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von Ruben Schmitt
Review: Der reine Anblick dieses arcadelastigen Shooters treibt einem nicht gerade Schweißperlen der Erregung ins Gesicht. Doch muss man manchmal Hand anlegen, um unter die Oberfläche schauen zu können, wie hier aufgezeigt werden soll.
System: Nintendo Wii (UK 2007) Produzent: Andrew Wensley
Entwickler: IR Gurus/Codemasters Erschienen bei: Codemasters Preis: ca. €40,- Heatseeker bei Amazon.de
Der Edlich. Der alte Schreibwarenmonopolist. Dahin zog es einen immer samstags. Sofern man einen Zweierpack Micro Champs erwerben wollte, zumindest. Das waren so kleine, ziemlich detailgetreue Mini-Düsenjäger, allesamt mit authentisch wirkenden Schriftzügen und Lackierungen. Der Großteil der Modelle war den amerikanischen Flugstaffeln zuzuordnen, angefangen bei der schlanken F-16 über die legendäre F14-A Tomcat bis hin zur grotesk winzigen SR-71. Um den gängigen Feindesbildern gerecht zu werden, bedurfte es allerdings noch ein paar MIGs, auf denen groß rote Sterne und das vertraute CCCP prangten. Alles in allem war das also ganz ähnlich den ungleich bekannteren Exemplaren von Micro Machines. Sogar bis hin zu den klobigen schwarzen Rädern. Die konnte man zwar gefühlvoll abbrechen, doch hatte das zur Folge, dass man die Jets nicht mehr hinstellen konnte oder an eine sanfte Landung auf dem eigens zu Ostern gewünschten Mini-Flugzeugträger erst gar nicht zu denken war. Mit dem Verbleib der Räder war andererseits das Gefühl ästhetischer Echtheit empfindlich gestört. Codemasters’ Heatseeker für die Wii hat auch seine ganz eigenen klobigen, schwarzen Räder. Besonders die graphische Präsentation all der Dinge, die zu Lande und zu Wasser ihr Unwesen treiben, beziehungsweise die Darstellung dieser Ländereien und Gewässer selbst tut sich hier unrühmlich hervor. Zwar ist das auf dem Bildschirm Gebotene mehr als ein ordentliches Stück von den matschigen N64-Gefilden entfernt, in denen es nicht wenige Menschen zu wähnen glauben. Das, was im Lexikon unter „liebevoll“ zu finden ist, käme mir beim Anblick der Vektormodelle und Texturen des Shooters allerdings ebenso wenig in den Sinn. Technische Brillanz wurde auch schon einmal anders geschrieben. Würde man diese Unschönheiten aber ebenso harsch abbrechen wie ihre Spielzeugpendants, so hinge der Rest von Heatseeker ganz schön der Luft. Und in ebendieser spielt beim hier vorliegenden Genre ja im Allgemeinen die Musik. Doch ist es eine vertraute Melodei, die den Takt vorgibt, nach dem man in einem mäßig inspirierten Nahe-Zukunfts-Setting völlig gewissensbefreit die Schurkereien eines Diktatorschurken zunichte machen soll, der so richtig schurkisch böse ist – in der Regel durch wiederholtes raketengestütztes Vernichten von Basen, Fliegerstaffeln oder Geschützanlagen. Gut, sicherlich funktioniert ein Vorzeigetitel wie etwa „Rogue Leader“ im Großen und Ganzen einer ähnlichen Marschroute, doch wird dort die Sause mit ordentlich Zuckerwatte für Augen und die restlichen Sinne garniert. Und das bietet – wie oben beschrieben – Heatseeker nun wirklich nicht. 
Dafür gibt es aber drei grundlegend verschiedene Steuermodi. Alle Mädchen etwa können ihr Luftwaffenvögelchen per traditionellem Analog-Stick fliegen. Balletttänzer ihrerseits dürfen schon mit der Remote auf den Bildschirm zeigen und ganz genau per Fadenkreuz verfolgen, wohin der Flug des Phönixes gehen soll. Der Rest unter uns gestählten Fliegertöchtern hingegen sollte einmal ordentlich die Gelenke knacken lassen, Hand an den Nunchuk legen und sich in die Lüfte schwingen – denn nur so gibt die unscheinbare Auster namens Heatseeker ihre Perle frei. Je nach Neigung und Ausrichtung der Steuereinheit reagieren Höhen- und Seitenruder der Jäger auf den Input. Dieser ist allerdings relativ. Wer etwa im rasanten Sturzflug den Nunchuk elegant gerade und aufrecht hält, der wird nichts anderes tun, als elegant, gerade, aufrecht und rasant dem Boden entgegenzustürzen. Reißt man das Steuergerät dann in Panik nach oben, so kann der Flieger schon einmal bockig sein, in Schieflage seine Reise fortsetzen oder auch einfach abschmieren. Das hat dann weniger mit unpräzisen Kontrollen, sondern mehr mit einem Touch Realität zu tun. An der schwerpunktmäßigen Arcade-Ausrichtung des Wii-Titels ändert sich dadurch freilich nichts. Doch wird dabei eine Verbindung zwischen virtuellem Gefährt und echtem Spieler geschaffen, die kein – meist auf einem Tisch oder im Schoß fixierter - Joystick dieser Welt hervorbringen kann. Denn eine im Spiel ausgewählte F-18 ist mehr oder minder eine Erweiterung des Nunchuks, während dieser eine Verlängerung unseres Arms und der wiederum ein bedeutender Appendix unseres restlichen Körpers ist – Verwindungen und Verrenkungen sind also vorprogrammiert, wenn man die perfekte Balance aus Ausweichmanövern vor hitzegelenkten Geschossen und eigener Sprengkörperoffensive sucht. Heatseeker gelinkt damit auf erstaunlich physische Arte eine Unmittelbarkeit, wie man sie nur selten findet und die man dem Titel angesichts seiner zahlreichen Defizite kaum zugetraut hätte.   Und so kann es passieren, dass man sich im Laufe einer immer länger werdenden und um diverse Nebenziele erweiterten Mission auch immer mehr in eine Art Fliegerrausch spielt, ungeduldig auf das Nachladen der eigenen Raketen wartet, Stück für Stück das gegnerische Kanonenfutter vom Himmel holt, kurz verweilt und voller Befriedigung per Impact Cam das zeitlich auseinander gezogene Aufgehen eines feindlichen Stahlvogels in einem glühenden Feuerball verfolgt – bevor man schon wieder mit einer Mischung aus Hast und Eleganz zur Seite schwingt, um die nächste Feindesattraktion aufs Korn zu nehmen. Unterbrochen wird diese Hatz dabei immer wieder von einem angespannt flackernden „missile alert“. Schafft man es dann durch ein verkrampftes Rucken, Zucken oder Drehen des Nunchuks samt Handgelenk und Unterarm, dem verfrühten Fliegertod zu entgehen, und bekommt man diese Glanzleistung obendrein instantan in verlangsamter Außenansicht für Genießer stilvoll präsentiert, fühlt man sich für einen Moment wie der kleine Farmerjunge, der es mit dem ganzen Universum aufnehmen könnte, und fließen überschwänglich die Endorphine - nur, um gleich darauf wieder das angespannte Freundchen namens Adrenalin auf den Copilotensessel zu lassen. Und gemeinsam zeichnen die beiden Muntermacher für das Grinsen verantwortlich, das beim Anblick des nächsten Zwischenziels aufs eigene Gesicht gezaubert wird: „Zerstöre so viele feindliche Jäger wie möglich.“ Links www.codemasters.de/heatseeker - die offizielle Subsite des Entwicklers zum Spiel Text Copyright Ruben Schmitt 2007 Bilder Copyright Codemasters |