|

An english transcript of this interview can be found here. Seth Rogen ist ein aufsteigender Stern am Comedy-Himmel. Während Fans der TV-Kultserien Freaks & Geeks und Undeclared schon seit Jahren auf den improvisationsfreudigen Komödianten schwören, durften die Kinozuschauer ihn bisher nur in Nebenrollen bewundern. In seiner ersten filmischen Hauptrolle beweist Rogen jetzt auch in den Lichtspielhäusern, was in ihm steckt. Wir haben uns näher mit dem talentierten Spaßmacher unterhalten. Peter Clausen: Was halten Sie vom deutschen Titel des Films? Seth Rogen: Wie heißt er auf deutsch? Beim ersten Mal? Peter Clausen: Ja. Ich bin mir nicht sicher, was das bedeuten soll. Vielleicht dachte jemand es wäre eine Fortsetzung zu Jungfrau (40), männlich, sucht... Seth Rogen: Ja genau. Das ist verwirrend. Peter Clausen: Vor Knocked Up haben Sie zwei brilliante Fernsehserien, Freaks & Geeks (bei uns: Voll im Leben, Voll daneben) und Undeclared (bei uns: American Campus) gemacht. Beide Sendungen wurden bereits vor dem Ende der respektiven ersten Staffel abgesetzt. Tut der aktuelle Kinoerfolg im Angesicht dieser Tatsache besonders gut? Seth Rogen: Auf jeden Fall gibt er einem das Gefühl, nicht verrückt zu sein. Das passiert nämlich, wenn man etwas macht von dem man überzeugt ist, und es universell abgestoßen wird. Man glaubt wirklich, dass man wahnsinnig wäre, dass das, was man für gut hält, schlecht sei, und dass man keinen Schimmer von echter Qualitätsunterhaltung hätte. Der Erfolg gibt einem Recht und endlich wissen wir, dass wir doch nicht von allen guten Geistern verlassen sind. Peter Clausen: Glauben Sie, dass bei Fox oder NBC einige Leute denken "Verdammt, wir hätten diese ganze Truppe haben können"? Seth Rogen: Naja, das ist eine lustige Sache. Gerade gestern ist mir aufgefallen, dass unsere Freaks & Geeks-Verträge gerade ausgelaufen wären, wenn die Sendung Erfolg gehabt hätte. Die hätten uns bis heute hinter Schloss und Riegel gehabt. Und das ist schon seltsam, wenn man sieht dass Jason Segel, Linda Cardellini und James Franco jetzt alle ihre eigenen Filme machen. Die hätten uns mit Haut und Haar besessen. Peter Clausen: Stattdessen hat man Sie gehen lassen. Das ist deren eigene Schuld. Seth Rogen: Ganz genau. Allerdings hat NBC ja inzwischen Universal gekauft, und insofern hat sich der Kreis auch wieder geschlossen. Peter Clausen: Hatte die Absetzung von Freaks & Geeks denn auch positive Konsequenzen? Seht Rogen: Naja, die Absetzung an sich nicht. Aber wenn ich mir beide Serien ansehe, halte ich sie immer noch für so ziemlich das Beste, was wir je gemacht haben. Irgendwie kehren wir immer zu Freaks & Geeks zurück. Peter Clause: Neben der Schauspielerei schreiben Sie ja auch Drehbücher. Einige der besten Episoden von Undeclared stammen zum Beispiel aus ihrer Feder. Arbeiten Sie lieber vor der Kamera oder dahinter? Seth Rogen: Ich mag beides. Für mich ist das alles der gleiche Job. Alles hängt mit der Produktion von TV-Serien und Filmen zusammen. Ich mache gern beides gleichzeitig - das ist wirklich befriedigend. In Beim ersten Mal bin ich Produzent, und habe eine Menge kreativer Kontrolle, arbeite aber auch als Schauspieler und agiere den ganzen Tag vor der Kamera. Ich glaube das ergänzt sich gut. Peter Clausen: Und ist es Ihnen wichtig, in Filmen aufzutreten, die Sie geschrieben haben? Seth Rogen: Nein. Ich habe einen Film namens Drillbit Taylor geschrieben, der nächstes Jahr anläuft, und dort spiele ich überhaupt nicht mit. Ich schreibe einfach gern und habe kein Problem damit, in meinen eigenen Projekten nicht aufzutreten. Peter Clausen: Und gehen Sie eine Rolle anders an, wenn der Film so improvisationslastig wie Beim ersten Mal ist? Seth Rogen: Ja, ein wenig. Der Arbeitstag ist vollkommen anders, wenn man weiß, dass alles passieren kann. Man muss immer auf unvorhergesehenes gefasst sein. Aber es macht auch viel mehr Spaß, und ist wesentlich aufregender als immer nur das gleiche zu machen. Man kann wirklich das Potenzial einer Szene ausloten. Peter Clausen: Beim ersten Mal ist erfrischend frei von den Klischees des Romantic Comedy-Genres. Steckt eine konkrete Absicht dahinter? Seth Rogen: Ja. Wenn wir Filme machen, sollen sie so originell und anders sein wie irgendmöglich. Jede Geschichte wurde schon in irgendeiner Form erzählt, und es wäre verrückt zu glauben, dass Beim ersten Mal der erste Film dieser Art ist. Aber wir versuchen einfach, so aufrichtig wie möglich zu sein und unsere eigenen Erfahrungen einzubringen. Und das macht den Film dann hoffentlich zu etwas Eigenständigem. Peter Clausen: Aber warum setzen die meisten anderen Filmemacher auf immer gleiche Klischees, anstatt so ehrliche Streifen zu drehen? Seth Rogen: Wissen Sie, die Art und Weise auf die Filme produziert werden, erlaubt meist keine Kreativität. Hundert verschiedene Leute schreiben einen Film und genauso viele Autoren schreiben das Drehbuch noch einmal um. Und da geht die kreative Vision natürlich schnell verloren. Und plötzlich ist keiner mehr wirklich zufrieden, egal ob nun Autoren, Regisseure oder Schauspieler. Wir machen das genaue Gegenteil und sagen uns: "Zumindest werden wir den Film mögen. Vielleicht wird er sonst niemandem gefallen, aber wir werden stolz darauf sein." Und das ist der Schlüssel: Mach etwas, dass dir selbst gefällt. Es gibt zahlreiche Filme, bei denen man spürt, dass niemand sie für eine gute Idee gehalten hat. Man hat lediglich gehofft, dass andere es für eine gute Idee halten könnten.   Peter Clausen: Allerdings wird in den Audiokommentaren bei Undeclared auch enthüllt, dass Sie ein großer Fan von E-Mail für Dich sind. Seth Rogen: Ich mag den Film auch, aber er ist natürlich reine Konfektionsware (lacht). Peter Clausen: Ist Natürlichkeit für eine Komödie wichtig? Seth Rogen: Na ja, wenn man auf Realismus setzt schon. Aber andererseits mag ich auch Filme wie Anchorman, in denen es keine Spur von Realismus gibt. Es kommt also darauf an. Wenn es lebensnah sein soll, eignet es sich perfekt für eine natürliche Performance. Aber das ist keine automatische Voraussetzung, um witzig zu sein. Peter Clausen: Wollen Sie sich denn in Zukunft auch zunehmend auf andere Filmgattungen konzentrieren? Seth Rogen: Auf jeden Fall. Ich bewundere zum Beispiel die Coen-Brüder, weil sie sich so perfekt von einem Genre zum anderen bewegen können, ohne es aufwändig wirken zu lassen. So etwas würde ich lieben. Peter Clausen: Achtziger-Jahre-Comedians wie Harold Ramis und Dan Ackroyd gehören auch zu Ihren großen Einflüssen, oder? Seth Rogen: Absolut. Peter Clausen: Würden Sie denn irgendwann auch gern in deren Fußstapfen treten und Filme wie Ghostbusters machen? Seth Rogen: Das wäre fantastisch. Ich habe auf jeden Fall eine Affinität für's Epische. Mit solchen Filmen bin ich aufgewachsen. Aber im Moment mache ich lieber relativ günstig produzierte Komödien, denn selbst wenn wir keinen Erfolg haben, verliert so niemand besonders viel Geld. Peter Clausen: Sie arbeiten sich also langsam nach oben? Seht Rogen: Exakt. Durch extremes Versagen (lacht)! Peter Clausen: Und wird ihr Green Hornet-Film auch in diese Kerbe schlagen? Seth Rogen: Ja, mit dem Film wollen wir eher in die reinrassige Action-Richtung gehen. Wir haben eine Action-Komödie namens Pineapple Express gemacht, die im nächsten Jahr anlaufen wird, und das war ein Experiment, um zu sehen, ob wir auch Action machen können. Ich glaube, es ist uns gelungen. Peter Clausen: Sind dann vielleicht Filme wie Hot Fuzz ein Modell, an dem Sie sich orientieren? Seth Rogen: Ich liebe diesen Film. Ich würde ihn nicht als Modell für uns bezeichnen, aber ich bewundere solche Streifen, die mit mehreren Genres jonglieren. Filme, die nicht einfach in Schubladen wie Action, Horror oder Komödie gesteckt werden können. Edgar Wright ist ein guter Freund von mir und ich habe großen Respekt vor ihm, weil er all diese Dinge kombiniert, von denen man nicht denken würde, dass sie zusammenpassen. Das hilft mir, weil er beweist, dass es möglich ist! Peter Clausen: Vielen Dank für dieses Interview!
Verwandte Artikel: Interview: Seth Rogen Interview: Judd Apatow Interview: Leslie Mann Interview: Paul Rudd Review: Undeclared Review: Freaks & Geeks Review: Beim ersten Mal Text Copyright Peter Clausen 2007 Bilder Copyright Universal |