|

USA (2007) Autor: Lim Dall-Young, Artwork: Roh San-Yong, Übersetzung: Hie-Jung You, Hyo-Seung You Erschienen bei: Panini / Planet Manhwa ca. Preis: 7,95 € Zero - Circle of Flow bei Amazon.de
Comics und Bücher werden nach den verschiedensten Faktoren gekauft. Der eine schwört auf einen bestimmten Autor, der andere liest sowieso nur schwere Fantasy-Schinken, hier schwört jemand auf kitschige Schnulzen Marke Chefarzt Dr. Holz und beim Cover von Zero - Circle of Flow hofft man im Hause Panini wohl inständig, das der potenzielle Käufer zu Hause eine ordentliche Sammlung an SNK-Prüglern im Regal hat. Denn man muss doch wirklich zugeben - die Ähnlichkeit des Knaben auf dem Cover mit King of Fighters-Held Kyo Kusanagi lässt sich kaum wegdiskutieren. Und so wie es das Cover schon vermuten lässt, geht's auch beim Inhalt von Zero ums Prügeln. Held Yugi haut sich dabei so gut wie kaum ein anderer und schon als Oberschüler nimmt er es locker mit ganzen Gangs auf. Seine einzigen Probleme sind seine ziemlich besitzergreifende kleine Schwester und seine immer wiederkehrenden Träume von Leuten in seltsamer Kleidung die über Macht, Clans und Krieg reden. Und seit er bei der Rettung eines Mädchens von einem Laster angefahren wurde hat er diese Träume nicht nur bei Nacht, jetzt verfolgen sie ihn auch schon am Tag. 
Aber auch wenn es ums Kämpfen geht ist Zero (zumindest im bislang erschienenen ersten Band) kein reiner Prügel-Comic - tatsächlich steht Charakter-Interaktion und Story-Aufbau bisher im Vordergrund. Kryptisch bleibts aber dennoch: Der erste Band ergeht sich größtenteils in Andeutungen, es ist tatsächlich nicht wirklich leicht zusammenzufassen, was denn nun passiert. Da ist Yugis deutschstämmige Lehrerin die scheinbar ein Auge auf ihn geworfen hat und ihn zu einer Truppe Wahrsager bringt die ihm mit seinen Träumen helfen sollen. Dann ist da Yugis üppige Schwester Yeongsi die ihn vor seinen zahlreichen Verehrerinnen abschirmt und selbst eine fast schon zu innige Zuneigung zu ihrem Bruder hat. Und dann kommt noch Na Ha ins Spiel, das Mädchen das Yugi vor einem Auto-Unfall gerettet hat und die ihn zum Mann ihres Lebens auserkoren hat. Ach ja, und ein mysteriöser junger Japaner der sich ebenfalls durch Koreas Halbwelt prügelt und es offenbar auf Yugi abgesehen hat. All diese Plot-Elemente werden im ersten Band angerissen, viel mehr erfährt man aber nicht. Zeichnerisch bietet Zero klassische Manhwa-Kost. Stachelfrisuren, üppige Dekolletés, stylische Kostüme und viele Nahaufnahmen und Speedlines beherrschen das Bild, detaillierte Hintergründe sind eher die Ausnahme. Dafür passt der Lesefluss.Das Charakterdesign hat auch einen gewissen "Von der Stange"-Charme: Der unbedarfte Leser kommt durchaus mal in die Verlegenheit sich zu fragen, ob er nun gerade Yugi oder seinen japanischen Vielleicht-Rivalen vor sich sieht. Und der SNK-Einfluss ist auch im Comic selbst und nicht nur auf dem Cover deutlich zu erkennen... 
Im ersten Band von Zero - Circle of Flow wird viel angelegt und viele Figuren werden vorgestellt, echte Handlung ist aber bisher noch etwas knapp, weckt aber durchaus Interesse an der Geschichte - hoffentlich nutzt Autor Lim Dall-Young das angelegte Potenzial und verpasst Zero in den kommenten Bänden noch etwas mehr Plot um die durchaus sympathischen Protagnosisten und ergeht sich nicht weiterhin in Andeutungen. Klar, es gibt weitaus originellere Comics in Korea, aber ordentlich erzählte und präsentierte Genre-Kost ist auch immer wieder mal was feines. Wenn es also simple Unterhaltung zum Abschalten sein darf, dann könnt ihr euer Geld weitaus schlechter investieren als in Zero - Circle of Flow. Text Copyright Thomas Nickel 2007 Artwork Copyright Panini |