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Rilo Kiley sind bekannt - und langsam auch innerhalb Deutschlands. Sie haben eine StudiVZ-Gruppe, kleine blonde Mädchen, die jedes Lied mitsingen können (und es tun), und, wie sollte es auch anders sein, die besten Kritiken. Die Band steht für charmante Indie-Musik mit Gitarren, Keyboard und poetischen, von Sängerin Jenny Lewis mädchenhafter Stimme vorgetragenen Texten. Die seit nun fast zehn Jahren existierende Vierertruppe hat ihren vierten Longplayer Under the Blacklight aufgenommen und tourt damit nun zunächst durch Europa, wo das Album, anders als in Amerika, offiziell noch gar nicht erschienen ist.
Unangekündigt und unscheinbar beginnt Orenda Fink (Todd Baechle, der Leadsänger von The Faint, hat sich vor zwei Jahren nicht zufällig in Todd Fink umbenannt) die Show. Diese zerbrechlich wirkende Frau kennt man vor allem als Teil des Omaha Duos Azure Ray. Dort ergänzten sich sie, "die Melodie", und Maria Taylor, "die Stimme", zu wunderbarer Musik, die ihrer Verföffentlichung bei Saddle Creek alle Ehre macht. Vor einiger Zeit haben die beiden Damen ihre Band jedoch im Einvernehmen stillgelegt und Solokarrieren (bzw. eigene Bands) angefangen. Maria ist schon vor langer Zeit allein durch Deutschland getourt, nun hat sich Orenda ins Vorprogramm von Rilo Kiley geschlichen, um die europäischen Herzen zu erobern.
Aber so ganz klappt das noch nicht. "Die Stimme" ist eben Maria, und nur mit Gitarre und der Zweitstimme von ihrer Freundin Kristin Gundred, beide zudem sehr unvorteilhaft angezogen, macht Orenda leider keine gute Figur. Die Songs sind eintönig, verlieren sich leicht in dem nicht sonderlich kleinen Club, das Publikum ist auch nicht wirklich dankbar. Die Zwei-Frauen-eine-Gitarre-Show passt in eine Lounge mit Zuschauern auf antiquierten Sofas, oder vielleicht ins Vorprogramm zu Jenny Lewis Solotour - aber nicht auf die große Bühne.
Die Stimmung schnellt merkbar in die Höhe, als Rilo Kiley auf der Bühne erscheinen. Jenny Lewis in knappem, an das Video zu Silver Lining erinnerndem Outfit mit atemberaubenden Schuhen, der Rest in bester Country-Manier mit Hosenträgern - wenn man nicht wüsste, dass einen hier Indie-Rock vom Feinsten erwartet, würde man es auch nicht glauben. Auch Orenda und Kristin stehen erneut auf der Bühne - als Support spielen sie ein zweites Keyboard, diverse Trommeln, eine Trompete oder was sonst noch alles gebraucht wird.
Hatten Rilo Kiley auf früheren Touren noch verschiedenste Verzerrer, aufgenommene Geräusche und weitere, schon an Coco Rosie erinnernde Tricks dabei, so ist der Sound dieses Mal deutlich klarer. Das mag auch an dem neuen Album liegen, das wesentlich minimalistischer und elektronischer ausfällt als die drei Vorgänger. Aber es tut der Musik keinen Abbruch. Diese reißt die Zuhörer nach wie vor genauso mit, und die gute Laune der Band selbst trägt ihr Übriges dazu bei. Man sieht ihnen die Freude geradezu im Gesicht an - es ist die (weltweit) erste Tour mit Under the Blacklight, das bisher dankbarste Publikum, das beste Bier, und alles scheint gut zu sein. Blake Sennett schmeißt sich von einer coolen Rocker-Pose in die nächste und führt dem Publikum seinen (wirklichen?) Bruder Snowball vor, Jenny und Bassist Pierre "Duke" DeReeder tauschen für die halbe Spielzeit Instrumente, Jason Boesel wirft seine Drumsticks in die Luft.
Die Freude ist unverkennbar. Die Tracklist ist eine ausgewogene Mischung aus neuen Songs und dem Vorgänger More Adventurous, nur Paint's Peeling, Spectacular Views und Wires and Waves sind von den älteren Alben dabei - klar, Rilo Kiley leben auf Tour, sie haben alte Lieder zu Tode gespielt. Und dann klappt zum ersten mal das, wofür das Publikum bei früheren Touren noch nicht reif war - With Arms Outstretched singt der ganze Saal mit! Zu guter letzt covert die Band sich selbst und spielt zunächst eine atemberaubende Version von Jennys Sololied Rise Up With Fists, um dann mit Greetings in Braille, einem Song von Blakes und Jasons Zweitband The Elected zu kontern. Bei der Zugabe steigen Blake und Kristin gar von der Bühne und Rocken das Publikum direkt. Alle sind glücklich.
Playlist:
- It's a Hit
- Close Call
- Portions for Foxes
- Paint's Feeling
- Breakin' Up
- Dreamworld
- The Moneymaker
- Wires & Waves
- Ripchord
- With Arms Outstretched
- Silver Lining
- Smoke Detector
- I Never
- Dejalo
- 15
- Rise Up With Fists (Jenny Lewis & the Watson Twins Cover)
- Greetings in Braille (The Elected Cover)
- Spectacular Views
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- Does He Love You?
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