Advertisement

Gorilla des Monats

bernie 
Home arrow Events - Live erlebt arrow Eagles Of Death Metal (2007)
Eagles Of Death Metal (2007)

eaglesDie Haut klebt, die Ohren pfeifen, die Augen geweitet, das Herz rast noch immer, die Zunge fährt über die Lippen und schmeckt Salziges. Mein ganzer Körper ist bedeckt mit einer Schicht aus Schweiß, Blut, Bier und Nikotin. Ich atme puren Rock N’ Roll. Mein Körper steckt voller Energie, ich bin so aufgeladen, dass ich glühe. Vor zehn Minuten saß ich noch im Taxi, vor einer Stunde stand ich noch mit hunderten anderen Leuten im Zentrum der Welt. Ich streiche mir über die Oberlippe und überlege mir ernsthaft, mir einen Moustache wachsen zu lassen. Ein Zimmer weiter wartet eine heiße Dusche auf mich. Und dort wird sie auch noch eine Weile warten müssen. Bevor ich mich reinwasche, muss ich noch diese Gedanken zu Papier bringen. Erst nach meiner schriftlichen Beichte werde ich die Absolution empfangen und den Rock N’ Roll von meiner Haut spülen. Und so sitze ich nun da und versuche im Nebel meiner Gedanken die richtigen Worte zu finden.

Die richtigen Worte für das absolut beste Konzert seit langem. Für die Eagles Of Death Metal waren nur genau zwei Konzerte in Deutschland angekündigt, und davon ausgerechnet eines hier bei mir in Aschaffenburg – ein Wink des Schicksals. So etwas durfte ich nicht verpassen.
Und so kam es, dass ich mich vor einigen Stunden, am frühen Abend des 21.08.07 auf den Weg zum Colos Saal machte. Das Colos, wie es auch von den Aschaffenburger Livemusikfreunden liebevoll genannt wird, ist eine gediegene Location in Clubgröße. Herrlich dunkel, herrlich eng. Das maximale Fassungsvermögen schätze ich auf 500 Leute. Und die waren heute Abend auch alle da. Von weitem konnte ich auf dem Weg schon eine gigantische Schlange vor dem Eingang entdecken. Also laufe ich in Richtung Menschenmasse, auf der Suche nach Freunden und Bekannten. Auf einmal hält mich jemand von der Seite am Ärmel fest und fragt "Hey guy, are you ready for some serious Rock N’ Roll tonight?“ Ich drehe mich um und blicke in ein markiges Gesicht mit einem riesigen roten Schnauzer als zentralen Blickfang. Ich erkenne ihn sofort. Jesse Hughes, Sänger der Eagles Of Death Metal hat mich gerade einfach so auf der Straße angesprochen. Ich schüttele ihm die Hand und fühle mich geehrt. Wir hatten noch Zeit, kurz ein paar Worte zur aktuellen Besetzung der Band zu wechseln (heute leider ohne Josh Homme) und ein Foto zu machen, bevor er sich auf den Weg hinter die Bühne machen musste. Der Abend fing ja schon mal gut an.

eagleseagles

Dank der Connections meiner Freundinnen Chrissi und Nina gelang es mir sogar, die lange Schlange am Eingang elegant zu umgehen und betrat den Colos Saal gerade rechtzeitig zur Vorband. Earth Bend spielten rauen Rock und erinnerten mich Stellenweise an eine Mischung aus Monster Magnet und Bush. Habe mir ihr Album Young Man Afraid am Merchandise-Stand gesichert und kann auf jeden Fall eine Empfehlung aussprechen. Nach einer halben Stunde aufheizen bei beinahe unmenschlicher Lautstärke und ein paar Minuten Soundcheck war es endlich soweit. Jesse „The Devil“ Hughes enterte mit seinen Eagles Of Death Metal die Bühne. Dank guter Vorarbeit von Earth Bend brauchte es sage und schreibe nur einen Akkord, bis die ersten Stagediver in Richtung Publikum abhoben. Von Null auf Hundert in nicht einmal einer Sekunde - beeindruckend. Wer sich jetzt fragt, wie eine Band mit dem Wort „Death Metal“ im Namen überhaupt rocken kann, der kennt die Eagles nicht. Mit Death Metal oder Metal im Allgemeinen hat ihr Musikstil relativ wenig zu tun. Immerhin kommt die Band aus dem großen Stonerrock-Dunstkreis um die Bands Kyuss, bzw. Queens Of The Stone Age, Mondo Generator und Masters Of Reality. Ihr Musikstil ist wirklich schwer zu beschreiben. Man stelle sich vor, man nimmt einen großen Blechtopf und kippt etwas Rock N’ Roll, Punk, Bluegrass, Country, Metal hinein, gibt eine Handvoll Kieselsteine und Glasscherben dazu, garniert das ganze mit ein paar Schnurrbarthaaren und richtig dicken Eiern (!) und steckt das ganze auf höchstmöglicher Temperatur in den Schleudergang der Waschmaschine. Heraus kommt schneller, schmutziger, tanzbarer Rock N’ Roll, der sofort in die Knie geht.

Und so geht es nicht nur mir. So gut wie kein Besucher am heutigen Abend kann noch annähernd still stehen bleiben. Die Eagles zünden einen Knaller nach dem anderen und man wundert sich bei jedem Lied aufs neue, wie die Band es schafft, mit gerade mal zwei Alben (Peace, Love, Death Metal und Death By Sexy), über eineinhalb Stunden durchzupowern ohne abzuflachen. Für die vier Zugaben müssen sogar Coverversionen von The Damned (New Rose) und den Ramones (Beat On The Brat) und bereits gespielte Lieder herhalten. Beim letzten Lied schaffen es sogar mehrere Mädels, die Bühne zu stürmen, um Jesse Hughes mit sexy Tanzeinlagen zu bezirzen, während die Security vom Bühnenrand ohnmächtig zuschaut.

Ich habe die Eagles Of Death Metal schon einmal gesehen, 2006 auf dem Southside Festival. Und hier offenbart sich auch der Nachteil von großen Festivals: das richtig authentische Konzerterlebnis bekommt man nicht am helllichten Tage auf großen Wiesen und vor gigantischen Bühnen, auf denen sich die Bandmitglieder verlieren. Den richtigen Rock N’ Roll bekommt man nur in kleinen, dunklen, verrauchten Clubs, der Band so nah, dass man ihren Schweiß riechen kann. Hier steht die Band im direkten Kontakt zu den Fans. Es werden Scherze gemacht, Hände geschüttelt, Biere geteilt und die Deutschkenntnisse der Band gefördert.

eagles Kurz vor Mitternacht ist der Zauber vorbei. Alle Zugaben sind gespielt. Das Publikum fix und fertig. Das Licht geht an. Ich stehe noch kurz vor dem Ausgang und tanke Frischluft, während hinter mir auf einmal die Menge tobt. Jesse Hughes lehnt sich aus dem Fenster des Backstageraumes über dem Ausgang und feuert die Menge nochmals an. Die ganze Straße tobt, jubelt und applaudiert noch einmal. Und so bemerkt niemand, wie sich auf einmal Dave Catching (Gitarre unter anderem bei Queens Of The Stone Age, Mondo Generator, Earthlings?, The Desert Sessions, Mark Lanegan Band) und Brian O’Connor (Bass) unters Publikum mischen. Als ich sie entdecke, lasse ich mir mein Ticket signieren, wechsle ein paar Worte und versuche noch ein paar Fotos zu schießen (was mir leider mit meiner Handykamera nicht wirklich gelingt). Danach mache ich mich auf die Suche nach einem Taxi und begebe mich auf den Heimweg. Und hier sitze ich nun, die Haut klebt, die Ohren pfeiffen, die Augen sind geweitet, das Herz rast noch immer, die Zunge fährt über die Lippen und schmeckt salziges…

Text Copyright Mischa Elbert

 
< zurück   weiter >
© 2012 www.g-wie-gorilla.de
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.