System: Nintendo Wii
Japan (2007) Director: Ryoto Kawade, Charakter-Design: Sayuri Kobayashi, Naoko Tsukamoto, Koichiro Yamada, Musik: Naoko Mitome, Koji Kondo, Produzenten: Kensuke Tanabe, Ryouichi Kitanishi Entwickler: Intelligent Systems Erschienen bei: Nintendo Preis: ca. 50 € Super Paper Mario bei Amazon.de Seien wir ehrlich: Bisher hat Nintendos Wii das einst so vollmundig versprochene Potenzial nicht erfüllt. Trotz innovativem Controller und bombastischen Absatzzahlen ist ein Gros der ursprünglichen Erwartungen inmitten des sagenumwobenen blauen Ozeans versickert. Letzten Endes war das erste Jahr des Wii ebenso durchwachsen wie die Debütmonate jeder anderen Konsole, und wie gewohnt stellt sich bei der Fangemeinde inzwischen die obligatorische Unruhe beim Warten auf die Kehrtwende ein. Und gewartet haben wir, besonders in Europa, nun schon eine ganze Weile. Während amerikanische Spieler bereits im Frühjahr die heißbegehrte dritte Episode der Paper Mario Serie spielen konnten, wurde die Geduld der kontinentalen Gamer monatelang überstrapaziert. Inzwischen hat Super Paper Mario aber endlich seinen Weg in den deutschen Einzelhandel gefunden., und wir haben das neue Abenteuer des feurigen Südländers auf Herz und Nieren überprüft.   Wer die vorherigen Episoden der Serie kennt, weiß bereits was Sache ist. Trotz zahlreicher Plattformelente und Geschicklichkeitseinlagen sind die Paper Marios in erster Linie reinrassige Rollenspiele, die mit subversivem Humor, wissenden Insidergags und grandiosen Albernheiten das Medium Videospiel an sich, und die Super Mario-Serie insbesondere aufs Korn nehmen. Aber weder die actionreichen Taktik-Kämpfe, noch die ungewöhnlichen Szenarios hinterlassen den stärksten Eindruck. Diese Ehre wird dem ungewöhnlichen Look zuteil, der Mario & Co. in Form zweidimensionaler, hauchdünner Sprites inmitten eines interaktiven Aufklappbuches platziert. Ohne Rücksicht auf aktuelle Grafiktrends geht diese Serie ihren eigenen Weg, und beweist wie sehr sich Mut zum Spartanischen auszahlen kann, denn oft wirkt das Ganze wie eine hoch aufgelöste Hommage an alte NES-Titel. Aber ohne das passende Gameplay würde selbst ein Spiel mit einer so starken visuellen Identität wie ein virtuelles Kartenhaus zusammenbrechen. Ein Glück also, dass Entwickler Intelligent Systems es versteht die optische Präsentation und das Leveldesign perfekt aufeinander abstimmt um immer wieder neue Überraschungen aus dem Hut zu zaubern. Das altmodische, rundenbasierte Kampfsystem ist in Super Paper Mario zu Gunsten klassischer Jump and Run-Elemente den Weg alles Weltlichen gegangen. Eine weitere Neuerung sind Marios Begleiter. Während unser Held in vorherigen Spielen von Koopas, Goombas, Bob-Ombs und ähnlichen Kreaturen begleitet wurde, darf der Spieler diesmal zwischen Mario, Peach Luigi und Bowser hin- und herschalten. Und das ist auch bitter nötig, denn jeder der vier Protagonisten hat spezielle Fähigkeiten. Mario der Hansdampf in allen Gassen, Peach gleitet mit ihrem Schirm graziös über ausladende Schluchten, Bowser röstet mit seinem Feuerodem ganze Feindgeschwader und Luigi stellt neue Hochsprungrekorde auf.
Außerdem statten bizarre Kreaturen im 8-Bit-Look, sogenannte Pixls, unsere Helden mit besonderen Skills aus. Einer der Pixl ermöglicht es den Bildschirm mit der Wiimote nach Geheimnissen zu durchleuchten, ein anderer bombt jeden noch so robusten Gegner in die ewigen Jagdgründe während der Nächste Mario und Co. auf Däumlingsgröße schrumpfen lässt. Ansonsten ist aber alles beim Alten geblieben. Wie Weiland sprintet unser schnurrbärtiger Klempner durch zweidimensionale Levels voller Steinblöcke zum Zerschmettern, Münzen zum Einsammeln, Rohren zum Durchkriechen und Koopas zum Plätten. Wer aber einen altmodischen Plattformer erwartet dürfte enttäuscht werden, denn knifflige Rätsel, langwierige Dialogpassagen und ein gesundes Maß Repetition gehören auch diesmal zum guten Ton. Actionreicheres Gameplay hin oder her, auch Super Paper Mario wird ganz klar von den Rollenspielelementen dominiert.  
Nein, die von einigen erhoffte Hüpfspielrevolution ist der neue Paper Mario mit Sicherheit nicht, aber wer mit einem erstklassigen Neueintrag in der renommierten Serie zufrieden ist sollte damit keine Probleme haben. Allein das zentrale Gimmick des Spiels, die Möglichkeit kurzzeitig zwischen 2D und 3D hin- und herzuwechseln, sorgt schon für zahlreiche spielerische Aha-Momente die man so noch nie gesehen hat. Bildschirmfüllende Gegner werden zu hauchdünnen Witzfiguren, Hintergrundgrafiken entpuppen sich als clevere Abkürzungen und unscheinbare Plattformen, Gebäude und Hinterhöfe verbergen ungeahnte Geheimnisse. Es ist beeindruckend mit welcher Kreativität die Entwickler dieses Spielelement über das lange Abenteuer hinweg immer wieder neu definieren. Wer schon immer davon geträumt hat die Welt eines altmodischen 2D-Abenteuers in jeder erdenklichen Dimension zu erkunden, dürfte hier schnell im siebten Himmel sein. Tatsächlich bietet Super Paper Mario nämlich noch weitaus mehr, als man auf den ersten Blick erwarten könnte. Egal ob die komplette Welt auf den Kopf gestellt wird, ob man sich plötzlich inmitten eines altmodischen Weltraumshooters befindet oder in eine Bizarro-Variante der Spielwelt abtaucht, dieses Abenteuer ist immer für eine Überraschung gut. Sicher, der niedrige Schwierigkeitsgrad, der gnadenlos selbstironische Humor und die redefreudigen NPCs dürften bei zynischen Naturen für gelegentliches Stirnrunzeln sorgen aber uns lassen diese kleinen Makel, mit Verlaub gesagt, kalt. Wer Lust hat Mario, Peach, Luigi und den mächtigen Bowser durch eine grandios bizarre Genremixtur, die das gesamte Spektrum von Paper Mario bis hin zur guten alten Monsterworld-Serie abdeckt zu begleiten, wird hier 15-20 Stunden lang grandios unterhalten. Text Copyright 2007 Peter Clausen Screenshots Copyright Nintendo |