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2001 Nights, 2001 Nights – Journey to Tomorrow, 2001 Nights – Children of the Earth
Japan (1984), Autor & Zeichnungen: Yukinobu Hoshino, Englische Anpassung: Fred Burke & Matt Thorn, Lettering: Wayne Truman Erschienen bei: Viz Communications USA ISBN: 1569310564 Preis: ab 10 € 2001 Nights: Volume 1 bei Amazon.de Eines gleich vorweg: noch nie war ich gleich beim ersten Anblick eines Mangas so ergriffen wie bei diesem. Meine damalige Freundin bekam den dritten Band dieser Serie zum Geburtstag geschenkt und legte ihn aus mangelndem Interesse an Comics gleich weg, während ich die letzten (!) fünf Kurzgeschichten nur so verschlang. Yukinobu Hoshino hatte es tatsächlich geschafft, durch die in seinen Bildern liegende Ruhe den Eindruck eines unendlich großen, einsamen Weltalls zu erschaffen, ohne auf kitschige Effekte zurückgreifen zu müssen. Die Storys in ihrer Gesamtheit sind oberflächlich betrachtet der klassischen Hard Science Fiction zuzuordnen. Sie beziehen sich also immer auf tatsächliche wissenschaftliche Erklärungen oder Theorien zu den Ereignissen der Geschichte und versuchen realistisch zu sein, soweit das eben möglich ist. Dabei werden natürlich auch rein theoretische Aspekte eingebunden, wie zum Beispiel das technische Nutzbarmachen von Schwarzen Löchern. Doch trotz fundiert erklärter Technologie ziehen sich als roter Faden stets emotionale und soziale Bindungen zwischen Menschen durch die Geschichten. Eine weitere Ebene bilden philosophische und theologische Gedankenspiele im Zusammenhang mit den unendlich scheinenden Möglichkeiten, die sich durch fortgeschrittene Technologie und die damit realisierbare Besiedelung des Weltalls ergeben könnten.
2001 Nights ist also eine Manga-Trilogie, die – ursprünglich zwischen 1984 und 1986 als Serie im Manga-Magazin „Super Action“ erstveröffentlicht – von Yukinobu Hoshino erschaffen und 1996 in den USA veröffentlicht wurde. Ihr Titel ist eine offensichtliche Fusion aus „2001: A Space Odyssey“ von Stanley Kubrick und der orientalischen Erzählungssammlung „Tausendundeine Nacht“. So verrät er tatsächlich schon einiges über die drei Bände: dunkler Pathos á la Kubrick, eingebunden in viele kleine Episoden, die durch einen roten Faden zusammengehalten werden: die Kolonisierung des Weltraums durch die Menschheit. Hinter den einzelnen Episoden verbergen sich jedoch nicht in jedem Fall Kurzgeschichten. Dient es der Geschichte, scheut Hoshino nie, auch einen größeren Maßstab anzusetzen, sei dieser nun zeitlich, thematisch oder zeichnerisch nötig.
In 19 Kapiteln (Nächten) erzählt Hoshino die Geschichte ebenjener Kolonisierung in stets miteinander verknüpften Episoden. Die Oberhäupter der Staaten der Erde beschließen, gefrorene menschliche Ei- und Samenzellen auf eine Reise in ein anderes Sternensystem zu schicken. In Ermangelung anderer geeigneter Methoden wird das Schiff auf einen vorbeifliegenden Kometen geschossen, der nach vollständiger Ausbeutung der Ressourcen schließlich gesprengt wird. Dadurch erreicht das Schiff dann eine Geschwindigkeit von mehreren zehntausend km/h, wodurch sich die Reisedauer auf wenige hundert Jahre reduziert. In der Zwischenzeit finden die Erdbewohner jedoch einen Weg, mit Überlichtgeschwindigkeit zu reisen. Dies führt zu spannenden Treffen verschiedener Generationen führt. Gespickt wird dieses Grundthema immer wieder mit kleinen Nebengeschichten, die oft nur dazu dienen, die philosophischen Aspekte weiter zu vertiefen. So wird in der elften Nacht „A Stranger’s Footsteps“ beschrieben, wie eine planetare, „übersinnliche“ Intelligenz die menschlichen Eroberer und ihre internen Machtkämpfe betrachtet, bewertet und schließlich sanktioniert. In „An Hour’s Song in a Birdless Sky“, der 15. Nacht, muss eine Kolonie entdecken, dass außerirdische Fauna – mag sie der der Erde noch so ähneln – ganz andere Möglichkeiten hat, sich fortzubewegen, als nur durch drei Dimensionen. Doch auch unsere eigene europäische Kultur des Übersinnlichen inspirierte Hoshino. Zum Beispiel gewährt er uns einen Einblick in der Menschheit Reaktion auf die Grundfesten des Glaubens erschütternde Ereignisse; im ersten Band die Entdeckung eines zehnten – nach Aberkennung von Plutos Planetenstatus 2006 eines neunten – Planeten: Lucifer. Mithilfe einer vom Vatikan finanzierten Mission zu diesem Neuling beschreibt Hoshino sehr ausführlich den in großen Teilen Europas tief verwurzelten katholischen Mystizismus. Dämonologie und menschliche Engstirnigkeit werden aus einer für uns interessanten, der asiatischen Perspektive beleuchtet.
 Doch neben der packenden Handlung leben die Geschichten in diesem Manga ganz besonders von den zeichnerischen Fähigkeiten ihres Erschaffers. Die überaus kunstvollen Panels – alle in Schwarzweiß gehalten – beschwören auf selten gesehene Weise die Stille und die Weite des Alls. Die Charaktere sind stets anmutig und edel dargestellt. Obwohl die menschlichen Charaktere nach deutlich japanischem Stil gezeichnet sind – besonders ihre Gesichter – zeigen sie jedoch nie die typisch überzeichneten, comicartigen Gesichtsausdrücke, wie man sie aus vielen Mangas kennt. Ein weiteres Indiz für Hoshinos ernsthaften Ansatz, demnach ein weiteres Merkmal eines Gekigaka, eines Comiczeichners der alten Schule mit ernsthaftem Anspruch. Die Hintergründe variieren in einer Vielfalt von naturalistischen bis surrealistischen Ansätzen. Was dabei fasziniert, ist, dass Hoshino es schafft, auf solch kleinem Format – die Bände haben circa DIN A5-Format – auf kunstvollste Weise Bilder zu erschaffen, ja Gemälde, die selbst auf kleinstem Maßstab noch jedes Detail festhalten. Diese Detailgenauigkeit des Vorder- und Hintergrunds in manchen Bildern sowie die Fülle an Text zeigen, dass Hoshino durchaus auch vom amerikanischen Comicstil geprägt ist. Doch das Gesamtprodukt ist ohnehin erhaben über jede stilistische Begrenzung, zu universell, zu episch ist Hoshinos Ansatz.
 Ohne Zweifel kann man behaupten, dass diese Reihe einen ganz besonderen Platz im Manga-Universum einnimmt. Wer sich für Science Fiction und darstellende Kunst interessiert, kommt an diesem Meisterwerk einfach nicht vorbei. Punkt. Zu erwähnen ist aber noch, dass es auch eine Filmversion gibt: Space Fantasia, ein recht gut gelungenes einstündiges Werk, das sich in drei Episoden an der Grundgeschichte der Bücher orientiert. Aber für mich als „Kulti“, wie mein Bruder mich oft zu nennen pflegt, ist natürlich das Original das einzig Wahre. Also, kauft Euch die Bücher! Text Copyright Matin Wasiri Bilder Copyright Yukinobu Hoshino |