USA (2007) Buch: Judd Apatow, Regie: Judd Apatow, Kamera: Eric Alan Edwards, Musik: Joe Henry, Loudon Wainwright III, mit: Seth Rogen, Katherine Heigl, Paul Rudd, Leslie Mann, Jason Segel Originaltitel: Knocked Up Erschienen bei: Universal Preis: ca. 14 € Beim ersten Mal bei Amazon.de Romantische Komödien sind ein Genre, das selbst gestählten Cineasten kalten Angstschweiß über den Rücken jagt. Warum diese zynisch inszenierten Märchen mit ihren idealisierten Charakteren, Kalauern aus der Mottenkiste und vorhersehbaren Plot-Twists seit Jahr und Tag für klingelnde Kassen sorgen? Wer weiß das schon. Fest steht nur, dass das Publikum von den faden Klischees dieser Gattung immer noch nicht genug hat. Egal ob sich schüchterne Landeier in ihre smarten Chefs verlieben, ob knallharte Karrierefrauen selbstverliebte Großstadtcasanovas zähmen, ob eine banale Lüge droht, ein junges Glück im Keim zu ersticken, oder ein geläuterter Lothario seiner Angebeten im Angesicht der jubelnden Öffentlichkeit eine perfekt inszenierte Liebeserklärung macht, bietet die durchschnittliche Romcom ebenso viel Aufregung und Überraschungen wie ein ausgedehntes Fußbad. Und wenn sich ein Vertreter dieser Gattung auch noch um eine ungeahnte Schwangerschaft dreht, ahnt man schon, dass in Hollywood mal wieder ganz tief in die triviale Rührseligkeitskiste gegriffen wurde. Im Falle von Beim ersten Mal läge man mit dieser Annahme aber kollossal daneben, denn schließlich zeichnet sich für Drehbuch und Regie der Umstandskomödie niemand geringeres als Comedygigant Judd Apatow veranwortlich, der bereits mit seinen TV-Serien Freaks & Geeks und Undeclared, sowie dem Kinoerfolg Jungfrau (40), männlich, sucht... bewiesen hat, dass mundane Themen auch abseits der ausgelatschten Hollywood-Pfade funktionieren können. 
Und das liegt nicht zuletzt am Protagonisten, denn Hauptdarsteller Seth Rogen, der sich bereits in den drei oben genannten Produktionen als unfehlbare Comedy-Geheimwaffe erweisen konnte, hat mit der Gattung des gemeinen Filmschönlings so gar nichts gemeinsam. Rogen spielt Ben Stone, einen ambitionslosen Kiffer mit Hang zur Korpulenz, der nach einem durchzechten Abend im lokalen Nachtclub im Bett der ebenso attraktiven wie erfolgreichen TV-Moderatorin Allison Scott (Katherine Heigl) landet. Einen leidenschaftlichen One Night Stand und ein wortkarges Frühstück später trennt sich das peinlich berührte Pärchen ebenso schnell wieder, wie es zusammengefunden hat. So ist das eben, wenn einen nichts verbindet. Einige Wochen später bemerkt Allison allerdings eine prägnante Gemeinsamkeit mit ihrem Ex-Lover. Exzentrische Essgewohnheiten und eine gewisse Zeit des Monats, die durch permanente Abwesenheit glänzt, führen die junge Karrierefrau schließlich zu der Einsicht, dass ihre Nacht mit dem gewichtigen Sprücheklopfer unerwartete Früchte getragen hat. Aber als Frau von Welt versucht man, selbst aus dem schlimmsten Unfall heil hervorzukommen. Aber kann die selbständige Powerlady den relaxten Tunichtgut wirklich von den bevorstehenden Vaterfreuden überzeugen? Lohnt es sich wirklich, den werdenden Vater zu involvieren und möglicherweise eine Beziehung zum unfreiwilligen Erzeuger aufzubauen? Im ersten Moment ist die Antwort ein klares "Nein", denn schließlich hat sich Ben mit Leib und Seele dem großen Traum verschrieben, eine eigene Onlinedatenbank für cineastische Nacktszenen aufzubauen. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt und plötzlich muss unser Protagonist sein ganzes Leben in Frage stellen. Und das ist, wie von Apatow nicht anders zu erwarten, ungemein unterhaltsam. Dafür sorgt nicht nur, vor allem in der Originalfassung, der ebenso geistreiche wie spontane Wortwitz, sondern auch die grandiose Besetzung. Beim ersten Mal ist ein reinrassiger Ensemble-Film, der seine Nebenfiguren nie zugunsten der Stars ignoriert. Allein Leslie Mann als Allisons herrischer Schwester Debbie und Paul Rudd in der Rolle ihres überforderten Mannes Pete könnten schon ihren eigenen Film tragen. Die Kommunikationsschwierigkeiten, Geheimnisse und Querelen des ungleichen Ehepaares entwickeln sich schnell vom unterhaltsamen Subplot zum verzerrten Spiegelbild der beiden Hauptfiguren. Was passiert, wenn ein ungleiches Paar den Bund fürs Leben schließt? Lohnt es sich wirklich, seine Probleme anzugehen oder läuft man mit geschlossenen Augen vor ihnen weg? 
Vielleicht geben ja Bens sympathisch nutzlose Mitbewohner, die mit grandiosem Comedy-Timing von Freaks & Geeks und Undeclared-Alumni Jason Segel, Martin Starr und Jay Baruchel sowie Neuzugang Jonah Hill verkörpert werden, die Antwort. Denn im Vergleich zum staubigen Spießerpaar stellen die Jungs auf den ersten Blick eine wesentlich interessantere Alternative für Ben dar. Braucht der Mensch denn wirklich mehr als Videospiele, DVDs und eine gut sortierte Auswahl an Rauschmitteln? Das ist eine Frage, die Apatow mit ebenso viel Feingefühl angeht wie die eigentliche Comedy. Denn letzten Endes geht es in Beim ersten Mal ebenso sehr um's Erwachsenwerden wie um's Kinderkriegen. Und gerade deswegen handelt es sich hier um einen Streifen, der ein männliches Publikum fast noch mehr ansprechen dürfte als die weibliche Zielgruppe. Denn auch wenn man mit dem Thema Fortpflanzung auf Kriegsfuß steht, ist die unterliegende Botschaft verständlich. Das Ende der Jugend, der Verlust kindlicher Träume und die Übernahme von Verantwortung sind Dinge, mit denen jeder irgendwann konfrontiert wird. Und wenn ein Film das ganze so aufrichtig und vor allem witzig aufarbeitet wie Beim ersten Mal, kommt die Thematik umso ansprechender rüber. Das soll allerdings nicht heißen, dass Apatows neuestes Werk prätenziös ist. Im Gegenteil sogar, denn obwohl es dem Streifen an dramatischem Material nicht mangelt, steht der Humor doch immer im Vordergrund. Die geschliffen scharfsinnigen Dialoge, clever konstruierten Running Gags, und schockierend-witzigen Peinlichkeiten garantieren für durchgehend gute Unterhaltung. Die dreidimensionalen Charaktere, die erfreulich klischeefreie Liebesgeschichte und die universelle Thematik des Erwachsenwerdens sorgen dafür, dass der Film einen lange anhaltenden Eindruck hinterlässt. Manchmal gibt es Filme, in denen alle Aspekte perfekt ineinander greifen. Beim ersten Mal ist ein solcher Film. Verwandte Artikel: Interview: Seth Rogen Interview: Judd Apatow Interview: Leslie Mann Interview: Paul Rudd Review: Undeclared Review: Freaks & Geeks Review: Beim ersten Mal
Text Copyright 2007 Peter Clausen Screenshots, Poster Artwork Universal |