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Gorilla des Monats

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Marvel Zombies
Marvel ZombiesUSA / UK (2006) 

Autor: Robert Kirkman, Artwork: Sean Phillips, Farben: June Chung, Cover: Arthur Suydam, Übersetzung: Reinhard Schweitzer 

Erschienen bei: Panini / Marvel Deutschland
Preis: 16,95 €

Beim Betrachten des Covers dieses Bandes hat man unwillkürlich eine hypothetische Marvel-Redaktion vor Augen, die gerade den Geistesblitz "Marvel Zombies!" hatte und sich darüber ordentlich beömmelt. Dann, nach Luft japsend, wird sofort die Umsetzung eingefordert; man macht sich umgehend auf die Suche nach dem passenden Autoren. Fragt sich allerdings, ob derlei Schnapsideen immer der Realisierung bedürfen. Das Konzept eines Paralleluniversums, in dem die gesamte Superheldenmannschaft von Marvel (untot) mächtig Kohldampf nach menschlichem Gehirn schiebt, aber dummerweise schon den ganzen Planeten leergemampft hat - das mag in einer Mark Millar-Storyline für Ultimate Fantastic Four noch dezent unheimlich gewirkt haben. Aber dem Zombie-Spezialisten Robert Kirkman dann den Auftrag für eine ganze Miniserie mit den kompostierbaren Stretchanzug-Trägern zu erteilen, das grenzt an grobe Fahrlässigkeit, wenn man sich das Ergebnis so ansieht.

Kirkman reagiert auf die ziemlich idiotische Herausforderung von Marvel Zombies mit hilflosem, weitestgehend inkohärentem Zynismus. Nach kurzem konventionellem Anlauf pendelt sich die Erzählperspektive praktisch durchgängig auf den Blickwinkel der Super-Zombies ein; anschließend reiht sich ein belangloses, pseudo-subversives Schnetzel-Event ans andere. Amoralisch muss es zugehen, das war wohl das einzige wirklich greifbare Konzept: Peter Parker hat seine Frau und seine Tante gefressen und jammert beständig darüber (zugegeben sehr lustig); Giant-Man (oder wie er auch heißen mag) hält den Black Panther in einem Keller unter Narkose und schneidet sich ab und an mal ein Stückchen lebenden Superhelden ab (weniger lustig); in jedem zweiten Panel stirbt im Hintergrund ein zombifizierter Heroe aus der zweiten Reihe einen "humorvollen" Tod (meistens gar nicht lustig). Mag der eigene Magen dabei noch so gestählt sein durch jahrelangen Horrorkonsum: ein ungutes Gefühl stellt sich trotzdem ein. Der fröhliche Nihilismus, auf diese naiven Superheldenkonzepte angewandt, mag für diesen Rezensenten einfach nicht funktionieren. Stattdessen sorgt er nur für unbestimmtes Unwohlsein bei jeder neuen Schandtat, über die man sich in einem handelsüblichen Horrorcomic sonst weniger Gedanken machen würde. Die drängendste Frage dabei: Warum sind all diese vormals strahlenden Helden mehr oder minder bei vollem Verstand, aber nur Peter Parker hadert seines schlimmen Schicksals? Oder anders gesagt: Das Konzept von Marvel Zombies ist von solch sagenhafter Armut, dass es zusammenbrechen würde, würde sich auch nur eine der sonst so heroischen Figuren für einen Augenblick halbwegs in character benehmen und nach einem Ausweg aus der Misere suchen.

Marvel Zombies 01Marvel Zombies 02

Unterm Strich also: Hier nagen nicht wirklich Captain America, Hawkeye und Wolverine an menschlichen Suppenknochen, sondern fade Typen, die eben so aussehen wie genannte Helden, mit den eigentlichen Charakteren aber letzten Endes ziemlich wenig gemein haben. Die Geschichte ist hohl und leer und hat all die Eleganz und den Glamour eines Fünfgängemenüs beim Fast Food-Schuppen eurer Wahl: Erst wird Magneto auf wahnsinnig amüsante Weise gefressen, dann der Silver Surfer, und so weiter. Das wäre ja alles in Ordnung, wenn der Quatsch wenigstens Spaß machen würde. Anscheinend hat die Miniserie auf das amerikanischen Publikum genau diesen Haha-Effekt ausgeübt - dort war Marvel Zombies befremdlicherweise ein Überraschungshit. Wir Gorillas betätigen uns lieber als Spaßbremse, schaudern kurz ob der kolossalen Verschwendung des Talents von Kirkman und Sean Phillips (dessen Zeichnungen wie immer extrem schick ausfallen) und lesen dann doch lieber weiter Kirkmans weitaus unterhaltsamere Walking Dead und Phillips' exquisite Noir-Serie Criminal. Wir raten euch, dasselbe zu tun.

 

Text Copyright Jochen Ecke 2007
Artwork, Cover Copyright Marvel Characters / Panini Verlagsgruppe

 
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