USA (2007) Autor: Derek Kirk Kim, Artwork: Jesse Hamm, Lettering: Jared K. Fletcher Erschienen bei: Minx Preis: 7,50 € Good as Lily bei Amazon.de Lange war es um Derek Kirk Kim relativ ruhig. Nach seinem exzellenten Debut Same Difference (das mit einer ordentlichen Menge an Comic-Preisen ausgezeichnet wurde, bei uns ist es unter dem Titel Ganz Gleich erschienen), schaffte der koreanisch-stämmige Autor und Zeichner es nicht so wirklich, ein sauberes Nachfolgewerk abzuliefern - das angefangene Projekt Healing Hands brach er ab; zumindest lieferte er einen sehr gelungenen Beitrag zur Fables-Anthologie 1001 Nights of Snowfall... Allerdings war der auch ausnehmend kurz. Kann es sein, dass Derek Kirk Kim gewisse lethargische Tendenzen hat? Aber wie dem auch sei, nach langer Wartezeit hat er endlich wieder eine abgeschlossene Graphic Novel in die Regale gebracht. Allerdings fungierte er da nur als Autor und Cover-Illustrator, die Zeichnungen selbst besorgte Jesse Hamm, der hier zum ersten Mal einen kompletten Comic im Alleingang zeichnet. Hauptfigur ist, wie man es von Kim nicht anders erwartet, eine Amerikanerin koreanischer Abstammung: Grace wird gerade 18 Jahre alt, hat ein paar tolle Freunde, ist gut in der Schule und ziemlich ordentlich in den Leiter der Theatergruppe verschossen. Doch just an ihrem Geburtstag passiert seltsames: Plötzlich tauchen ein kleines Mädchen, eine Frau Ende 20 und eine ziemlich robuste 70-jährige auf, die auch alle Grace heißen. Und schnell wird klar: Es handelt sich immer um die gleiche Grace - offenbar sollen die drei anderen Graces der 18-jährigen helfen, ihr Leben ordentlich auf die Reihe zu kriegen. Und auch wenn sie ihr nichts konkretes über ihre Zukunft verraten, sind sie doch deutlich (und davon abgesehen anstrengend) genug, Grace zu zeigen, dass es mit ein paar Dingen wohl im Argen liegt.  
Auch wenn wir ähnliche Grundideen schon in Filmen wie dem ziemlich überflüssigen The Kid mit Bruce Willis gesehen haben, spielt Autor Kim wieder alle seine Stärken aus - er versteht es einfach, glaubhafte Jugendliche zu schreiben, verzichtet dabei auf unnötiges Melodrama und behandelt Themen wie die kulturelle Identität von Koreanern in den USA mit viel Humor und ohne erhobenen Zeigefinger. So unterhält Good as Lily wie schon vor einigen Jahren Same Difference von der ersten bis zur letzten Seite ganz hervorragend und bietet auch noch jede Menge Tiefgang - Good as Lily hält stets hervorragend die Balance und driftet nie zum irrelevanten "Fluff" ab. Etwas schade ist nur, dass Kim nicht selbst den Zeichenstift geschwungen hat. Damit wir uns nicht falsch verstehen, Jesse Hamm liefert wirklich gute Arbeit ab - sein Stil passt sehr gut zum Thema und er gibt sich weder in Sachen Panelling noch bei der Dynamik irgendwelche Blößen. Aber da es sich bei Good as Lily eben um klassischen Derek Kirk Kim-Stoff handelt erwartet man irgendwie doch eher seinen Zeichenstil. Gerade Nebenfiguren wie Grace' bester Freund, der gnadenlos in sie verschossen ist, sind eigentlich schon Archetypen des koreanischen Autors - möglicherweise hätte er da die Mimik in gewissen Szenen noch besser hingekriegt. Aber das sind natürlich alles hypothetische Szenarien und wir wollen hier auf keinen Fall Jesse Hamms Arbeit herabwerten. Grafisch lässt Good as Lily auf jeden Fall kaum Wünsche offen.  
Nach Mike Careys tollem Re-Gifters macht DCs Minx-Imprint auch weiterhin eine gute Figur - Good as Lily überzeugt auf der ganzen Linie und bietet einfach wunderbare Comic-Unterhaltung weitab aller Manga-Prügeleien und Superhelden-Schlachten. Lasst euch von der vermeintlichen Zielgruppe der Minx-Labels nicht abschrecken, die bisherigen Veröffentlichungen bieten alles, was der anspruchsvolle Leser von einer guten Graphic Novel erwartet, und das auch noch zu einem konkurrenzlos guten Preis. Wir sind beglückt. Text Copyright Thomas Nickel 2007 Artwork, Cover Copyright Minx |