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Gorilla des Monats

bernie 
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The Critic

Critic USA, 1994-1995

Umfang: zwei Staffeln, mit insgesamt 23 Episoden a' 25 Minuten, Buch: Al Jean, Mike Reiss, Regie: Steve Socki, u.a., Musik: Hans Zimmer, Sprecher: Jon Lovitz, Nancy Cartwright, Christine Cavanaugh, Gerrit Graham, Doris Grau, Judith Ivey, Nick Jameson, Maurice LaMarche, Charles Napier, Park Overall, Kath Soucie, Russi Taylor

Das Warten hat ein Ende: Nach jahrelangen Produktionsquerelen sind die Simpsons endlich im Kino angekommen um ihren angeschlagenen Ruf als Amerikas komödiantische Vorzeigesippschaft wiederherzustellen. Ein gefundenes Fressen für Kritiker also, denn hohe Erwartungen führen bei Sommer-Blockbustern nur allzu oft zum tiefen Fall. Ein Glück also, dass die Familie aus Springfield für die Verbalschlacht mit dem unbarmherzigen Kritikermob gerüstet ist, hat sie doch bereits gegen Ende der sechsten TV-Staffel einschlägige Erfahrungen mit den selbsternannten Scharfrichtern des guten Geschmacks gesammelt. Wer sich an Homers epischen Konflikt mit dem pummeligen Rezensionsguru Jay Sherman in der Episode "Springfield Film Festival/A Star is Burns" erinnert, weiß wovon die Rede ist. Vom Gastauftritt des mexikanischen Regie-Wunderkinds Senor Spielbergo, über zahlreiche clevere Filmparodien bis hin zu den schockierenden Enthüllungen über den feinen Herrn MacGyver reiht sich diese Episode perfekt in die goldene Ära der Simpsons ein. Stellt sich nur die Frage, warum wir Jay Sherman, abgesehen vom gelegentlichen Cameo-Auftritt, nie wieder in Springfield gesehen haben.

Und die Antwort? Ist überraschend simpel, denn schließlich war der gute Jay über mehrere Jahre hinweg mit der Arbeit an seiner eigenen Zeichentrickserie, The Critic, komplett ausgebucht. Von 1994-95 produzierte das Team um Simpsons-Produzent James L. Brooks und seine Chefautoren Al Jean und Mike Reiss insgesamt 23 Episoden rund um den cineastischen Alltag des zynischen New Yorkers. Aber obwohl der Critic einen Großteil seines Produktionsteams aus dem Simpsons-Lager abgeworben hat, sollte man nicht den Fehler machen diese Serie als unbedeutende Fußnote in langen Familiengeschichte von Amerikas populärster TV-Sippschaft abtun. Dafür ist diese Serie nämlich viel zu originell, eigenständig und unterhaltsam.

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So hoch die Qualität der Episoden allerdings war, konnte Jay Sherman nie die Herzen der breiten Masse erobern. Letzten Endes konnte sich das Publikum mit dem übergewichtigen, frustrierten, glatzköpfigen Großstadtneurotiker einfach nicht anfreunden. Während es bei den Simpsons für jeden Zuschauer die passende Identifikationsfigur gibt, spricht der gewichtige Filmkritiker ein wesentlich kleineres Publikum an. Das soll aber nicht heißen, dass The Critic keinen emotionalen Kern hat. Im Gegenteil sogar, die Handlung ist stets gut durchgeplant und mit Bedacht strukturiert, aber obwohl die Verwandtschaft unseres Protagonisten eine signifikante Rolle spielt, konzentrieren sich die Autoren in ihren Skripts meist auf treffsichere Mediensatire, bizarre Filmparodien, den Arbeitsalltag hinter den Kulissen von Jays Kinosendung "Coming Attractions", und die allgegenwärtigen Stolpersteine des urbanen Single-Lebens. Jay Sherman ist vieles, aber ein Jedermann ist er mit Sicherheit nicht.

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Wer jedoch mit dem entsprechend Filmwissen gewappnet an die Serie herangeht, wird doppelt und dreifach belohnt. Manchmal scheint es fast, als würde sich das komplette Leben von Jay Sherman aus Filmparodien zusammensetzen. Vom altmodischen Musical bis hin zum japanischen Monsterstreifen wird kein Genre verschont. Und dabei beschränken sich Jean und Reiss nie auf die offensichtlichsten Ziele. Altstars wie Orson Welles, oder der dauerbeschwipsten Dudley Moore kriegen ebenso ihr Fett ab, wie die Blockbuster der Neunziger.

Noch interessanter wird es allerdings, wenn die Funktionsweisen der allmächtigen Hollywoodmaschine direkt angegriffen werden. Man denke nur an die Episode "L.A. Jay.", in der unser Protagonist an seinem großen Durchbruch als Drehbuchautor arbeitet. Aber wer sich in den Kopf gesetzt hat, mit einem unterhaltsamen, anspruchsvollen und aufrichtigem Skript die Leinwände zu erobern, hat die Rechnung ohne die Hollywood-Mafia gemacht. Wann immer die Autoren gnadenlos mit der Traumschmiede abrechnen, ist der korpulente Kritiker in absoluter Hochform. Man spürt, dass die Autoren ebenso wie ihr Hauptcharakter Jay Sherman eine unbändige Hassliebe für die Filmindustrie empfinden.

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Aber für den Mainstreamerfolg war das nicht genug, daran konnte selbst das talentierte Ensemble unter der Führung von Filmkomödiant Jon Lovitz nichts ändern. Trotz pointierter Drehbücher, sympathischer Charaktere und herrlich bizarrer Slapstickeinlagen ging Jay Sherman letzten Endes am Filmgeschmack der breiten Masse zugrunde. Ein passendes Ende für einen verbitterten Kritiker? Vielleicht. Aber wer auch nur im Ansatz eine Affinität für Filme, oder gute animierte Comedy hat sollte mit dem Kauf des regionfreien amerikanischen DVD-Sets liebäugeln, denn in Punkto Qualität ist der gute Jay (fast) über jede Kritik erhaben. 


Text Copyright 2007 Peter Clausen
Bilder Copyright Columbia Tristar

 
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