten Blick wirken sie etwas fahrig und schludrig - aber nach den ersten Seiten hat man sich an den ungewöhnlichen, oft etwas überzeichnet-cartoonhaften Stil gewöhnt und schätzt diesen am Ende sogar sehr - das erinnert nicht von ungefährt an Brian Lee O'Malley (Lost at Sea, Scott Pilgrim). Re-Gifters ist ein wunderbares Comic-Leichtgewicht - flott, unterhaltsam und einfach nett. Und man freut sich einfach für Dixie, wenn sich die Probleme gegen Ende endlich auflösen und sie wieder mit klarem Blick ihr Ziel vor Augen hat und der Comic geradewegs auf das unvermeidliche Happy End zusteuert. Das sieht zwar nicht so aus, wie Anfangs erwartet, aber so soll es ja auch sein. Ein sehr feiner Comic, nicht nur für Mädels im Alter der Protagonistin. Text Copyright Thomas Nickel 2007 Artwork Copyright Minx |