Snow Patrol: Eyes Open (UK, 2006) Plattenfirma: Polydor Tracks: 11 Erscheinungsdatum: 31. Oktober 2006 ASIN: B000JUBICU Preis: ca. 14 € Eyes Open bei Amazon.de Snow Patrol haben mittlerweile schon vier Alben raus, aber irgendwie hats mit der Bekanntheit in Deutschland etwas gedauert. Was aber keineswegs schlecht ist, denn das neueste Album Eyes Open ist eindeutig besser als noch sein Vorgängeralbum Final Straw. Während Final Straw außer Run nicht sehr viel herausstechende Songs zu bieten hatte, ist Eyes Open wenigstens schon einen Schritt weiter. Dem Hörer eröffnet sich auf jeden Fall eine weite Spanne an Liedern - ruhige, poppige, rockige, aber auch etliche sehr mittelmäßige Tracks, alles im beliebten Bereich der Lovesongs. You’re All I Have, der Eröffnungssong des Albums, ist ziemliches Pop-Mittelmaß und wartet mit einem recht billig wirkenden Refrain auf. Zum Glück täuscht der erste Eindruck dann gleich beim zweiten Lied, dem rockigerem und Bass-lastigen Hands Open. Das ausgekoppelte Chasing Cars, ein zuckersüßes Liebeslied, ist angenehm komponiert und prima geeignet für's Radio und zum Mitsingen. Ein taktisch kluger Schachzug, das Lied als erstes Herauszubringen. Es ist zwar keineswegs das beste des Albums, doch das beste Allgemeintaugliche.
Wo die Hände und Augen bis eben noch offen waren, wird jetzt um's Gegenteil gebeten: Shut Your Eyes lädt mit einem gekonnt arrangierten Rhythmus zum langsamen Tanzen ein – und dazu, wirklich mal die Augen zu schließen und die Musik einfach auf sich wirken zu lassen. Auch die Nummer 5 des Albums, Beginning To Get To Me, gehört noch zu den besseren, wird dann aber abgelöst von dem etwa grausigen You Could Be Happy. Wer auch immer da die naiv-schlechte Musik druntergelegt hat, gehört mal gehörig getreten - zwischen zwei so gute Songs eine solche Niete zu setzen.
Denn Make This Go On Forever, der siebte Track, beweist richtig Können bei Melodie und Arrangement, besonders in der Verbindung zwischen der Musik selbst und dem vermittelten Text. Je öfter der Sänger seine Freundin bittet, ihn nicht zu verlassen, desto eindringlicher wird der Chorus und desto lauter die dahinter liegende Musik, bis alles hart abbricht und er nur noch leise bettelt: "please just save me from this darkness…" Großartig geht es dann auch weiter mit Set the Fire To the Third Bar, ein Duett mit Martha Wainwright, deren zarte und doch eindringliche Stimme völlig problemlos Snow Patrol’s Sänger Gary Lightbody an die Wand spielt.
Headlights gehört dann leider wieder vom Album gekickt, und zwar bitte in vollem Bogen, allein schon wegen der schlechten Platzierung von schnellen harten Drums direkt in Anschluss an den ruhigen Vorgängersong. Open Your Eyes ist wieder besser, auch wenn der Refrain da nicht seinen Beitrag zu leistet. Mit Finish Line bekommen wir dann etwas ebenso ruhiges wie nichtssagendes vorgesetzt, und Untilted ist nichts weiter als aufgenommene Kinderstimmen im Hintergrund – ohne irgendeinen Vordergrund. Schön, dass In My Arms und Warmer Climate dann wenigstens noch einen angenehmen Abschluss für das Album bilden, auch wieder ruhiger und mit dem vielsagenden Endsatz "I’m so glad that this has taken me so long, cause it’s the journey that made me so strong". Vielleicht auch sinnbildlich für das musikalische Schaffen der Band, denn wenn sie weiter mit jedem Album ein Stück besser werden, denn können wir vielleicht auch bald froh sein, wenn es etwas länger gedauert hat, wenn dafür dann ein noch besseres Album dabei herauskommt. Text Copyright Judith Harbich 2007 Coverartwork Copyright Snow Patrol  |