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  Manchmal kann einen der Studentenalltag richtig krank machen
Der wahre Star der Serie ist jedoch offiziell nur eine Nebenfigur. Lizzies Lebenspartner Eric (gespielt von Freaks and Geeks-Star Jason „Nick Andopolis“ Segel) gehört zu den erratischsten Kreationen der TV-Geschichte. Mit all seinen Selbstzweifeln, Minderwertigkeitskomplexen und bizarren Stimmungsschwankungen reißt Eric jede Szene, in der er auftritt komplett an sich. Das ist besonders beeindruckend wenn man bedenkt, dass diese Figur in gerade einmal drei Episoden in Fleisch und Blut dabei ist. Alle anderen Auftritte des großen Eric ereignen sich in Form seines obligatorischen Telefonats mit Lizzie, welches sich in fast jeder Episode zur grandiosen Farce entwickelt. Apatow ist ein Drehbuchautor- und Regisseur, der mit dem eigenen Material, der hohen Qualität zum Trotz, selten vollauf zufrieden ist. Da er jedoch umso mehr auf seine Schauspieler setzt, erlaubt er es der Besetzung, das Material so oft wie irgendmöglich zu improvisieren. Heraus kommt eine Serie, in der viele der besten Gags von den Schauspielern selbst erarbeitet wurden. Manchmal macht sich dies nur in der Mimik und Gestik bemerkbar, oft wurden jedoch auch ganze Szenen von den Darstellern selbst erarbeitet. Und niemand beherrscht diese Kunst besser als Jason Segel, der seinem Charakter im gleichen Moment Pathos und Humor verleihen kann, ohne eine merkliche Diskrepanz zwischen den Gegenpolen herzustellen. Manchmal müsste man sich schon fast dafür schämen über einen pathetischen Loser wie Eric zu lachen, wenn da nicht Segels einmalige Interpretation der Figur wäre.   Der mächtige Eric und seine Kollegen aus dem Copy Shop Und obwohl die etwa halbstündigen Episoden nur selten über ernsthafte Momente im Stil der Vorgängerproduktion verfügen, sollte Undeclared, zumindest für Akademiker, trotzdem einen gehörigen Identifikationsfaktor bieten. Keine andere Serie hat jemals versucht, den typischen Studentenalltag so lebensecht einzufangen. Sofern man es schon einmal mit lärmenden Mitbewohnern, abgeschriebenen Hausarbeiten, langweiligen Wochenenden, undankbaren Nebenjobs oder Professoren die einfach nur „dazugehören“ wollen zu tun hatte, dürfte diese Serie schnell zum Déjà Vu werden. Ist Undeclared ein Meisterwerk der Klasse von Freaks and Geeks? Nein! Aber solange man als Zuschauer nicht pausenlos Vergleiche zieht, ist das auch gar nicht nötig. Keine Frage, die Comedy funktioniert makellos. Die Pointen sind treffsicher, und die Schauspieler bringen das Material genau richtig rüber. Anstatt den Horror der High School Revue passieren zu lassen, zelebriert Undeclared das Studentenleben mit all seinen Sonnen- und Schattenseiten. Und dank ebenso lebensecht charakterisierter wie sympathischer Hauptcharaktere geht dieses Konzept hundertprozentig auf. Man fragt sich fast, warum die meisten Kinokomödien im College-Setting so universell furchtbar sind, wenn für den Fernsehbildschirm Material mit der Klasse eines Undeclared produziert wird.   Lizzie und Eric: So viel Leidenschaft, so viel Schmerz... Um so bedauerlicher, dass sich auch diese Produktion bei den Zuschauern nicht durchsetzen konnte. Nach 17 Folgen wurde Undeclared für immer vom Äther verbannt. Ironischerweise brachte es das massenmarkttaugliche Freaks and Geeks letzten Endes auf eine Folge weniger als das Original. Inzwischen hat sich ein Großteil des Produktionsteams aber in der erfolgreichen Kinokomödie Jungfrau (40), männlich, sucht... (Originaltitel: The 40-Year Old Virgin) wiedergefunden. Inzwischen arbeitet Apatow an einem neuen Film, in dem mit Seth Rogen einer der talentiertesten Darsteller beider Serien die Hauptrolle übernehmen wird.
In Deutschland lief die komplette Serie übrigens vor ein paar Jahren mit überraschend passablen Quoten im Nachmittagsprogramm von Pro Sieben. Und im Nachhinein hatte selbst der teutonische Titel American Campus seine Vorteile – denn in einem der Audiokommentare des amerikanischen DVD-Sets macht sich das Undeclared-Team herrlich sarkastisch über diesen Namen lustig. Apropos DVD: Diese ist mal wieder überaus luxuriös ausgestattet. Kommentarspuren für jede einzelne Folge, ein Live-Konzert des Hal-Karp-Darstellers- und Liedermachers Loudon Wainwright, ein ausschweifendes Interview mit Apatow und den Darstellern sowie zahlreiche improvisierte Extraszenen halten den Zuschauer lange auf Trab. Einziger Wehrmutstropfen: Bei der Zusammenstellung der einzelnen Scheiben wurden ein paar Folgen in der Reihenfolge vertauscht. Um Verwirrung im Ablauf des Handlungsbogens zu vermeiden, muss also ein paar mal zwischen den Discs hin- und hergewechselt werden. Aber so wenig ein solcher Faux Pas passieren darf, so schnell verzeihe man es im Angesicht des Gesamtergebnisses. Undeclared ist eine perfekte Ergänzung im DVD-Regal jedes TV-Freaks (und Geeks). Text Copyright 2006 Peter Clausen Undeclared Copyright Dreamworks Television, Apatow Productions, Fox
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